Mittelstand setzt im Handelskonflikt auf Europa
09.02.2026 - 17:33:11Der deutsche Mittelstand wendet sich angesichts unsicherer US-Handelspolitik verstärkt Deutschland und Europa zu. Eine neue Umfrage belegt diesen strategischen Kurswechsel.
Frankfurt am Main – Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft justiert seinen Kompass neu. Eine repräsentative Umfrage der DZ Bank unter mehr als 1.000 Mittelständlern zeigt: Mehr als die Hälfte der Unternehmen plant, Absatz und Beschaffung künftig stärker in Deutschland und Europa zu konzentrieren. Der Grund ist weniger die direkte Zollbelastung als vielmehr die massive Planungsunsicherheit.
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Unvorhersehbarkeit wird zum größten Problem
Die direkten finanziellen Auswirkungen der US-Zölle scheinen geringer als befürchtet. Nur 12 Prozent der Firmen melden Nachfragerückgänge oder schrumpfende Margen. Doch die indirekten Folgen wiegen schwer: 44 Prozent spüren die Handelsbarrieren über höhere Einkaufspreise oder eine sinkende Nachfrage ihrer Kunden.
Die eigentliche Bremse für das Geschäft ist die politische Unberechenbarkeit. Fast jedes vierte Unternehmen (23 Prozent) leidet unter der mangelnden Planungssicherheit aus Washington. Langfristige Investitionen werden so zum Lotteriespiel. Nur 44 Prozent geben an, bisher gar keine Auswirkungen zu spüren.
Die große Rückkehr: Absatz und Einkauf werden regionaler
Als Antwort auf diese Herausforderungen setzen die Mittelständler auf Regionalisierung. Konkret bedeutet das: 53 Prozent wollen ihre Produkte verstärkt in Deutschland absetzen.
Ein paralleler Trend zeigt sich bei den Lieferketten. Um resilienter zu werden, setzen ebenfalls 53 Prozent der Firmen künftig stärker auf europäische Zulieferer, 51 Prozent bevorzugen explizit deutsche Partner. Dieses „Nearshoring“ soll die Abhängigkeit von transatlantischen Handelsstreitigkeiten reduzieren und durch kürzere Wege die Produktion stabilisieren.
Betroffene Branchen und neue Hoffnungsträger
Besonders stark trifft es exportorientierte Schlüsselindustrien. Unternehmen aus der Elektro- und Automobilbranche, der Chemie und dem Maschinenbau sind überdurchschnittlich von den Handelshemmnissen betroffen.
Doch die Rückbesinnung auf die Heimat allein reicht vielen nicht. Für 41 Prozent der Befragten ist sie nur ein Teil der Lösung. Daher diversifizieren die Mittelständler gezielt in andere Märkte. Das Interesse an den USA schwindet, während andere Regionen an Attraktivität gewinnen. Neben Westeuropa rücken Mittel- und Osteuropa in den Fokus. Außerhalb Europas gilt vor allem Indien als vielversprechender Zukunftsmarkt.
Vom Exportweltmeister zum resilienten Europäer?
Die strategische Wende ist eine direkte Anpassung an ein neues, von Protektionismus geprägtes Wirtschaftsklima. Organisationen wie der DIHK warnen seit langem vor den Kosten und der Verunsicherung durch die US-Politik.
Die Hinwendung zum europäischen Binnenmarkt bietet Schutz und Stabilität. Experten sehen darin eine defensive Risikominimierung, aber auch eine Chance: Kürzere Lieferwege und eine engere europäische Zusammenarbeit könnten die Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Langfristig könnte dieser Trend die Rolle Deutschlands als Exportweltmeister verändern. Eine robustere, auf Europa fokussierte Wirtschaft wäre krisenfester, könnte aber auch Wachstumschancen in anderen Weltregionen verpassen. Für die Unternehmenslenker bleibt die Balance zwischen regionaler Stärke und globaler Diversifikation die zentrale Führungsaufgabe der kommenden Jahre.
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