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Börse Frankfurt-News: Anleihen: Ruhe vor dem Sturm?

04.07.2025 - 13:26:21

Noch geht es gemÀchlich zu, die Renditen bewegen sich seitwÀrts.

Doch der kommende Mittwoch könnte das Ă€ndern, wie es heißt. Ein neuer Trend: britische Staatsanleihen, denn sie bringen mehr Rendite. Gefragt sind auch Mercedes-Benz, EnBW und Werder Bremen.

4. Juli 2025. Der Feiertag in den USA - der "Independence Day" - sorgt heute auch hierzulande fĂŒr wenig AusschlĂ€ge im Anleihehandel. Doch auch die anderen Tage der Woche verliefen in ruhigen Bahnen, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichtet. "Die Impulse fehlen", stellt der HĂ€ndler fest. Das könne sich nĂ€chste Woche allerdings Ă€ndern. Denn am 9. Juli, dem Mittwoch, endet die neunzigtĂ€gige Frist von US-PrĂ€sident Donald Trump fĂŒr Verhandlungen zur Verhinderung "reziproker" Zölle. "Es könnte durchaus eine Überraschung drohen", meint Daniel.

Die SeitwĂ€rtsbewegung der Renditen setzt sich fort. ZehnjĂ€hrige Bundesanleihen rentierten diese Woche zwar kurzzeitig mit ĂŒber 2,6 Prozent. Hintergrund waren die verabschiedeten Steuersenkungen in den USA, wie Arthur Brunner von der ICF Bank berichtet. Am Freitagmittag liegt die Rendite aber wieder 2,54 Prozent und damit in etwa auf dem Niveau der Vorwoche.

US-Zinssenkung umstritte

Ein Höhepunkt dieser Woche: die am gestrigen Donnerstag veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten. Im Juni stieg die BeschĂ€ftigtenzahl stĂ€rker als gedacht, die Arbeitslosenquote ging deutlicher zurĂŒck. Der Arbeitsmarkt scheint niedrigere Zinsen somit nicht zu brauchen. Gegen Zinssenkungen spricht auch das diese Woche auf den Weg gebrachte große Fiskalpaket des US-PrĂ€sidenten. "Es wird die Staatsverschuldung auf neue Höhen treiben. Zudem erhöhen die zusĂ€tzlichen ZollsĂ€tze die Inflationsrisiken", bemerkt Helaba-Analyst Ralf Umlauf. US-Notenbankchef Jerome Powell hat auf der Konferenz im portugiesischen Sintra seine Geldpolitik verteidigt. Ohne die Effekte der Trumpschen Zollpolitik hĂ€tte die US-Notenbank die Zinsen lĂ€ngst gesenkt, erklĂ€rte er.

Britische ZehnjÀhrige: Rund 4,5 statt 2,5 Prozent

Ebenfalls Thema: die RenditeaufschlĂ€ge, die Europas PeripherielĂ€nder gegenĂŒber Deutschland zahlen mĂŒssen. "Die Spreads italienischer Staatsanleihen sind diese Woche unter die psychologisch wichtige Marke von 90 Basispunkten gefallen, womit sie nur noch etwas höher sind als die AufschlĂ€ge französischer Staatsanleihen", erklĂ€rt Commerzbank-Analyst Erik Liem. Er erwartet zwar, dass sich die Spreads ĂŒber den Sommer hinweg weiter einengen und sich die italienischen AufschlĂ€ge den französischen angleichen werden. "Allerdings dĂŒrften die RisikoaufschlĂ€ge insgesamt im spĂ€teren Verlauf des Jahres eher wieder anziehen, wenn die EZB ihre Zinssenkungen beendet und die fiskalischen Probleme wieder mehr in den Mittelpunkt rĂŒcken."

Mal verkauft, mal gekauft werden Brunner zufolge US-Staatsanleihen. "Klar gesucht sind neuerdings britische Staatsanleihen", ergĂ€nzt der HĂ€ndler. Der Grund: der Renditeaufschlag gegenĂŒber Bundesanleihen, im zehnjĂ€hrigen Bereich mittlerweile bei 193 Basispunkten.

Immer gesucht: Bekannte Namen

Im Handel mit Unternehmensanleihen kommen etablierte Unternehmen wie Mercedes-Benz (DE000A3LH6U5, DE000A2YPFU9) und EnBW 2031 (XS2862984510) gut an, wie Daniel berichtet - alle mit FĂ€lligkeit 2031. Die Renditen liegen aktuell bei 2,84 Prozent fĂŒr beide Mercedes-Bonds sowie 2,93 Prozent fĂŒr den von EnBW. Zugegriffen werde auch bei einer im Februar emittierten Anleihe des italienischen Nahrungsmittelherstellers NewPrinces mit FĂ€lligkeit 2031 und aktuell 4,26 Prozent (XS2958536976).

Werder Bremen-Bond gefragt

Brunner meldet gute Nachfrage nach der im Mai emittierten Anleihe von SV Werder Bremen mit Kupon von 5,75 Prozent und FÀlligkeit 2030, die aktuell zu 104,5 Prozent gehandelt wird (DE000A4DFGZ7). Ebenfalls gesucht und mittlerweile zu 106 Prozent gehandelt: Hörmann Industries mit Kupon von 7 Prozent und FÀlligkeit 2028 (NO0012938325). Eher verkauft werde diese Woche Semper idem Underberg mit 5,5 Prozent bis 2028 (DE000A30VMF2) - ohne Nachrichten.

Neuemissionen gab es diese Woche fast nur mit StĂŒckelung von 100.000 Euro, wie die HĂ€ndler außerdem berichten.

Von Anna-Maria Borse, 4. Juli 2025, © Deutsche Börse

(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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