Aida-Chef warnt: Landstrom-Ausbau in Europa ist zu langsam
16.09.2025 - 06:36:05Eine EU-Gesetzgebung regelt, dass von 2030 an Schiffe in vielen EU-HĂ€fen Landstrom beziehen mĂŒssen. Das Ziel könne verfehlt werden, sagte der PrĂ€sident des Kreuzfahrtanbieters Aida Cruises aus Rostock.
"Landstrom ist keine Technologie, die ich heute im Baumarkt kaufe und morgen installiere", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe eine begrenzte Zahl an Lieferanten. Zudem sei der Bedarf der HĂ€fen hoch, die Anlagen zu kaufen. "Ich frage mich deshalb, ob das Ziel bis 2030 erreicht wird, angesichts der aktuellen Geschwindigkeit der Projekte."
Landstromanlagen vor allem in Nordeuropa
Nach einer Ăbersicht des internationalen Kreuzfahrtverbands Clia gibt es in Europa Landstromanlagen in 19 HĂ€fen. Die meisten befinden sich demnach in Norwegen (fĂŒnf) und Deutschland (drei). Nahezu alle stehen in Nordeuropa. Im Mittelmeer gibt es die Anlagen demnach allein im französischen Toulon und in Valletta auf Malta.
Schiffe verbrauchen auch im Hafen Strom - vor allem Kreuzfahrtschiffe, deren Strombedarf dem einer Kleinstadt entsprechen kann. Landstromanlagen verbinden Schiffe mit einer Stromquelle. Die Schiffe können dann ihre Hilfsmotoren abschalten, wodurch die Schadstoffbelastung sinkt. Allerdings wird die Technik die Schifffahrt allein nicht nachhaltig machen, weil die Emissionen wÀhrend der Fahrt entstehen. Landstrom ist zudem vergleichsweise teuer und nicht alle Schiffe können ihn beziehen.
Aida-Schiffe nutzen hÀufiger Landstrom
Aida bezeichnet sich als treibende Kraft beim Landstrom innerhalb der europĂ€ischen Branche. Lob fĂŒr zurĂŒckliegende Projekte gab es jĂŒngst vom Naturschutzbund Deutschland, als dieser in Hamburg eine Nachhaltigkeitsrangliste vorstellte.
Aida-Schiffe steigerten die Landstromnutzung den Firmenangaben nach von 65 im Jahr 2023 auf 381 im Jahr 2024. "Dieses Jahr sind wir auf dem Weg, deutlich mehr als 400-mal Landstrom zu nehmen", sagte Eichhorn. Die Schiffe bezögen Landstrom in Hamburg, Kiel, Rostock sowie anderen HÀfen Nordeuropas.
EU-Regeln werden 2030 und 2035 verschÀrft
Dass Kreuzfahrt- und Containerschiffe von 2030 an allein Landstrom beziehen mĂŒssen, regelt unter anderem die EU-Verordnung FuelEU Maritime. Die Vorgabe gilt zunĂ€chst an SeehĂ€fen, die dem sogenannten TranseuropĂ€ischen Verkehrsnetz angehören und die eine höhere Zahl an AnlĂ€ufen verzeichnen. Ab 2035 sind die Regeln verschĂ€rft: Dann mĂŒssen Schiffe auch an kleineren HĂ€fen, die nicht dem Netz angehören, Landstrom beziehen, falls es eine Anlage gibt.

