Ölpreis, Brent

Ölpreis steigt kräftig: Trump kündigt Blockade der Straße von Hormus an – Brent nähert sich 104 Dollar

15.04.2026 - 10:00:04 | ad-hoc-news.de

Nach gescheiterten US-Iran-Verhandlungen kündigt Donald Trump eine Seeblockade der Straße von Hormus an. Brent-Preise klettern um bis zu 9 Prozent auf fast 104 US-Dollar, WTI legt ebenfalls deutlich zu. Die geopolitische Eskalation treibt den Ölmarkt und sorgt für Inflationssorgen in Europa.

Ölpreis, Brent, WTI - Foto: THN

Die Ölpreise haben in der Nacht zum Montag, 13. April 2026, einen starken Aufschwung hingelegt. Der Preis für ein Barrel der Referenzsorte Brent zur Lieferung im Juni kletterte bis auf fast 104 US-Dollar und notiert am frühen Morgen bei rund 102 Dollar – ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Freitagabend. Die US-Sorte WTI zur Lieferung im Mai legte ebenfalls deutlich zu, obwohl sie in früheren Phasen der Volatilität stärker geschwankt hatte.

Stand: Montag, 13. April 2026, 18:27 Uhr (Europe/Berlin)

Geopolitischer Schock als Treiber: Trumps Blockade-Ankündigung

Der dominante Auslöser für den jüngsten Preisanstieg ist die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die Straße von Hormus ab 16:00 Uhr deutscher Zeit zu blockieren. Diese Meerenge ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den globalen Ölhandel, durch die täglich Millionen Barrel iranisches und anderes Rohöl passieren. Der Iran, einer der größten Ölproduzenten weltweit, nutzt die Route für seine Exporte, die für seine Einnahmen essenziell sind. Die Blockade zielt darauf ab, Teheran von diesen Einnahmen abzuschneiden und Gebühren für Durchfahrten zu verhindern. Solche Maßnahmen erhöhen das Risiko von Lieferengpässen und Supply-Disruptions, was direkt auf die Ölpreise durchschlägt, da Märkte ein höheres Risikoprämium einpreisen.

Die Ankündigung erfolgt nach vorerst gescheiterten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran in Islamabad. Vor dem Wochenende hatten die Preise noch bei 95,20 Dollar für Brent gelegen. Die Eskalation erinnert an frühere Spannungen im Nahen Osten, wo geopolitische Risiken regelmäßig zu Preissprüngen führen. Im Gegensatz zu reinen Nachfrage- oder Inventar-Effekten wirkt sich eine potenzielle Blockade unmittelbar auf das Angebot aus, da sie physische Lieferketten stört.

Unterschiede zwischen Brent und WTI: Volatilität im US-Markt

Während Brent als globaler Benchmark den Anstieg auf 102 Dollar anführte, zeigte WTI eine ähnliche, aber nuancierte Dynamik. Die US-Sorte hatte zuvor in der Woche stärker korrigiert, fiel am 8. April um bis zu 12,5 Prozent. Heute Morgen legte sie jedoch wieder zu, getrieben vom gleichen geopolitischen Risiko. Der Spread zwischen Brent und WTI bleibt relevant: Brent als europäisch-asiatischer Standard reagiert sensibler auf Hormus-Risiken, da es stärker von nahöstlichen Lieferungen abhängt, wohingegen WTI mehr von US-internen Faktoren wie Inventaren beeinflusst wird. Aktuell notiert der Spread bei etwa 4-5 Dollar, was auf anhaltende Divergenzen hinweist.

Diese Unterscheidung ist für europäische Investoren entscheidend, da Brent den Preis für Importe in die EU dominiert. Ein anhaltend hoher Brent-Preis belastet den Diesel- und Heizölmarkt in Deutschland, Österreich und der Schweiz direkt.

Marktvolatilität der vergangenen Tage: Von Waffenruhe zu Eskalation

Die Ölpreise schwanken seit Wochen stark um den Irankrieg. Am 8. April 2026 sorgte die Ankündigung einer zweiwöchigen Waffenruhe für einen Einbruch: Brent fiel um bis zu 16 Prozent auf 91,70 Dollar, WTI um 12,5 Prozent. Dies spiegelte enttäuschte Erwartungen an eine Deeskalation wider. Am 10. April stabilisierten sich die Notierungen bei 96,76 Dollar für Brent (Plus 0,9 Prozent) und 98,37 Dollar für WTI, während Märkte auf die Islamabad-Gespräche warteten. Der aktuelle Sprung unterstreicht, wie sensibel der Markt auf geopolitische News reagiert – ein klassisches Supply-Risiko, das Preise schnell nach oben treibt.

Historisch gesehen bleiben die Preise hoch: Beide Sorten kosten rund ein Drittel mehr als vor Kriegsbeginn Ende Februar 2026. Die Volatilität dient als Gradmesser für Inflations- und Konjunktursorgen, da höhere Energiekosten durch den gesamten Wirtschaftskreislauf wirken.

Auswirkungen auf Europa und DACH-Region: Inflation und Verbraucherpreise

Für Deutschland, Österreich und die Schweiz hat der Ölpreisanstieg unmittelbare Relevanz. Heizölpreise in Deutschland liegen derzeit bei durchschnittlich 141,13 Euro pro 1.000 Liter, mit regionalen Schwankungen – in Sachsen bei 91,87 Euro pro 100 Liter, in Bayern bei 139,52 Euro. Diese Preise folgen dem Rohölmarkt mit Verzögerung, reagieren aber stark auf Börsennotierungen. Die Bundesregierung hat kürzlich die Energiesteuer um 17 Cent gesenkt, um Verbraucher zu entlasten, doch ein anhaltend hoher Ölpreis könnte dies zunichtemachen.

In der Industrie belasten steigende Energiekosten die Produktion, insbesondere in energieintensiven Sektoren wie Chemie und Stahl. Die EZB beobachtet dies genau, da Ölpreise die Kerninflation antreiben. Für DACH-Investoren bedeutet dies höheres Risiko für ETFs und ETCs auf Öl, aber auch Chancen in Hedging-Instrumenten. Der EUR/USD-Kurs verstärkt den Effekt: Ein starker Dollar macht Importe teurer.

Technische Analyse und Positionierung: Was sagen Charts und COT?

Tektonisch nähert sich Brent die 100-Dollar-Marke von unten, mit Widerstand bei 104 Dollar aus früheren Hochs. Unterstützung liegt bei 95 Dollar. Der Relative Strength Index (RSI) zeigt überkauft, was auf eine mögliche Korrektur hindeutet, falls die Blockade ausbleibt. Commitment of Traders (COT)-Daten deuten auf spekulative Long-Positionen hin, die bei Entspannung ausgestiegen werden könnten.

WTI zeigt ähnliche Muster, mit Fokus auf US-Inventare. Trotz fehlender aktueller EIA-Daten (nächste Veröffentlichung pendend) signalisieren preliminary Figures anhaltend straffe Vorräte, was den Boden stützt. Investoren sollten auf Volatilität setzen, nicht auf Trendfolge.

Ausblick und Risiken: Nächste Katalysatoren

Die Blockade-Umsetzung um 16:00 Uhr MEZ ist der Schlüssel. Erfolgt sie, könnten Preise auf 110 Dollar testen; bei Ausbleiben droht ein Rückfall auf 95 Dollar – der Rakete-und-Feder-Effekt. Weitere Risiken: OPEC+-Reaktionen, IEA-Releases oder US-Dollar-Moves. Europa profitiert von diversifizierten Quellen wie Norwegen, doch Nahost-Abhängigkeit bleibt hoch.

Für den breiteren Ölmarkt dominieren Supply-Risiken; Nachfrage aus China und US-Recession-Sorgen wirken dämpfend. Positionieren Sie sich breit, mit Fokus auf Brent-ETFs für DACH-Relevanz.

Weiterführende Quellen

Disclaimer: Keine Anlageberatung. Rohstoffe und Finanzinstrumente sind volatil.

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