Merz und Macron betonen Einigkeit bei Wirtschaftsrettung
12.02.2026 - 15:27:28"Wir wollen diese EuropĂ€ische Union schneller machen. Wir wollen sie besser machen. Wir wollen vor allem dafĂŒr sorgen, dass wir eine wettbewerbsfĂ€hige Industrie in Europa haben", sagte Merz bei einem gemeinsamen Auftritt mit Macron am Rande eines Gipfeltreffens der EU-Staats- und Regierungschefs in Belgien. "Ich freue mich, dass Emmanuel Macron und ich, wie fast immer, einig sind ĂŒber diese Fragen", so der CDU-Politiker weiter.
Man denke "selbstverstĂ€ndlich gemeinsam", ergĂ€nzte Macron. "Ich glaube, wir teilen dieses GefĂŒhl der Dringlichkeit, dass unser Europa klar handeln muss", so der Franzose.
Wie kann Europa wettbewerbsfÀhiger werden?
Europas Wirtschaft Ă€chzt derzeit schwer - groĂer BĂŒrokratieaufwand, hohe Energiepreise, starke Konkurrenz vor allem aus China und den USA sowie weltpolitische Entwicklungen setzen der Industrie zu. Bei dem informellen Spitzentreffen der 27 Staats- und Regierungschefs der EU in einem Wasserschloss nahe dem niederlĂ€ndischen Maastricht geht es daher vor allem um die Frage, wie Europa vor dem Hintergrund der neuen geopolitischen Herausforderungen wettbewerbsfĂ€higer werden kann.
Merz stellte jedoch gleich zu Beginn klar: "Es wird keine Entscheidung geben, sondern es gibt eine Aussprache ĂŒber WettbewerbsfĂ€higkeit und ĂŒber die Vollendung des europĂ€ischen Binnenmarktes". Man bereite Entscheidungen vor, die beim kommenden regulĂ€ren Gipfeltreffen der EU-Spitzen Ende MĂ€rz in BrĂŒssel getroffen werden sollen - erst dann solle es auch um die Finanzierung der EuropĂ€ischen Union gehen, so der Kanzler. Auch RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa sagte, es werde spĂ€ter im Jahr Gelegenheit geben, ĂŒber öffentliche Investitionen zu diskutieren.
Paris und Berlin zuvor uneins
Gerade zum Thema Finanzierung gab es zuvor offen ausgetragene Meinungsverschiedenheiten zwischen Merz und Macron. Der Franzose plĂ€dierte etwa zuletzt dafĂŒr, eine "Buy European"-Regel einzufĂŒhren und so bei öffentlichen Investitionen europĂ€ische Produkte zu bevorzugen. Merz setzt sich fĂŒr einen zurĂŒckhaltenderen Ansatz ein und fordert europĂ€ische PrĂ€ferenzregeln nur fĂŒr kritische, strategische Sektoren sowie nur als letztes Mittel.
JĂŒngst forderte Macron darĂŒber hinaus, gemeinsame Schulden fĂŒr Investitionen aufzunehmen. Auch Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni zeigte sich dafĂŒr offen. Berlin wies die Forderungen zurĂŒck. Das Thema der Eurobonds sei eine der am stĂ€rksten spaltenden Debatten unter ihren europĂ€ischen Kollegen, sagte Meloni.
Merz fordert "regulatorischen Neuanfang"
Unumstritten ist, dass die BĂŒrokratielast fĂŒr Europas Unternehmen reduziert werden soll. Die Industrie klagt bestĂ€ndig ĂŒber eine enorme BĂŒrde, die durch Umwelt- und Nachhaltigkeitsvorgaben noch gröĂer geworden sei. Bei einem Treffen von rund 500 Industrievertreterinnen und -vertretern in Antwerpen tags zuvor forderte Merz, systematisch und "jeden Sektor" zu deregulieren. Kleine Korrekturen reichten nicht aus. "Ich fordere einen regulatorischen Neuanfang", sagte der Bundeskanzler. Die Industrie sprach sich fĂŒr politische FĂŒhrungsstĂ€rke und UnterstĂŒtzung wie in der Corona-Pandemie aus. Konkret fordert sie unter anderem eine Senkung der Energiekosten.
Auch bestehende HĂŒrden beim Handel zwischen EU-LĂ€ndern sollen reduziert und so der Binnenmarkt vertieft werden. Ein Ansatz dafĂŒr ist, das Zusammenwachsen der noch zersplitterten europĂ€ischen KapitalmĂ€rkte stĂ€rker voranzutreiben. Seit Jahren wird an der sogenannten Kapitalmarktunion gearbeitet, bislang jedoch ohne gröĂeren Erfolg. Mit einem integrierten Kapitalmarkt soll mehr Kapital auf den europĂ€ischen MĂ€rkten gehalten und Verbraucher dazu gebracht werden, an den hiesigen FinanzmĂ€rkten zu investieren, damit Unternehmen sich leichter Geld beschaffen können.
ZunÀchst Kapitalmarktunion weniger LÀnder?
EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen zieht fĂŒr mehr Tempo an dieser Stelle notfalls auch in Betracht, dass kleinere LĂ€ndergruppen vorangehen. Die Deutsche dĂŒrfte damit auch ein Projekt von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und seinen Amtskollegen aus Frankreich, Italien, Polen, Spanien und den Niederlanden zur Beschleunigung unterstĂŒtzen: Die Ressortchefs hatten sich Ende Januar zusammengetan, um die sogenannte Spar- und Investitionsunion voranzutreiben - um bessere Finanzierungsbedingungen fĂŒr europĂ€ische Unternehmen zu schaffen. GrundsĂ€tzlich ist die EU auf gemeinsame Entscheidungen aller Mitgliedsstaaten ausgerichtet.
Bei der Zusammenkunft der 27 EU-Staats- und Regierungschefs geht es auch darum, internationale HandelsverhĂ€ltnisse auszubauen und zu diversifizieren, um so Risiken und AbhĂ€ngigkeiten zu verringern. Die EU setzt auf neue Freihandelsabkommen, auch um sich gegen die aggressive Zollpolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump zu wehren. Anfang des Jahres wurde nach jahrzehntelangen Verhandlungen ein Abkommen mit vier sĂŒdamerikanischen Staaten des Mercosur-Bunds unterzeichnet, auĂerdem verstĂ€ndigte sich BrĂŒssel jĂŒngst mit Indien auf eine groĂe neue Freihandelszone. Ein Abkommen mit Australien ist ebenfalls geplant.
@ dpa.de
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