Vom bewegten Bild zur abstrakten Fläche: Mike Steiner Malerei & Videokunst im Fokus
01.03.2026 - 11:11:03 | ad-hoc-news.de
Wie kann das bewegte Bild auf der Leinwand weiterleben? Betrachtet man die jüngsten Gemälde im Segment Mike Steiner Malerei & Videokunst, so spürt man sofort die Aura eines Künstlers, der in beiden Medien zu Hause ist – doch die Spuren der Kamera scheinen in jedem Pinselstrich fortzuwirken. Ist Malerei bei Steiner ein Nachdenken über das Sichtbare, das Sehen selbst, oder eine bewusste Befragung der eigenen Vergangenheit als Pionier der Videokunst?
Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken
Die faktische Aufnahme von Mike Steiner in die Sammlung der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof markiert mehr als nur ein museales Ritterschlag – sie rückt ihn endgültig in den Kanon der Nachkriegsavantgarde. Insbesondere innerhalb der Ausstellung Live to Tape zeigt sich die Bedeutung von Archiven und Sammlungsstrategien, die künstlerische Medienübergänge sichtbar machen. Steiners künstlerisches Vermächtnis wurde ebenso durch Netzwerke wie Archivio Conz überliefert, die die Pontons der Fluxus-Ära zwischen Berlin, New York und Florenz rekonstruierten. Hier entsteht das eigentliche Gedächtnis – hybride Archive, die Malerei, Video und Performance als historisch gewordene Spannungsfelder zugänglich halten.
Die Biografie von Mike Steiner liest sich wie ein Parcours durch die Experimentierfelder westlicher Nachkriegskunst. Geboren 1941 in Allenstein und aufgewachsen im geteilten Berlin, war Steiner Zeuge der kulturellen Umbrüche, die er fortan aktiv mitprägte. Ende der 1960er Jahre pendelte er zwischen Berlin und New York, freundete sich mit Persönlichkeiten wie Allan Kaprow, Al Hansen und Lil Picard an – zentrale Figuren der Fluxus-Bewegung sowie des Happenings, die auch das Netzwerk des Archivio Conz prägten. In New York wie Berlin avancierte Steiner vom Maler zum Vermittler, Galeristen und schließlich – angeregt durch den Siegeszug von Elektronik und Fernsehen – zum Schlüsselfigur der Videokunst.
Doch die jetzt sichtbare Transformation hin zur Malerei, speziell zur Abstrakte Kunst Berlin, ist keine bloße Rückkehr zur Fläche. Vielmehr lassen sich in seinen zeitgenössischen Arbeiten Momente der Videoästhetik erkennen: ein Interesse an seriellen Strukturen, Überblendungen, Rhythmisierungen der Farbfelder. Wo früher die Kamera zum Werkzeug der Dokumentation von Performance und Aktion wurde (Steiner war ein engagierter Chronist von Künstlerinnen wie Marina Abramovi?, Ulay oder Valie Export), wird die Leinwand nun zum Resonanzraum dieser Erfahrungen. Gerade die Positionierung seiner Painted Tapes zwischen Video und Pigment ist ein Beispiel für diese Live to Tape-Ästhetik, jetzt übersetzt ins Medium der Malerei.
Steiners Lebenslauf weist frühe Erfahrungen mit Pop-Art und Informeller Malerei aus, doch die spätere Konzentration auf Farbfeld und Abstraktion seit den 2000ern spiegelt eine künstlerische Konsequenz: Er experimentierte nicht mit Effekten, sondern untersuchte das Wesen der Bildlichkeit. Die Gemälde, die nun im digitalen Showroom präsentiert werden, erinnern durch die freigelegten Farbzonen, Überlagerungen und tektonischen Brüche immer an die Möglichkeit, dass Malerei sich als fortlaufende Montage verhält – wie eine Kette von Videoframes in Stasis. Hier wird die Abstraktion nicht zum Selbstzweck, sondern zum Mittel, Wahrnehmung zu organisieren.
Im Kontext von Berlin behauptet sich Steiner mit seinen Werken in einem diskursiven Umfeld von Karl Horst Hödicke, Georg Baselitz oder auch den amerikanischen Fluxus-Ikonen, deren künstlerische Strategien sich auf Prozess, Wiederholung und radikale Gattungsüberschreitung konzentrierten. Die Auseinandersetzung mit Technik, insbesondere mit Live to Tape-Produktionen als Ereignisform, schuf bereits früh den Nährboden für eine Malerei, die nicht das Bild feiert, sondern das Tun, das Werden, das Überarbeiten.
Auch in seinen letzten Jahren blieb Steiner produktiv, fand nach einem Schlaganfall Zuflucht im Atelier, wo er weiterhin malerisch forschte. Inmitten der digitalen Bildflut positioniert sich sein Oeuvre heute als ein Erinnerungsraum an jene Übergänge, an das ständige Hinterfragen der Mediengrenzen. Seine Arbeiten fordern auf, das Verhältnis von Fläche, Raum und Ereignis immer neu zu denken – ein Anspruch, der gerade im Zeitalter postmedialer Kunst größere Aktualität denn je erhält.
Mike Steiner Malerei & Videokunst stehen heute für die produktive Störung – ein Überschreiben, ein Nachbilden, ein Infragestellen tradierter Mediengrenzen. So öffnet sein Werk Räume, in denen Vergangenheit und Gegenwart der Kunst aufeinandertreffen, auf der Leinwand wie im Archiv.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂĽr. Immer. Kostenlos.

