Tarifrunde beginnt - Gewerkschaften gespannt auf LĂ€nder
03.12.2025 - 08:35:16"Unsere Forderung nach sieben Prozent, mindestens 300 Euro ist keineswegs ritualisiert astronomisch", sagte der Vorsitzende des Beamtenbunds dbb, Volker Geyer, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.
Der LĂ€nder-VerhandlungsfĂŒhrer Andreas Dressel hatte von "astronomischen Forderungen" gesprochen. Offen hatte sich der SPD-Finanzsenator von Hamburg dafĂŒr gezeigt, die Tarifverhandlungen zu entritualisieren und zu verkĂŒrzen, wenn dies möglich sei. Wie jede Tarifrunde fĂŒr den öffentlichen Dienst beginnt diese Runde mit drei angesetzten Verhandlungsterminen. Einen Durchbruch gibt es meist beim dritten Termin, aber auch ein vorlĂ€ufiges Scheitern ist möglich, wenn beide Seiten zu weit auseinanderliegen. Dieses Mal ist die dritte Runde von 11. bis 13. Februar in Potsdam angesetzt.
Bereits Verdi-Chef Frank Werneke hatte Kritik an der Höhe der Gewerkschaftsforderungen zurĂŒckgewiesen. "Man mag das ritualisiert finden, aber das ist nun einmal das Ergebnis eines demokratischen Willensbildungsprozesses", sagte Werneke unter Verweis auf die in den Gewerkschaftsgremien ausgiebig diskutierten Forderungen.
Die Forderungen
Die Gewerkschaftsforderungen lauten unter anderem: Erhöhung der TarifgehĂ€lter um 7 Prozent, mindestens aber 300 Euro monatlich, bei einer Laufzeit von 12 Monaten; Erhöhung der ZeitzuschlĂ€ge um je 20 Prozentpunkte; höhere Entgelte fĂŒr Azubis, Studierende und Praktikanten (200 Euro monatlich mehr). Betroffen sind laut Verdi rund 925.000 TarifbeschĂ€ftigte und rund 1,3 Millionen Beamtinnen und Beamte, auf die ein Ergebnis in den einzelnen LĂ€ndern jeweils per Gesetz ĂŒbertragen werden soll. Nur Hessen verhandelt mit den Gewerkschaften gesondert und ist nicht betroffen.
Das erste Zusammenkommen der Spitzen-Verhandlungsgruppe am Mittag in Berlin dient laut Verdi vor allem dem Vortragen dieser Forderungen. Es soll von Protesten von BeschĂ€ftigten auf der StraĂe am Verhandlungsort begleitet werden. "Wie gut wir vorankommen in den Verhandlungen, hĂ€ngt natĂŒrlich ganz wesentlich davon ab, ob es in der zweiten Runde ein Angebot gibt", erlĂ€uterte Werneke.
dbb-Chef Geyer forderte von den LÀnderarbeitgebern, jetzt "die richtigen PrioritÀten" zu setzen. Verdi und dbb verhandeln gemeinsam mit der Tarifgemeinschaft deutscher LÀnder (TdL). Unter dem Dach des dbb sind nicht nur Beamtinnen und Beamte, sondern auch TarifbeschÀftigte organisiert. Geyer forderte an die Adresse der LÀnder: "Was wir jetzt brauchen, sind ernsthafte Verhandlungen - Sachargumente statt markiger Worte."
Gewerkschaften: 600.000 BeschÀftigte fehlen
Geyer und Werneke bezifferten die PersonallĂŒcke im öffentlichen Dienst auf rund 600.000 BeschĂ€ftigte. Zudem stĂŒnden rund eine Million in den kommenden Jahren vor dem Ruhestand. Werneke erlĂ€uterte: "Die Verdienste im Bereich der LĂ€nder hinken nicht nur der Privatwirtschaft hinterher, sondern in Teilen auch deutlich den Bereich Bund und Kommunen." Geyer forderte: "Der Arbeitgeber Staat muss auf einem schrumpfenden NachwuchskrĂ€ftemarkt unbedingt konkurrenzfĂ€higer werden."

