Mittelstand, Firmen

Mittelstand: 114.000 Firmen droht jährlich das Aus

16.03.2026 - 00:00:25 | boerse-global.de

Jährlich drohen über 100.000 inhabergeführte Betriebe zu schließen. Die Bundesregierung setzt auf die Online-Plattform nexxt-change, um Nachfolger zu finden und den Wirtschaftsstandort zu sichern.

Mittelstand: 114.000 Firmen droht jährlich das Aus - Foto: über boerse-global.de
Mittelstand: 114.000 Firmen droht jährlich das Aus - Foto: über boerse-global.de

Deutschlands Wirtschaftsriese steht vor einer gewaltigen Nachfolgekrise. Laut einer aktuellen Studie planen jedes Jahr über 100.000 inhabergeführte Betriebe die Schließung, weil kein Nachfolger in Sicht ist. Die Bundesregierung setzt im Wettlauf gegen die Zeit auf eine digitale Lösung: die Börse nexxt-change.

Demografie-Welle rollt auf Mittelstand zu

Die Zahlen des „Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025“ der KfW Research sind alarmierend. Bis Ende 2029 könnten jährlich rund 114.000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) für immer schließen. Das entspricht jedem vierten Betrieb, dessen Inhaber in den Ruhestand geht. Der Grund ist eine überalterte Gründergeneration: Der durchschnittliche Chef im Mittelstand ist über 54 Jahre alt, mehr als zwei Millionen sind 55 oder älter.

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Doch warum finden sich keine Nachfolger? Neben mangelndem Familieninteresse sehen 45 Prozent der Firmen bürokratische und steuerliche Hürden als größtes Problem. Trotz der düsteren Prognose kämpfen etwa 109.000 Unternehmen pro Jahr um den Erhalt ihres Lebenswerks – ein Wettlauf gegen die Uhr.

Kaufpreise steigen – Finanzierung wird zur Hürde

Für potenzielle Übernehmer wird der Schritt immer teurer. Die Preisvorstellungen der Verkäufer sind laut KfW-Studie stark gestiegen. Ein mittelständisches Unternehmen kostet im Schnitt knapp 499.000 Euro. Das ist nominal ein Plus von 34 Prozent seit 2019. Selbst inflationsbereinigt liegt die reale Steigerung bei 9,5 Prozent.

Üblich ist ein Kaufpreis in Höhe des 1,2-fachen Jahresumsatzes. Die Kluft zwischen dem Kapital junger Gründer und den Erwartungen der Senioren ist oft groß. Eine Einigung auf einen fairen Wert gilt als schwierigste Phase im Nachfolgeprozess. Komplexe Finanzierungen und staatliche Förderkredite werden daher immer wichtiger.

Digitale Rettungsleine: So funktioniert nexxt-change

Als zentrale Gegenstrategie fördern Staat und Verbände die Online-Börse nexxt-change. Das Portal ist ein Gemeinschaftsprojekt des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK), der KfW und der Kammern. Es vermittelt zwischen ausscheidenden Inhabern und kaufwilligen Unternehmern.

Seit dem Start 2006 wurden hier über 19.000 erfolgreiche Übergaben vermittelt. Das Netzwerk aus mehr als 700 Partnern – darunter IHK, Handwerkskammern und Banken – hilft bei der Anzeigenerstellung, der ersten Kontaktaufnahme und der Prozessplanung. Mit Checklisten, Workshops und digitalen Tools bereitet die Plattform beide Seiten auf die komplexe Übergabe vor.

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Bürokratie abbauen, Finanzierung erleichtern

Experten betonen: Die Plattform ist nur ein Teil der Lösung. Angesichts der hohen Kaufpreise sind staatliche Förderprogramme wie die KfW-Gründungsfinanzierung essenziell. Gleichzeitig gewinnen externe Modelle wie der Verkauf an Fremde oder Management-Buy-Outs an Bedeutung.

Die große Zahl an Unternehmen am Markt könnte eigentlich ein Käufermarkt sein. Doch oft scheitert es an fehlendem Eigenkapital oder passenden Managementfähigkeiten. Der wichtigste Rat der Fachleute: frühzeitig planen. Eine gelungene Nachfolge benötigt eine Vorlaufzeit von drei bis fünf Jahren.

Wettlauf um die Zukunft des Wirtschaftsstandorts

Die Nachfolgekrise bleibt ein Top-Thema der deutschen Wirtschaftspolitik. Initiativen wie die Kampagne „Frau-Handwerk-Nachfolge“ zielen darauf ab, neue Zielgruppen wie Frauen für die Übernahme zu gewinnen. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein.

Gelingt es nicht, jährlich zehntausende Betriebe zu retten, gehen Fachwissen, Arbeitsplätze und regionale Stabilität verloren. Die Zukunft des deutschen Mittelstands hängt am digitalen Matchmaking – und an weniger Bürokratie.

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