Teilzeitausbildung, Waffe

Teilzeitausbildung: Neue Waffe im Kampf um Fachkräfte

10.02.2026 - 15:53:12

Immer mehr Unternehmen setzen auf Teilzeitausbildungen, um neue Zielgruppen zu erreichen und dem Fachkräftemangel strategisch zu begegnen. Politik unterstützt den Trend mit Förderprogrammen.

Deutsche Unternehmen entdecken die Teilzeitausbildung als strategisches Instrument, um dem Fachkräftemangel zu begegnen und neue Talentpools zu erschließen.

Düsseldorf. Während die Wirtschaft weiterhin unter einem massiven Fachkräftemangel leidet, vollzieht sich ein stiller Wandel in den Köpfen der Jugend. Immer mehr Schulabgänger ziehen heute eine betriebliche Ausbildung einem Studium vor. Der Grund: Sie fürchten, dass akademische Berufe durch Künstliche Intelligenz ersetzbar werden. Diese Verschiebung zwingt die Personalabteilungen zum Umdenken. Das bisherige Nischenmodell Teilzeitausbildung rückt dabei in den Mittelpunkt einer neuen Rekrutierungsstrategie.

Die klassische Hochschullaufbahn verliert an Glanz. Für viele der Generation Z liegt die berufliche Sicherheit eher im praktischen Handwerk als in langen Theoriejahren. Gleichzeitig klagen Betriebe über zu wenige geeignete Bewerber. Die Zahl neuer Ausbildungsverträge sank 2025 in einigen Bundesländern bereits spürbar. In dieser Zwickmühle wird es für Unternehmen überlebenswichtig, auch jene Talente anzusprechen, die keine Vollzeitausbildung absolvieren können oder wollen.

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Flexibilität als Schlüssel zum Erfolg

Die rechtliche Grundlage für den Boom schuf bereits 2020 eine Reform des Berufsbildungsgesetzes (BBiG). Seither kann grundsätzlich jeder Azubi auf Teilzeit umstellen – vorausgesetzt, der Ausbildungsbetrieb stimmt zu. Die Arbeitszeit lässt sich dabei um bis zur Hälfte reduzieren.

Die Praxis beweist den Nutzen. Die Nürnberger Fürst-Gruppe bildete eine alleinerziehende Mutter in Teilzeit zur Kauffrau für Büromanagement aus und gewann so eine hochmotivierte Fachkraft, die nach der Prüfung übernommen wurde. Solche Erfolgsgeschichten zeigen: Flexibilität schafft Loyalität. Initiativen wie das „Netzwerk Frau und Beruf“ im Kreis Ahrweiler informieren auf Berufsmessen gezielt über diese Option und stoßen auf großes Interesse.

Politik gibt Rückenwind mit Millionen-Förderung

Die Bedeutung des Themas ist auch in den Landeshauptstädten angekommen. Baden-Württemberg startete Anfang 2026 ein Förderprogramm mit rund vier Millionen Euro aus Landes- und EU-Mitteln. Bis 2028 sollen damit gezielt Alleinerziehende, Pflegende und Bürgergeld-Empfänger in eine Ausbildung begleitet werden. Solche Programme sind mehr als Sozialpolitik – sie sind ein klares Signal an die Wirtschaft, neue Wege zu gehen.

Diese Initiativen flankieren die breite gesellschaftliche Debatte über flexible Arbeitszeiten, die Anfang Februar 2026 neu entfacht wurde. Der Tenor ist eindeutig: Starre Strukturen müssen fallen, um den demografischen Wandel zu meistern.

Vom Sozialmodell zum strategischen Imperativ

Die Teilzeitausbildung hat ihren Imagewandel vollzogen: vom sozialen Entgegenkommen zur wirtschaftlichen Notwendigkeit. In der heutigen Arbeitswelt können sich Unternehmen schlichtweg nicht mehr leisten, auf motivierte Talente zu verzichten, nur weil sie keine 40-Stunden-Woche absolvieren können.

Es entsteht eine Win-Win-Situation. Menschen mit Betreuungspflichten oder anderen Lebensumständen erhalten Zugang zu qualifizierter Berufsbildung. Die Betriebe gewinnen oft besonders reife, zielstrebige und loyalere Mitarbeiter. Die Investition in flexible Ausbildungsrahmen ist damit kein Kostenpunkt, sondern eine strategische Investition in die eigene Zukunft.

Ausblick: Flexibilität wird zum neuen Standard

Experten sind sich einig: Der Trend zu flexiblen Ausbildungsmodellen wird weiter zunehmen. Unternehmen, die Teilzeitausbildungen aktiv bewerben und leben, verschaffen sich einen klaren Vorteil im erbitterten Wettbewerb um Nachwuchs.

Die erfolgreichen Landesprogramme könnten als Blaupause für eine bundesweite Initiative dienen. Die anhaltende Debatte um Fachkräftemangel und moderne Arbeitswelt wird das Thema weiter befeuern. Für die Sicherung des eigenen Fachkräfte-Nachwuchses wird es künftig unerlässlich sein, Ausbildung neu – und vor allem flexibler – zu denken.

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