Tarifeinigung, Landwirtschaft

Tarifeinigung bringt Landwirtschaft 9,9 Prozent mehr Lohn

26.03.2026 - 01:00:30 | boerse-global.de

Ein neuer Flächentarifvertrag sichert Beschäftigten in Land- und Forstwirtschaft stufenweise 9,9 Prozent mehr Lohn bis 2028 und soll die Branche für Fachkräfte attraktiver machen.

Tarifeinigung bringt Landwirtschaft 9,9 Prozent mehr Lohn - Foto: über boerse-global.de
Tarifeinigung bringt Landwirtschaft 9,9 Prozent mehr Lohn - Foto: über boerse-global.de

Ein Durchbruch in der Tarifrunde sichert einer halben Million Beschäftigten stufenweise höhere Einkommen bis 2028. Die Einigung soll die Branche für Fachkräfte attraktiver machen.

Frankfurt am Main — Nach intensiven Verhandlungen haben Arbeitgeber und Gewerkschaft einen neuen Flächentarifvertrag für die deutsche Land- und Forstwirtschaft unterzeichnet. Der Bundesverband der Deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) einigten sich am Mittwoch auf eine Laufzeit von 33 Monaten. Rund 500.000 Beschäftigte erhalten damit planbare Gehaltssteigerungen – ein wichtiges Signal in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten.

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Die Einigung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Die Branche kämpft mit hohen Betriebskosten und einem angespannten Arbeitsmarkt. Der neue Vertrag soll nicht nur die Kaufkraft der Beschäftigten stabilisieren, sondern auch die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Sektors sichern.

Drei Stufen und eine Einmalzahlung

Das Herzstück der Einigung ist eine dreistufige Gehaltsanpassung. Sie sieht vor:
* 1. Mai 2026: plus 3,3 Prozent
* 1. Januar 2027: plus 3,3 Prozent
* 1. Januar 2028: plus 3,3 Prozent

Zusätzlich erhalten die Beschäftigten im Juli 2026 eine Einmalzahlung von 300 Euro. Der Tarifvertrag gilt rückwirkend vom 1. Januar 2026 bis zum 30. September 2028 und bringt insgesamt eine Steigerung von 9,9 Prozent.

Für IG BAU-Vorstand Christian Beck ist das Ergebnis ein „ausgewogener Kompromiss“. GLFA-Präsident Hans-Benno Wichert verwies auf den erheblichen Druck, den die jüngste Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf die Lohnstrukturen der Branche ausübt.

NGG kämpft weiter für höhere Löhne in der Ernährungswirtschaft

Während in der Landwirtschaft Einigkeit herrscht, geht der Kampf um höhere Löhne in der Ernährungsindustrie weiter. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert für etwa 2,9 Millionen Beschäftigte in Lebensmittelherstellung und Gastgewerbe deutliche Nachholeffekte nach Jahren hoher Inflation.

In Sachsen-Anhalt laufen die zweiten Verhandlungsrunden. Die NGG fordert bundesweit Steigerungen zwischen 8 und 10 Prozent. Ein Ziel: Einstiegsgehälter sollen spürbar über dem Mindestlohn liegen, in vielen Regionen bei mindestens 14,50 Euro pro Stunde.

Einzelne Erfolge gibt es bereits. Bei der Deutsche See Fischmanufaktur einigte sich die NGG Mitte März auf durchschnittlich 5 Prozent mehr Lohn für 1.800 Beschäftigte. Diese Einigung folgte auf bundesweite Streiks – ein Zeichen für wachsenden Druck von der Belegschaft.

Druck von Mindestlohn und Milchkrise

Die aktuelle Tarifrunde wird von großen ökonomischen Zwängen überschattet. Arbeitgeber in arbeitsintensiven Sparten wie Obst-, Gemüse- und Weinbau klagen, der steigende Mindestlohn verringere den Abstand zu qualifizierten Tätigkeiten und erzwinge eine komplette Neujustierung der Gehaltsbänder.

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Hinzu kommt die aktuelle Milchmarktkrise. Bei einem Treffen der Agrarminister in Bad Reichenhall blieben die Länder uneins, ob der Staat eingreifen soll. Während einige für eine Angebotssteuerung plädieren, setzen andere auf marktwirtschaftliche Lösungen. Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet das eine Zwickmühle: sinkende Erzeugerpreise bei gleichzeitig steigenden Kosten für Energie, Dünger und jetzt auch Arbeit.

Attraktivität für Fachkräfte im Fokus

Mit der Gesamterhöhung von 9,9 Prozent will die Landwirtschaft ihr Image als Niedriglohnbranche ablegen. Das ist entscheidend, um den chronischen Mangel an Fachkräften und Auszubildenden zu bekämpfen.

Die NGG setzt sich parallel für Verbesserungen bei den Auszubildenden ein. Sie fordert eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 150 bis 200 Euro pro Lehrjahr, Reisekostenzuschüsse für das Deutschlandticket und bezahlte Freistellung vor Prüfungen.

Ein weiterer Hebel könnte das geplante Bundestariftreuegesetz werden. Es soll die Einhaltung von Tarifverträgen zur Voraussetzung für die Vergabe öffentlicher Aufträge machen. Gewerkschaften erhoffen sich davon weniger Lohndumping, besonders in der Gemeinschaftsverpflegung.

Der Fokus der Tarifrunde 2026 verlagert sich nun auf die Getränkeindustrie und die Milchwirtschaft, wo in den kommenden Monaten mehrere Regionalverträge auslaufen. Die Einigung in der Landwirtschaft könnte hier zum Maßstab werden. Für einen der essenziellsten Wirtschaftsbereiche Deutschlands bringt sie zumindest vorläufig Planungssicherheit.

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