ROUNDUPLehren, Grönland-Krise

EU will Trump Paroli bieten

23.01.2026 - 06:50:06

Nach der zwischenzeitlichen Zuspitzung im Grönland-Konflikt will die EU noch stÀrker auf UnabhÀngigkeit von den USA unter PrÀsident Donald Trump setzen.

Bei einem Sondergipfel in BrĂŒssel gab es am Donnerstagabend zwar große Erleichterung darĂŒber, dass Trump seine Strafzolldrohungen gegen Deutschland und andere europĂ€ische Alliierte vorerst wieder zurĂŒckgenommen hat. Spitzenpolitiker machten aber deutlich, dass es ein "Weiter so" angesichts der Lage nicht geben sollte.

Es sei klar, dass man sich immer stĂ€rker fĂŒr ein unabhĂ€ngiges Europa einsetzen mĂŒsse, sagte EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen nach rund viereinhalbstĂŒndigen Beratungen. "Das ist nichts, was ĂŒber Nacht geschieht. Das ist harte Arbeit." Als entscheidende Punkte in dem aktuellen Konflikt nannte sie neben Dialogbereitschaft auch Entschlossenheit, Geschlossenheit und Vorbereitung.

Merz: EU muss sich verteidigen können

Bundeskanzler Friedrich Merz sagte, die EuropĂ€er mĂŒssten nun Konsequenzen ziehen und ihre VerteidigungsfĂ€higkeit und wirtschaftliche WettbewerbsfĂ€higkeit stĂ€rken. "Die EuropĂ€ische Union, der europĂ€ische Teil der Nato, muss in der Lage sein, sich selbst zu verteidigen."

Zugleich sprachen sich Merz und mehrere Staats- und Regierungschefs beim EU-Sondergipfel weiter fĂŒr eine enge Zusammenarbeit mit Washington und dabei vor allem fĂŒr den Erhalt der Nato aus. Der polnische MinisterprĂ€sident Donald Tusk sagte, man mĂŒsse alles dafĂŒr tun, die Beziehungen und die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten zu schĂŒtzen - auch wenn es derzeit eine Krise gebe. FĂŒr Polen seien die Vereinigten Staaten weiter absolut der wichtigste Partner, wenn es um Sicherheit gehe.

Auch Merz betonte, dass die Nato als "erfolgreichstes politisches BĂŒndnis, das es jemals zwischen Europa und Amerika gegeben hat", erhalten werden mĂŒsse. "Ich habe auch den Eindruck, dass viele Amerikaner das mit uns so sehen", sagte er. "Dieses transatlantische BĂŒndnis gibt man nicht einfach mal so auf."

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte: "Auf europĂ€ischer Seite sind wir nicht bereit, 80 Jahre guter Beziehungen zu zerstören, und wir sind bereit, dafĂŒr zu arbeiten." Das Signal an die USA mĂŒsse StĂ€rke sein.

Trump hatte Strafzölle angekĂŒndigt

Der Sondergipfel war am Wochenende einberufen worden, nachdem Trump Strafzölle auf Waren aus DĂ€nemark und alliierten LĂ€ndern wie Deutschland angekĂŒndigt hatte, weil diese seine offensiv vorgetragenen BesitzansprĂŒche auf Grönland nicht akzeptieren wollen. UrsprĂŒnglich sollte es bei dem Gipfel vor allem um die Frage gehen, wie die EU auf Erpressungsversuche reagieren kann. Am Mittwochabend entschĂ€rfte Trump den Konflikt dann ĂŒberraschend und nahm seine StrafzollankĂŒndigung zurĂŒck.

Zur BegrĂŒndung verwies er darauf, dass wĂ€hrend eines Treffens mit Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte ein Rahmen fĂŒr eine zukĂŒnftige Vereinbarung ĂŒber Grönland und die gesamte Arktisregion entstanden sei. Viele Details blieben zunĂ€chst unklar - Angaben aus Nato-Kreisen zufolge sollen die USA allerdings ihre MilitĂ€rprĂ€senz auf Grönland ausweiten dĂŒrfen und möglicherweise auch ein Mitentscheidungsrecht ĂŒber bestimmte Investitionen auf der Arktisinsel bekommen.

Gute Beziehungen gewĂŒnscht

Nachdem kurze Zeit unklar gewesen war, ob der Sondergipfel trotz dieser neuen Entwicklungen stattfinden soll, entschied EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa, an dem Spitzentreffen festzuhalten und grundsĂ€tzlich ĂŒber die jĂŒngsten Entwicklungen in den transatlantischen Beziehungen und deren Auswirkungen auf die EU sprechen.

Nach dem Treffen sagte Costa, man werde sich weiterhin fĂŒr gute Beziehungen zu den Vereinigten Staaten einsetzen. "Die EinfĂŒhrung zusĂ€tzlicher Zölle wĂ€re mit dem Handelsabkommen zwischen der EU und den USA unvereinbar gewesen. Unser Fokus muss nun darauf liegen, die Umsetzung dieses Abkommens voranzutreiben. Das Ziel bleibt die wirksame Stabilisierung der Handelsbeziehungen zwischen der EuropĂ€ischen Union und den USA."

Merz und Macron fĂŒhren Trump-Wende auf europĂ€isches Auftreten zurĂŒck

Unter anderem Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron und Kanzler Merz zeigten sich bei dem Gipfel ĂŒberzeugt, dass das Auftreten der EuropĂ€er in den vergangenen Tagen maßgeblich fĂŒr die Entwicklungen verantwortlich war. "Wenn Europa geeint reagiert und die Instrumente nutzt, die ihm zur VerfĂŒgung stehen, dann kann es sich, wenn es bedroht wird, Respekt verschaffen", sagte Macron. Das ist es, was diese Woche geschehen sei.

Macron spielte damit darauf an, dass vor allem die EU klargemacht hatte, dass sie die Erpressungsversuche mit den Zusatzzöllen nicht hinnehmen will. HĂ€tte Trump seine AnkĂŒndigungen wie geplant zum 1. Februar umgesetzt, wĂ€ren so möglicherweise bereits ab dem 7. Februar Sonderzölle auf US-Warenexporte im Wert von 93 Milliarden Euro erhoben worden.

Zudem war die Nutzung eines neuen EU-Instruments gegen wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen im GesprĂ€ch. Letzteres könnte es auch ermöglichen, US-Unternehmen von der Vergabe öffentlicher AuftrĂ€ge auszuschließen oder Digitalformen wie Apple, Microsoft, Google, Meta mit Zusatzabgaben zu belegen.

DĂ€nemark bedankt sich

Die dĂ€nische MinisterprĂ€sidentin Mette Frederiksen bedankte sich fĂŒr den RĂŒckhalt der europĂ€ischen Partner im Grönland-Konflikt mit den USA. Die UnterstĂŒtzung sei in der sehr schwierigen Situation, in die das Land gebracht worden sei, von enormer Bedeutung gewesen. Wenn Europa zusammen und fĂŒr sich selbst einstehe, wĂŒrden sich Ergebnisse zeigen. "Ich glaube, wir haben in den letzten Tagen und Wochen etwas gelernt", sagte Frederiksen.

@ dpa.de