RWE erhöht Ausbauziele - Mehr Dividende winkt
28.11.2023 - 14:15:30 | dpa.de(neu: Kursteil, Analystenstimmen und weitere Details)
LONDON/ESSEN (dpa-AFX) - Der Energiekonzern RWE DE0007037129 steckt sich höhere Ziele fĂŒr das laufende Jahrzehnt. In den Jahren 2024 bis 2030 sollen weltweit 55 Milliarden Euro netto investiert und das grĂŒne Portfolio auf mehr als 65 Gigawatt (GW) ausgebaut werden, wie der Essener Konzern am Dienstag zu seinem Kapitalmarkttag in London mitteilte. Die Investitionen sollen das operative Ergebnis krĂ€ftig ankurbeln: Bis Ende des Jahrzehnts will RWE ĂŒber 9 Milliarden Euro im TagesgeschĂ€ft verdienen. Und auch die AktionĂ€re sollen ihr StĂŒck vom Kuchen abbekommen. Die Aktie legte nach den Nachrichten deutlich zu.
Wie der Konzern ankĂŒndigte, soll die Dividende jĂ€hrlich um 5 bis 10 Prozent steigen. Bereits im kommenden Jahr ist eine Erhöhung um 10 Cent je Aktie geplant, von den derzeit vom Management vorgesehenen 1,00 Euro fĂŒr das laufende GeschĂ€ftsjahr. Die AusschĂŒttung fĂŒr 2023 ist schon lĂ€nger als Untergrenze fĂŒr die kommenden Jahre vorgesehen. RWE sei zwar kein Dividendentitel, kommentierte Analyst Alberto Gandolfi von der US-Investmentbank Goldman Sachs, aber die in Aussicht gestellten AusschĂŒttungen sollten doch positiv aufgenommen werden.
An der Börse nahm die Aktie am Nachmittag mit einem Plus von mehr als 3,5 Prozent das Zwischenhoch von Ende August bei rund 40 Euro wieder ins Visier. Zuletzt notierte das Papier bei 39,79 Euro. Damit hat die Aktie ihren Abschlag seit Jahresbeginn nach einigem Auf und Ab in den vergangenen Monaten auf 5 Prozent reduziert.
Ausgehend von dem Ergebnisniveau von 2021 rechnet RWE-Konzernchef Markus Krebber mit einer jÀhrlichen Steigerung des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (ber Ebitda) um durchschnittlich 14 Prozent. 2030 soll der operative Gewinn so mehr als 9 Milliarden Euro erreichen. Das ist deutlich mehr als Analysten zuvor auf dem Zettel hatten.
Zum Vergleich: FĂŒr das laufende Jahr rechnet RWE mit 6,4 bis 7 Milliarden Euro in seinem KerngeschĂ€ft, das ab 2024 die alleinig relevante Kennziffer sein soll und das GeschĂ€ft mit Kohle auĂen vor lĂ€sst. Im kommenden Jahr wird es aber erstmal einen RĂŒckgang geben.
So rechnet das Management fĂŒr 2024 mit einem operativen Ergebnis von 5,2 bis 5,8 Milliarden Euro. Das bereinigte Nettoergebnis soll zwischen 1,9 und 2,4 Milliarden Euro liegen und damit ebenfalls zurĂŒckgehen im Vergleich zu den fĂŒr 2023 erwarteten 2,8 bis 3,3 Milliarden. Bis Ende des Jahrzehnts soll der bereinigte Nettogewinn bei 3 Milliarden Euro liegen.
Analysten hatten schon vor der Veranstaltung damit gerechnet, dass der Dax DE0008469008-Konzern das Niveau aus 2023 in den kommenden Jahren zunĂ€chst nicht wĂŒrde halten können, sondern im TagesgeschĂ€ft erst mittelfristig diese Höhe wieder erreicht. Momentan profitieren die Essener unter anderem von der Knappheit nachhaltig hergestellten Stroms sowie von den Schwankungen an den EnergiemĂ€rkten. Dadurch kann RWE etwa höhere Margen aus Strom-TerminverkĂ€ufen erzielen.
RWE aktualisiert mit den neuen Ausbauzielen seine Wachstumsstrategie "Growing Green". Im November 2021 hatte der Konzern sie erstmals vorgestellt. Seitdem hatte RWE fĂŒr 2030 rund 5 Milliarden Euro als operativen Gewinn auf dem Zettel und wollte seine KapazitĂ€ten auf 50 GW ausbauen.
Der GroĂteil des neuen Ausbauziels von 65 GW soll auf Wasserstoff- sowie Solarprojekte entfallen. So will der Konzern etwa seine Solar-KapazitĂ€t von 3,9 auf 16 GW aufstocken. Bei Windkraftprojekten auf See ist eine Steigerung von 3,3 auf 10 GW geplant. KrĂ€ftig ausbauen will der Konzern auch seine Batteriespeicher: Von derzeit 0,5 auf 6 GW. Zudem sei der Bau von mindestens 3 GW wasserstofffĂ€higen Gaskraftwerken geplant. Zum Vergleich: GroĂe Kohlekraftwerke wie etwa Datteln 4 haben eine KapazitĂ€t von gut einem Gigawatt. Per Ende September hatte der Konzern insgesamt KapazitĂ€ten von 35 Gigawatt und weitere 7,8 in Bau.
Mehr als die HĂ€lfte der bis 2030 geplanten Investitionen in Höhe 55 Milliarden Euro will RWE in Europa investieren. Allein in Deutschland sollen es rund 11 Milliarden Euro werden, 20 Prozent mehr als bislang geplant. Neben Europa seien die USA ein weiterer Schwerpunkt der Investitionen. "Hier hat RWE rund 20 Milliarden Euro netto fĂŒr kĂŒnftige Investitionen bis zum Ende des Jahrzehnts eingeplant", sagte Konzernchef Krebber laut Mitteilung.
Höhere ErtrĂ€ge, höhere Kapitalausgaben, stĂ€rkere Gewinne - RWE sei zu den alten Tugenden zurĂŒckgekehrt, kommentierte Goldman-Sachs-Analyst Gandolfi. Und auch andere Experten werteten die Neuigkeiten positiv: RWE investiere viel mehr als gedacht, notierte Jefferies-Analyst Ahmed Farman. UBS-Kollege Sam Arie verwies darauf, dass die lĂ€ngerfristigen Ziele die Erwartungen locker geschlagen hĂ€tten. Das groĂe Ganze sei von Zuversicht geprĂ€gt.
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