Ladungssicherungs-Regeln, Kraft

Neue Ladungssicherungs-Regeln treten in Kraft – mit Folgen für die Logistik

05.04.2026 - 20:18:18 | boerse-global.de

Verschärfte Kennzeichnungspflichten für Ladungssicherungsmittel sind seit Februar 2026 in Kraft. Gleichzeitig setzt die Logistikbranche auf KI-Scanner und VR-Training, um Unfälle und Milliardenschäden zu reduzieren.

Neue Ladungssicherungs-Regeln treten in Kraft – mit Folgen für die Logistik - Foto: über boerse-global.de

Ab Februar 2026 gelten verschärfte Vorschriften für die Ladungssicherung. Gleichzeitig setzt die Branche auf KI und VR, um die Unfallzahlen zu senken. Die Hintergründe.

VDI 2700: Neue Pflichten fĂĽr Gurte und Anschlagmittel

Seit dem 1. Februar 2026 ist die überarbeitete Richtlinie VDI 2700 Blatt 3.2 verbindlich. Sie löst die fast 20 Jahre alte Vorgängerversion ab. „Das ist keine Revolution, sondern eine notwendige Anpassung an den technischen Fortschritt“, erklärt Thorsten Ludwig von TÜV SÜD.

Der größte Wandel betrifft die Kennzeichnung. Jedes Hilfsmittel zur Ladungssicherung – ob Zurrgurt, Kopfholz oder Sperrstange – muss nun ein sichtbares Herstelleretikett mit zulässiger Belastung und Chargennummer tragen. Auch für Anschlagmittel gelten neue Berechnungsregeln. Wird ein Hebezeug auch zum Sichern genutzt, gilt seine Arbeitslastgrenze (WLL) als Laschkapazität (LC). Wird es nur gesichert, kann die Kapazität verdoublet werden – sofern es entsprechend gekennzeichnet ist.

„Es gibt keine Übergangsfrist“, warnt Guido Elting von Elting Metalltechnik. Betriebe müssen ihre gesamte Ausrüstung sofort überprüfen. Bei Polizeikontrollen wurden in der Vergangenheit bis zu 70 Prozent der Ladungen beanstandet. Die neue Regelung soll für mehr Klarheit und Sicherheit sorgen.

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Staplerfahrer: Eignung wird strenger geprĂĽft

Die Qualifikation der Fahrer bleibt ein zentraler Sicherheitsfaktor. Die DGUV-Statistik für 2024 zeigt: Während die Gesamtzahl der Arbeitsunfälle leicht sank, blieben Vorfälle mit Gabelstaplern und Flurförderzeugen auf hohem Niveau. Allein im Logistiksektor gab es über 33.000 meldepflichtige Unfälle.

Daher gewinnt die regelmäßige arbeitsmedizinische Untersuchung (früher G25) an Bedeutung. Die Eignung umfasst heute nicht nur die körperliche, sondern auch die psychische Belastbarkeit im stressigen Lageralltag. Die jährliche Unterweisung ist längst mehr als eine Formalie – sie ist ein zentrales Instrument zur Risikominimierung.

Arbeitgeber müssen die Kompetenz ihrer Fahrer lückenlos dokumentieren. Im Schadensfall haften sowohl der Verlader als auch der Geschäftsführer persönlich, wenn die Qualifikation nicht nachweisbar ist.

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LogiMAT 2026: KI-Scanner und VR-Training im Fokus

Auf der Fachmesse LogiMAT in Stuttgart zeigte sich, wie Technologie das Sicherheitstraining revolutioniert. Ein Trend sind KI-gestützte Scanner, die Ladungen in Echtzeit auf VDI-2700-Konformität prüfen. Sensoren messen dabei die Spannkraft und Lastverteilung und geben sofort Feedback an Fahrer und Verlader.

Etabliert hat sich auch Virtual Reality (VR) in der Ausbildung. Simulatoren trainieren risikoreiche Szenarien wie Kippgefahr oder Fußgängerkollisionen – absolut gefahrlos. „Digitale Zwillinge ermöglichen häufigeres und variantenreicheres Training, ohne den Lagerbetrieb zu stören“, erklärt Günter Ullrich vom VDI-Fachausschuss für fahrerlose Transportsysteme.

Die neue Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 verschärft zudem die Sicherheitsanforderungen für automatisierte Systeme. Auch bei Robotern und autonomen Staplern muss das Bedienpersonal für die sichere Interaktion geschult sein.

Wirtschaftlicher Druck: 500 Millionen Euro Schaden pro Jahr

Hinter dem Sicherheitsdrang steht auch eine harte ökonomische Logik. Nach Schätzungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) verursacht mangelhafte Ladungssicherung jährlich Schäden von rund 500 Millionen Euro. Dazu zählen nicht nur Ware, sondern auch Fahrzeugschäden, Umweltbelastung und logistische Verzögerungen.

2026 kommt der anhaltende Fachkräftemangel hinzu. Investitionen in moderne Ausbildung und Sicherheitstechnik werden zum Schlüsselfaktor für Personalbindung und Betriebszuverlässigkeit.

Die Verantwortung in der Lieferkette ist klar verteilt: Der Fahrer haftet für den sicheren Transport, der Verlader für die korrekte Beladung nach HGB und StVO. Die neue VDI-Regelung erleichtert es Behörden, bei fehlender Kennzeichnung oder Dokumentation ein technisches Regelwerk zu verletzen. Die Folge können hohe Bußgelder und nicht anerkannte Versicherungsleistungen sein.

Ausblick: Vom Fahrer zum Supervisor

Bis Ende der 2020er Jahre wird sich die Rolle des Staplerfahrers weiter wandeln. In großen Logistikzentren mit autonomen Fahrzeugen (AGV/AMR) rückt die Überwachung von digitalen Schnittstellen in den Vordergrund. Die physikalischen Grundprinzipien der Ladungssicherung bleiben jedoch bestehen – egal, ob Mensch oder KI steuert.

Auf EU-Ebene wird über einen standardisierten „digitalen Führerschein“ diskutiert, der Qualifikationen und Gesundheitschecks besser nachvollziehbar macht. Für Logistikunternehmen ist die oberste Priorität jedoch die sofortige Umsetzung der VDI-Vorgaben und die Integration der auf der LogiMAT vorgestellten Sicherheitstechnologien. Nur so schützen sie ihre Mitarbeiter, minimieren wirtschaftliche Verluste und meistern das komplexe regulatorische Umfeld.

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