Genossenschaftsverband Bayern e.V. / Volksbanken und Raiffeisenbanken in ...
16.09.2025 - 11:16:08 | dpa.de"Die genossenschaftlichen Institute sind stabil aufgestellt und leisten weiterhin verlĂ€sslich ihren Beitrag zur Finanzierung von Mittelstand, Handwerk und privaten Haushalten", erklĂ€rte Stefan MĂŒller, PrĂ€sident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), anlĂ€sslich des PressegesprĂ€chs zur Halbjahresbilanz der Genossenschaftsbanken am Dienstag in MĂŒnchen.
KreditgeschÀft: Zuwachs bei Firmen- und Privatkunden
Seit Jahresbeginn verzeichnen die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken einen Anstieg bei den Ausleihungen um 1,5 Prozent auf 144,5 Milliarden. Das Kreditvolumen bei Firmenkunden legte um 1,5 Prozent zu, bei den Privatkunden belief sich der Zuwachs auf 1,3 Prozent. "Der Wachstumsbooster der Bundesregierung vor wenigen Monaten war ein guter erster Aufschlag", sagte MĂŒller. "Nun aber braucht es einen Kraftakt, um die nĂ€chsten Schritte umzusetzen, insbesondere beim BĂŒrokratieabbau sowie bei der Vereinfachung von Planungs- und Genehmigungsverfahren."
Wohnungsbau: Nachfrage zieht wieder an
Besonders dynamisch verlief das NeugeschĂ€ft bei privaten Wohnungsbaukrediten: Es belĂ€uft sich seit Jahresbeginn auf 8,9 Milliarden Euro. Dies bedeutet ein Plus von 44 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum (6,2 Milliarden Euro), liegt aber noch deutlich unter den Werten der Jahre 2020 bis 2022. "Diese steigende Kreditnachfrage im privaten Wohnbau ist erfreulich, es ist aber weitere Dynamik notwendig, um den dringend benötigten Wohnraum in Bayern zu schaffen - vor allem in den Ballungszentren", sagte GVB-Vorstandsmitglied Alexander LeiĂl.
Die Quote an notleidenden Krediten ist seit Anfang des Jahres leicht gestiegen, von 2,19 Prozent auf 2,38 Prozent. Hier zeigen sich die Auswirkungen von zwei Rezessionsjahren. Der Wert liegt aber immer noch im normalen Bereich. Es ist zu erwarten, dass die Quote weiter leicht ansteigt. Die Banken haben ihre KreditbĂŒcher weiterhin eng im Blick und werden gegebenenfalls auch reagieren und ihre Kreditvergaberegeln anpassen.
Sichteinlagen: wieder Anstieg
Die bilanziellen Kundeneinlagen verzeichnen gegenĂŒber dem Jahresanfang einen leichten RĂŒckgang von 0,1 Prozent auf 161 Milliarden Euro. Der Trend zur Umschichtung von Sicht- in Termineinlagen, der in den vergangenen Jahren zu beobachten war, hat sich wieder umgekehrt. Die Sichteinlagen nahmen um 0,8 Prozent zu. "Kundinnen und Kunden wollen wieder mehr FlexibilitĂ€t in ihren Bankeinlagen", folgerte LeiĂl.
Das auĂerbilanzielle Kundenanlagevolumen konnte um 2,2 Prozent zulegen. Vor allem Wertpapiere, allen voran Aktien und Aktienfonds, sind bei den Kundinnen und Kunden weiterhin gefragt. So stieg die Anzahl der Depots bei Union Investment um 2,1 Prozent.
Die ProfitabilitĂ€t ist aufgrund von TarifabschlĂŒssen und gestiegenen Sachkosten leicht rĂŒcklĂ€ufig. Das Ergebnis (bereinigt vor Ertragssteuern) dĂŒrfte leicht ĂŒber Vorjahresniveau liegen.
Der Genossenschaftsverband Bayern betont in seiner Halbjahresbilanz die Notwendigkeit klarer politischer Weichenstellungen fĂŒr die Finanzwirtschaft und den Mittelstand. Ein wesentliches Anliegen des Verbands ist der Abbau von BĂŒrokratie, damit die Regionalbanken mehr Ressourcen fĂŒr ihr KerngeschĂ€ft zur VerfĂŒgung haben.
Kleinbankenregulierung: einfach handhabbare Regelungen etablieren
Positiv bewertet der GVB die VorschlĂ€ge von BaFin und Bundesbank zu einem neuen Regulierungsrahmen fĂŒr kleine, nicht komplexe Institute. Diese sehen unter anderem vor, die risikogewichteten Eigenkapitalanforderungen fĂŒr Regionalbanken zu streichen. "Das wĂ€re ein wichtiger Schritt, um endlich mehr ProportionalitĂ€t in der Regulierung zu schaffen", betonte GVB-PrĂ€sident MĂŒller. "Unsere Regionalbanken haben ein einfaches GeschĂ€ftsmodell und eine ĂŒberschaubare GröĂe - sie sollten deshalb nicht denselben Auflagen unterliegen wie international tĂ€tige GroĂbanken."
Entscheidend werde jedoch sein, wie der europĂ€ische Gesetzgeber diesen Kurs aufgreift. "Wenn es gelingt, ein eigenes, einfach handhabbares Regulierungsregime fĂŒr kleine Banken zu etablieren, wĂ€re das eine echte Entlastung fĂŒr die Institute und letztlich auch fĂŒr die regionale Wirtschaft", sagte MĂŒller. "Wir werden den Prozess konstruktiv begleiten, drĂ€ngen aber darauf, dass er nicht im Klein-Klein der BrĂŒsseler Gesetzgebung steckenbleibt."
Digitaler Euro: nur als sinnvolle ErgÀnzung zu bestehenden Angeboten
"Der digitale Euro kann nur dann ein Erfolg werden, wenn er fĂŒr BĂŒrgerinnen, BĂŒrger und Unternehmen einen echten Mehrwert bringt", sagte MĂŒller. "Er darf bestehende Angebote nicht verdrĂ€ngen, sondern muss das bewĂ€hrte Zahlungsverkehrssystem sinnvoll ergĂ€nzen." Voraussetzung seien höchste Standards bei Datenschutz, Cybersicherheit und FinanzstabilitĂ€t. Zugleich dĂŒrfe die Rolle der Banken in der Kundenbeziehung nicht geschwĂ€cht werden. "Wir brauchen keinen zusĂ€tzlichen Wettbewerber zu funktionierenden Bezahlsystemen wie Wero, das aktuell an Fahrt gewinnt, sondern eine sinnvolle ErgĂ€nzung."
Strukturreformen: Mut fĂŒr grundlegende VerĂ€nderungen
Ăber die Finanzthemen hinaus machte MĂŒller auf den Reformstau in Deutschland aufmerksam. "Der Start der Bundesregierung war positiv, aber jetzt braucht es Mut fĂŒr grundlegende VerĂ€nderungen", betonte er. Bei der Altersvorsorge etwa sei die geplante FrĂŒhstartrente nicht ausreichend. "Ein staatlich unterstĂŒtztes Altersvorsorgedepot, fĂŒr das es im Finanzministerium schon mal einen Vorschlag gab, wĂ€re ein sinnvoller Schritt, um kĂŒnftigen Rentnerinnen und Rentnern eine bessere Teilhabe an den Chancen der KapitalmĂ€rkte zu ermöglichen."
MĂŒller zog ein klares Fazit: "Mit kleinen Korrekturen lassen sich die groĂen Herausforderungen nicht lösen. Deutschland braucht mutige Strukturreformen, sonst gerĂ€t unsere wirtschaftliche StĂ€rke in Gefahr. Nur wenn wir Blockaden lösen und VerĂ€nderungen konsequent angehen, sichern wir Wohlstand und StabilitĂ€t. Der angekĂŒndigte 'Herbst der Reformen' muss diesen Erwartungen gerecht werden."
Pressekontakt:
Dr. Gerald Schneider Pressesprecher Telefon: +49 89 / 2868 - 3401 E-Mail: mailto:presse@gv-bayern.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/24076/6118714 OTS: Genossenschaftsverband Bayern e.V.
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