Volkswagen, Metall

Volkswagen: IG Metall verteidigt Betriebsratsmehrheit

15.03.2026 - 00:00:21 | boerse-global.de

Die IG Metall sichert sich bei den VW-Betriebsratswahlen erneut die Mehrheit, verliert aber in Wolfsburg Stimmen. Erstmals zieht eine AfD-nahe Liste in Braunschweig ein, während der Umbau des Konzerns ansteht.

Volkswagen: IG Metall verteidigt Betriebsratsmehrheit - Foto: über boerse-global.de
Volkswagen: IG Metall verteidigt Betriebsratsmehrheit - Foto: über boerse-global.de

Die IG Metall bleibt die dominierende Kraft in den Volkswagen-Werken, muss aber in der Stammbelegschaft Verluste hinnehmen. Zugleich zieht erstmals eine als AfD-nahe geltende Gruppierung in einen VW-Betriebsrat ein. Die Wahlen fallen in eine entscheidende Phase des Konzernumbaus.

Klarer Sieg mit Erosion in Wolfsburg

Bei den Betriebsratswahlen im Stammwerk Wolfsburg sicherte sich die Liste von Gesamtbetriebsratsvorsitzender Daniela Cavallo mit 74,8 Prozent der Stimmen eine klare Mehrheit. Sie erhält 52 der 67 Mandate für die Amtszeit bis 2030. Doch der Sieg hat einen Beigeschmack: Gegenüber der Wahl 2022 verlor die IG Metall über zehn Prozentpunkte. Damals kam sie auf 85,5 Prozent.

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Zweitstärkste Kraft wurde „Die Andere Liste“ des ehemaligen IG Metall-Funktionärs Frank Patta. Sie steigerte ihr Ergebnis auf 14,1 Prozent und holt zehn Sitze. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,1 Prozent. Cavallo, die erste Frau an der Spitze des Gesamtbetriebsrats, kandidierte nur in Wolfsburg, wird aber ihre Führungsrolle im Konzern behalten.

Politischer Einzug in Braunschweig

Eine politische Zäsur gab es im Komponentenwerk Braunschweig. Die als AfD-nahe eingestufte Vereinigung Zentrum zog dort erstmals in einen VW-Betriebsrat ein. Mit 6,49 Prozent der Stimmen sicherte sie sich zwei der 35 Sitze. Die IG Metall blieb mit 78,5 Prozent und 28 Mandaten dominierend.

Das Zentrum, das sich als alternative Gewerkschaft versteht, trat nur in Braunschweig an. Beobachter werten den Einzug als Symptom für wachsende Unzufriedenheit und politische Diversifizierung in der Belegschaft. Für die etablierten Gewerkschaften ist es ein Warnsignal, die Sorgen der Basis ernster zu nehmen.

Stabile Verhältnisse in den Regionalwerken

In anderen großen Werken schnitt die IG Metall oft sogar besser ab als in Wolfsburg, da die Konkurrenz dort weniger fragmentiert ist. Im hessischen Werk Kassel errang sie etwa 83 Prozent der Stimmen und 33 von 39 Mandaten.

Besonders beobachtet wurde die Wahl im E-Auto-Werk Zwickau. Dort sicherte sich die IG Metall über 81 Prozent und 29 von 35 Sitzen. Die Belegschaft blickt mit Sorge auf Produktionskürzungen und das Auslaufen von Standortgarantien nach 2030. Die kommenden Jahre werden für den Automobilstandort Sachsen entscheidend sein.

Wahl im Schatten des Mega-Umbaus

Die Wahlen fanden in einer der tiefsten Krisen der europäischen Autoindustrie statt. Volkswagen kämpft mit chinesischer E-Auto-Konkurrenz, lahmer Nachfrage und hohen Kosten. Ende 2024 einigten sich Konzern und Betriebsrat nach langen Verhandlungen auf ein Restrukturierungsprogramm.

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Der Kompromiss sieht den Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland bis 2030 vor. Im Gegenzug wurden betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen ausgeschlossen. Der leichte Stimmverlust der IG Metall in Wolfsburg wird auch als Zeichen von Verunsicherung über diese Zugeständnisse gewertet.

Der schwierige Balanceakt beginnt

Für den neu gewählten Betriebsrat beginnt nun ein Drahtseilakt. Er muss den Umbau zur Elektromobilität begleiten und gleichzeitig die Einhaltung der Job-Garantien von 2024 überwachen. Cavallo lehnt weitere einseitige Sparprogramme strikt ab.

Auf der Suche nach neuen Perspektiven zeigte sie sich offen für europäische Rüstungsprojekte. Das Werk Osnabrück könnte dafür infrage kommen. Die nächsten vier Jahre werden ein Stresstest für das deutsche Mitbestimmungsmodell. Die Fähigkeit der IG Metall, die Belegschaft zu einen und neue Produktionsaufträge zu sichern, ist entscheidend für die Zukunft des Konzerns und der gesamten Branche.

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