HINTERGRUND, Trump

HINTERGRUND: Trump verlÀngert Waffenruhe: Wie es jetzt weitergehen könnte

22.04.2026 - 12:13:57 | dpa.de

Kurz vor Ablaufen der Waffenruhe im Iran-Krieg hat US-PrĂ€sident Donald Trump die Feuerpause trotz zunĂ€chst anderslautender Äußerungen verlĂ€ngert.

Die politische FĂŒhrung im Iran hat sich bislang nicht dazu geĂ€ußert. Trump hatte eine VerlĂ€ngerung der Waffenruhe zuvor noch als sehr unwahrscheinlich bezeichnet. Die Kehrtwende erklĂ€rte er damit, dass er auf Bitten Pakistans von Angriffen auf den Iran absehen werde, bis die dortige FĂŒhrung einen "geeinten Vorschlag" zur Beilegung des Krieges unterbreite. Die US-Seeblockade iranischer HĂ€fen werde jedoch fortgesetzt. Das ist jetzt wichtig:

Welche Szenarien sind nun denkbar?

Wie lange die Waffen schweigen sollen, teilte der US-PrĂ€sident erst einmal nicht mit. Auch wie es weitergeht, ist derzeit ungewiss. Bislang konnten sich Washington und Teheran nicht einmal auf eine weitere Verhandlungsrunde einigen - geschweige denn auf ein Abkommen ĂŒber ein dauerhaftes Ende des Kriegs. Es gibt weiterhin viele ungelöste Streitpunkte zwischen den Kriegsparteien - der Umgang mit Irans hochangereichertem Uran etwa. Die USA drĂ€ngen zudem auf eine Öffnung der Straße von Hormus. Aus iranischer Sicht ist die US-Seeblockade ein bedeutendes Hindernis fĂŒr die GesprĂ€che.

LĂ€ngerfristig ist auch eine RĂŒckkehr zum Krieg nicht auszuschließen, denn ein Abkommen zwischen beiden Kriegsparteien, die ohnehin als sehr schwierig gilt, ist nicht in Sicht.

Der Nahost-Experte Thomas Juneau von der University of Ottawa geht eigenen Angaben zufolge davon aus, dass beide Seiten aber vorerst eine Kampfpause bevorzugten. Der Iran glaube, dass Trump angesichts wachsender Unzufriedenheit in seinem eigenen Land und der bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA zögern werde, den Krieg wieder aufzunehmen. Juneau beschrieb die Lage auf X als "fragiles Patt".

Gregory Brew, Analyst bei der Eurasia Group, schrieb auf X, dass der Status quo fĂŒr keine der beiden Seiten vorteilhaft sei. "Iran braucht eine Lösung des Kriegs; mit der Zeit wird die Blockade zunehmend spĂŒrbar werden."

Auch der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz sagte dem US-Sender CNN, dass eine VerlĂ€ngerung der Waffenruhe keine Langzeitlösung sei. Trumps Drohungen wĂŒrden die iranische FĂŒhrung nicht dazu bringen, aufzugeben, betonte er zugleich. Um ein Abkommen zu erzielen, werde die US-Regierung wahrscheinlich selbst ZugestĂ€ndnisse etwa bei ihrer Seeblockade machen mĂŒssen, sagte der Experte. Andernfalls werde eine Eskalation etwa in Form von weiteren Störungen des Seehandels immer wahrscheinlicher.

Was plant der Iran?

Die politische und militĂ€rische FĂŒhrung im Iran misstraut der Regierung in Washington. Verhandlungen mit den USA sieht das Land weiterhin kritisch, nachdem der Iran bereits zweimal inmitten eines diplomatischen Prozesses angegriffen wurde. Das Nachbarland Pakistan und auch regionale Staaten wie Katar und die TĂŒrkei hatten die iranische FĂŒhrung dazu gedrĂ€ngt, wieder an den Verhandlungstisch mit den Amerikanern zurĂŒckzukehren. Der Iran hĂ€lt sich derzeit offen, an einer weiteren Verhandlungsrunde teilzunehmen. Unterdessen erklĂ€ren sich Irans StreitkrĂ€fte bereit fĂŒr eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen.

Wird sich Israel an die Waffenruhe halten?

Aus Israel, wo derzeit der 78. Jahrestag der israelischen StaatsgrĂŒndung gefeiert wird, gab es zunĂ€chst keine offizielle Mitteilung, ob sich das Land an die von Trump verkĂŒndete Feuerpause gebunden fĂŒhlt. Beide Staaten hatten den Krieg gegen den Iran gemeinsam am 28. Februar begonnen, auf die Teheran mit Angriffen auf Israel und die Golfstaaten reagierte. Es ist davon auszugehen, dass sich Israel erneut an die Waffenruhe halten wird. Nach Trumps VerkĂŒndung der Feuerpause vor zwei Wochen hatte der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu erklĂ€rt, die Entscheidung zu unterstĂŒtzen. Die USA sind Israels wichtigster VerbĂŒndeter.

Israel pocht bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran aber darauf, dass der Iran Israel nicht mit seinem Atom- und Raketenprogramm bedrohen darf. Teheran bestreitet, Atomwaffen zu entwickeln. In Israel glaubt man unterdes nicht daran, dass eine Einigung mit der iranischen FĂŒhrung erreicht werden kann. Das Land bereite sich gemeinsam mit den USA auf die Wiederaufnahme des Krieges vor, sagte jĂŒngst ein hochrangiger Verteidigungsbeamter dem israelischen Sender Kan. Beobachter in Israel gehen zudem davon aus, dass es kĂŒnftig immer wieder KĂ€mpfe mit dem Iran geben könnte, solange sich das Land weiterhin von Teheran bedroht sehe.

Gibt es Auswirkungen auf die Ölpreise?

Die Ölpreise haben am Mittwochmorgen zunĂ€chst den deutlichen Anstieg vom Vortag gestoppt und sind leicht gesunken. Am Mittag ist der Preis fĂŒr Brent-Öl dann gestiegen und zuletzt auch wieder zeitweise ĂŒber die Marke von 100 US-Dollar gesprungen. Der Iran-Krieg bleibt der bestimmende Faktor am Ölmarkt.

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