ROUNDUP, Vorurteile

Vorurteile und KI bremsen Frauen in IT-Abteilungen aus

03.03.2026 - 12:50:32 | dpa.de

Obwohl die deutsche Wirtschaft den FachkrÀftemangel in den IT-Abteilungen ohne weibliche Talente kaum lösen kann, halten sich in der Branche hartnÀckig veraltete Stereotype.

Eine Bitkom-Studie anlĂ€sslich des Weltfrauentags zeigt: Noch immer hĂ€lt fast jedes zweite Unternehmen MĂ€nner fĂŒr schlichtweg besser geeignet fĂŒr Tech-Berufe.

Diese Vorurteile spiegeln sich auch in Zahlen der reprÀsentativen Befragung unter 603 Unternehmen wider: In keiner einzigen deutschen IT- oder Digitalabteilung arbeiten derzeit mehr Frauen als MÀnner. In 89 Prozent der Unternehmen stellen Frauen in diesen Fachbereichen weniger als die HÀlfte der Belegschaft. Lediglich 9 Prozent berichten von einem annÀhernd ausgeglichenen GeschlechterverhÀltnis.

Der Trend aus der Bitkom-Umfrage wird bestÀtigt durch eine Studie des Beratungsunternehmens McKinsey. Demnach ist in Europa der Frauenanteil in Tech-Rollen in den vergangenen drei Jahren von 22 Prozent auf 19 Prozent gesunken. Dabei absolvieren immer mehr Frauen ein MINT-Studium (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) - sie stellen mittlerweile 33 Prozent der Bachelor- und 39 Prozent der Doktortitel. Dieses Talent kommt allerdings im Arbeitsmarkt nicht an.

KI killt Einstiegsjobs fĂŒr Frauen

Dieser Trend ist auch darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass die Nachfrage nach Einstiegspositionen in den meisten Tech-Jobbereichen abnimmt. Wachstum entsteht der McKinsey-Studie zufolge vor allem in KI-, Daten- und Analytics-Rollen, die bislang ĂŒberwiegend von MĂ€nnern besetzt sind. Der verstĂ€rkte Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz in Unternehmen scheint also auf den Arbeitsmarkt vor allem fĂŒr die Frauen negative Auswirkungen zu haben.

"KI verÀndert die Nachfrage nach Tech-Rollen strukturell. Einstiegspfade werden enger, wÀhrend Positionen wichtiger werden, in denen es um Daten, strategische Entscheidungen und die Kontrolle von KI-Systemen geht", sagte Melanie Krawina, Co-Autorin der Studie und Associate Partnerin bei McKinsey in Wien.

Deutsche Wirtschaft unter den NachzĂŒglern

In der Bitkom-Umfrage bewertet die Wirtschaft die eigene Leistung bei der Frauenförderung kritisch. Zwei Drittel (67 Prozent) sehen Deutschland beim Thema Gleichstellung in IT-Berufen im internationalen Vergleich unter den NachzĂŒglern. Ganze 17 Prozent glauben gar, die deutsche Wirtschaft habe den Anschluss bereits komplett verpasst.

Die Studie des Digitalverbands Bitkom zeigt allerdings auch, dass in den Chefetagen durchaus ein Problembewusstsein vorhanden ist: 78 Prozent der Firmenvertreter stimmen zu, dass die Wirtschaft ohne Frauen ihre Zukunft verspielt. 65 Prozent sehen in ihnen den SchlĂŒssel, um den IT-FachkrĂ€ftemangel zu lindern.

Auch die Vorteile gemischter Teams sind unumstritten: Neun von zehn Unternehmen loben das bessere Betriebsklima, acht von zehn bescheinigen gemischten Teams eine höhere ProduktivitÀt und KreativitÀt.

Vorurteile in zu vielen Unternehmen verankert

Trotz dieser Erkenntnis prĂ€gen Vorurteile den Einstellungsalltag: 43 Prozent der Unternehmen geben offen an, MĂ€nner seien fĂŒr IT- und Digitalberufe einfach besser geeignet. Fast die HĂ€lfte (48 Prozent) glaubt, dass solche Berufe Frauen abschrecken. "Stereotype Rollenbilder sind noch in zu vielen Unternehmen verankert", kritisierte Bitkom-PrĂ€sident Ralf Wintergerst.

Als grĂ¶ĂŸte Bremsklötze fĂŒr Frauenkarrieren in der IT identifizieren die Unternehmen HĂŒrden beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit (50 Prozent) sowie eine mangelnde Sensibilisierung der FĂŒhrungskrĂ€fte (48 Prozent). Zudem klagen 39 Prozent der befragten Firmen ĂŒber eine "glĂ€serne Decke", die Frauen trotz gleicher Qualifikation benachteiligt.

Ein weiteres Problem liegt im Betriebsklima selbst: In mehr als jedem dritten Unternehmen (35 Prozent) wird Frauenförderung von Teilen der mĂ€nnlichen Belegschaft als ungerecht empfunden. Generell halten 28 Prozent der Unternehmen Frauenförderung fĂŒr nicht mehr notwendig.

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