PEM-Konvention: Neue Ursprungsregeln spalten Europa und den Mittelmeerraum
08.03.2026 - 00:00:04 | boerse-global.de
Seit Jahresbeginn gelten fĂŒr den europĂ€ischen Handel mit dem Mittelmeerraum zwei verschiedene Zollregime. Diese Spaltung bringt Lieferketten in Gefahr und verlangt von Unternehmen höchste Wachsamkeit.
Die umfassende Reform der Pan-Euro-Mediterranen (PEM) Konvention hat den PrĂ€ferenzhandel in zwei Zonen geteilt. Seit dem 1. Januar 2026 ist die Ăbergangsfrist beendet. Nun entscheidet allein der Wortlaut jedes einzelnen Freihandelsabkommens, welche Ursprungsregeln gelten. FĂŒr Zollabwickler und Einkaufsmanager bedeutet das eine neue KomplexitĂ€tsebene. Es ist die gröĂte Ăberholung der Handelsregeln in der Region seit ĂŒber einem Jahrzehnt.
Fehler bei der EUR.1 können Ihr Unternehmen Tausende Euro kosten. Zoll-Experten zeigen, wie Sie die hĂ€ufigsten Fallstricke beim AusfĂŒllen vermeiden. EUR.1 und EUR.MED endlich fehlerfrei ausfĂŒllen â mit dieser kostenlosen Schritt-fĂŒr-Schritt-Anleitung
Zwei Zonen, zwei Regelwerke: Die neue HandelsrealitÀt
Bis Ende 2025 konnten Unternehmen zwischen den alten Regeln von 2012 und den modernisierten Fassung von 2023 wĂ€hlen. Diese ParallelitĂ€t ist nun vorbei. Die neuen Regeln gelten als unternehmerfreundlicher: Sie bieten vereinfachte produktspezifische Regeln, höhere Toleranzgrenzen fĂŒr Fremdmaterial (oft 15 Prozent) und flexiblere Berechnungsmethoden wie die Durchschnittspreiskalkulation.
Doch die Anwendung ist gespalten:
* Zone 1 umfasst Abkommen mit dynamischer Verweisungsklausel auf die revidierte PEM-Konvention. Dazu zĂ€hlen die VertrĂ€ge der Schweiz mit der EU sowie EFTA-Abkommen mit Albanien, Georgien, Moldau und Serbien. Hier gelten ausschlieĂlich die neuen, flexiblen Regeln.
* Zone 2 besteht aus Abkommen ohne diese Klausel, etwa den EFTA-VertrĂ€gen mit Ăgypten, Israel, Marokko und PalĂ€stina. Hier bleiben die strikten Regeln von 2012 in Kraft.
âZu wissen, in welcher Zone ein Handelsweg liegt, ist der kritischste Schritt fĂŒr die ZollkonformitĂ€t in diesem Jahrâ, betonen Handelsexperten. Die Anforderungen zwischen den Rahmenwerken unterscheiden sich erheblich.
EFTA-Tunesien: Klarstellung beendet Verwirrung
Die zersplitterte Umsetzung fĂŒhrte im ersten Quartal 2026 zu erheblichen Problemen. Besonders umstritten war der Status des EFTA-Tunesien-Abkommens. Handelspublikationen und Softwareanbieter hatten kolportiert, dass ab 1. MĂ€rz 2026 die neuen Regeln gelten und diagonale Kumulierung ermöglichen wĂŒrden.
Das Schweizer Bundesamt fĂŒr Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) stellt jedoch klar: Diese Information ist falsch. Das Abkommen enthĂ€lt keine dynamische Verweisung. Der Handel mit Tunesien unterliegt weiterhin den alten Regeln von 2012. Compliance-Teams mussten deshalb im MĂ€rz ihre Systeme korrigieren, die fĂ€lschlicherweise die neuen Regeln anwandten.
Andere Abkommen sind dagegen erfolgreich gewechselt. Das Freihandelsabkommen zwischen EFTA und Jordanien wendet die revidierten Regeln beispielsweise seit dem 1. Februar 2026 an. Experten raten daher zu stĂ€ndiger manueller PrĂŒfung offizieller Zollmatrizen â Software-Updates allein reichen nicht aus.
Folgen fĂŒr Lieferketten: Diagonale Kumulierung in Gefahr
Die Spaltung in zwei Zonen hat unmittelbare und schwerwiegende Folgen fĂŒr die diagonale Kumulierung. Dieser Mechanismus erlaubt es, Vorprodukte aus einem Partnerland in einem anderen zu verarbeiten, ohne den PrĂ€ferenzursprung zu verlieren.
Laut der aktualisierten PEM-Matrix fĂŒr 2026 ist diagonale Kumulierung nun strikt auf LĂ€nder innerhalb derselben Zone beschrĂ€nkt. Unternehmen können Inputs aus Zone 1 nicht mehr mit Materialien aus Zone 2 mischen und fĂŒr einen prĂ€ferenziellen Export geltend machen.
Das zwingt Unternehmen, ihre Beschaffungsstrategien grundlegend zu ĂŒberdenken. Wer auf ein breites Mittelmeer-Netzwerk setzte, muss nun sicherstellen, dass alle Zulieferer im selben Regelwerk arbeiten. Ein Fehler kann den Verlust von ZollprĂ€ferenzen, Nachzahlungen und rechtliche Auseinandersetzungen bedeuten.
Eine fehlerhafte LieferantenerklĂ€rung kann Sie Tausende Euro kosten. Zoll-Experten zeigen Ihnen in diesem kostenlosen Leitfaden, wie Sie teure Detailfehler bei PrĂ€ferenznachweisen vermeiden. LieferantenerklĂ€rungen in 10 Minuten korrekt ausfĂŒllen
Compliance-Strategien und Ausblick
Zollbehörden in Europa werden die PrĂŒfung von EUR.1-Bewegungsbescheinigungen und UrsprungserklĂ€rungen verschĂ€rfen. Fachleute raten zu sofortigen Audits der LangzeiterklĂ€rungen von Lieferanten. Dokumente aus dem Jahr 2025 könnten fĂŒr grenzĂŒberschreitende Kumulierung ungĂŒltig sein.
Unternehmen mĂŒssen ihre ERP- und Handelssysteme aktualisieren und Stammdaten fĂŒr jedes Teil ĂŒberprĂŒfen. Die Panne bei EFTA-Tunesien zeigt: Automatische Updates sind fehleranfĂ€llig, manuelle Kontrolle gegen amtliche Quellen bleibt essenziell.
Langfristiges Ziel ist die Vereinheitlichung der gesamten PEM-Zone unter den Regeln von 2023. EFTA und die EU verhandeln dazu mit den LĂ€ndern der Zone 2. Bis alle Abkommen ratifiziert sind, bleibt das Zwei-Zonen-System jedoch RealitĂ€t. Unternehmen mĂŒssen sich auf eine lĂ€ngere Phase regulatorischer Zersplitterung einstellen â und ihre Compliance entsprechend robust gestalten.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

