NiedersÀchsische, Milchbauern

NiedersÀchsische Milchbauern in Existenznot - Kommt es zu Protesten?

12.12.2025 - 06:39:56 | dpa.de

Milchviehhalter durchleben gerade harte Zeiten: "FĂŒr viele Betriebe ist die Situation tatsĂ€chlich existenzbedrohend", sagt der Agrarmarktexperte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Albert Hortmann-Scholten.

Die Auszahlungspreise fĂŒr Milch sind seit dem SpĂ€tsommer deutlich gesunken, viele Höfe haben inzwischen Probleme, kostendeckend zu arbeiten.

Der Preisverfall bei der Butter im Lebensmitteleinzelhandel lĂ€sst viele Landwirte zornig werden: 99 Cent fĂŒr die 250-Gramm-Packung sei "inakzeptabel", sagt Frank Kohlenberg, VizeprĂ€sident des Landvolks Niedersachsen.

"Wir kommen bei den Auszahlungspreisen von gut 51 Cent auf 41, vielleicht sogar auf unter 40 Cent", so Kohlenberg. Mit diesen Preisen komme nicht jeder Betrieb zurecht.

Warum sind die Preise gesunken?

Der Preisrutsch habe viele Ursachen, sagt Hortmann-Scholten. Es gebe ĂŒberall auf der Welt Produktionszuwachs. FĂŒr Milchviehhalter in Europa komme der Zollstreit mit China hinzu: Nach der VerhĂ€ngung von Strafzöllen fĂŒr chinesische Elektroautos erhöhten die Chinesen die Zölle fĂŒr Agrarprodukte. Auch der starke Dollar verteuere Exporte aus dem Euro-Raum in andere LĂ€nder. All das sorge fĂŒr große Milchmengen in Europa.

Hinzu komme ein Folgeeffekt der Blauzungenkrankheit, an der im vergangenen Jahr in Nordwesteuropa viele WiederkĂ€uer erkrankten. In der Folge sank die Milchproduktion, was zu knapper Ware und zu guten Preisen fĂŒr die Landwirte fĂŒhrte.

Aber inzwischen sei die Milchmenge wieder gestiegen, die krankheitsbedingten ProduktionsrĂŒckgĂ€nge machten sich nicht mehr bemerkbar, sagt Hortmann-Scholten. Im Gegenteil, seit Mitte September habe es einen großen Zuwachs an Milch gegeben, der zum Teil bei acht Prozent ĂŒber den Vorjahren gelegen habe. "Es hatte kein Molkereifachmann damit gerechnet, dass es auf einmal solch einen Schub gab", erklĂ€rt Hortmann-Scholten.

Die Molkereien hĂ€tten die reichlich vorhandene Milch zu Butter verarbeitet. Der Lebensmitteleinzelhandel habe schnell gemerkt, dass es ein ĂŒberaus großes Angebot an Butter gab - die Folge: Seit September habe es einen Wettlauf der Einzelhandelsketten um den gĂŒnstigsten Butterpreis gegeben.

Gibt es Möglichkeiten, den Preisverfall zu begrenzen?

Inzwischen liegt der Preis fĂŒr die 250-Gramm-Packung der Eigenmarken bei 99 Cent. "Das ist das niedrigste Preisniveau seit mehr als zehn Jahren", sagt Hortmann-Scholten. Die Landwirte hĂ€tten dabei das GefĂŒhl, als ob man ihnen den Boden unter den FĂŒĂŸen wegziehe. Und auch die Möglichkeiten der Molkereien, dagegen zu steuern, seien begrenzt, denn auch die mĂŒssten ihre Ware ja auf dem Markt verkaufen.

Bis 2015 gab es in der EuropĂ€ischen Union die Milchquote. Seit ihrer Abschaffung ist die Milchproduktion vollkommen liberalisiert, erklĂ€rt der Marktexperte. Interventionsinstrumente - wie einst der "Butterberg" oder die "Milchseen" - gebe es nicht mehr. Zwar gebe es immer wieder die Forderung nach neuen Milchquoten. Die machten aber nur auf europĂ€ischer Ebene Sinn, sagt Hortmann-Scholten. Unter den MitgliedslĂ€ndern der EU sehe er dafĂŒr aber keine Mehrheit.

Ist die Talsohle schon erreicht?

Nein, sagt Albert Hortmann-Scholten. Angesichts der Entwicklung der Börsennotierungen rechne er damit, dass der Milchpreis noch unter die 40-Cent-Marke pro Kilo Milch falle. Auch weltweit sei der Milchmarkt voll. Der in Neuseeland erstellte sogenannte Global Dairy Index verzeichne seit vier Monaten sinkende internationale Milchpreise.

Welche Rolle hat der Lebensmitteleinzelhandel?

Aus Sicht von Landvolk-VizeprĂ€sident Frank Kohlenberg liegt die Verantwortung fĂŒr den geringen Auszahlungspreis einzig bei den Handelsketten in Deutschland. Diese hĂ€tten angesichts des geringen Einkaufspreises auch höhere Verkaufspreise beibehalten, und den Abstand an die Landwirte weiterreichen können. "Das hĂ€tte der Handel machen können, der immer betont, mit den Landwirten fair umgehen zu wollen", sagt Kohlenberg.

Die Einzelhandelspreise fĂŒr Butter seien in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern wesentlich höher als in Deutschland. Das komme den Landwirten in den NachbarlĂ€ndern zugute, argumentiert Kohlenberg: "Gerade der hollĂ€ndische Landwirt profitiert schon davon, dass in Holland die 250-Gramm-Packung Butter nicht fĂŒr 99 Cent gehandelt wird." Seitens der Landwirtschaft werde ĂŒberlegt, ob man sich weiter an den Agrardialogen mit dem Einzelhandel beteiligen wolle.

Wie reagieren die Landwirte?

Der Bayerische Bauernverband hat das Bundeskartellamt zur PrĂŒfung der niedrigen Butterpreise eingeschaltet. BauernprĂ€sident Joachim Rukwied sagte zu den Butterpreisen: "So kann man kein hochwertiges Lebensmittel verramschen, auch wenn man das als Lockangebot vor Weihnachten nutzen will."

Zu Protestaktionen rufen die großen BauernverbĂ€nde nicht auf. Aber viele Landwirte sind unzufrieden und sehen ihre Existenz bedroht. Erste inoffizielle Aufrufe zu Trecker-Protesten gibt es schon. "Diese Krise mĂŒssen die Betriebe jetzt irgendwie ĂŒberstehen", sagt Hortmann-Scholten. "Und am Weihnachtsfest wird in vielen Familien wohl darĂŒber gesprochen werden: "Wollen wir den Betrieb in dieser Form noch weiterfĂŒhren?"."

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