ROUNDUP, US-Notenbank

Leitzins bleibt stabil

28.01.2026 - 21:32:55

WASHINGTON - Die US-Notenbank Federal Reserve lÀsst den Leitzins nach drei Senkungen erstmals wieder unverÀndert.

(Neu: Reaktionen, BegrĂŒndung der Entscheidung, Details zu Waller, Zitate Powell)

WASHINGTON (dpa-AFX) - Die US-Notenbank Federal Reserve lĂ€sst den Leitzins nach drei Senkungen erstmals wieder unverĂ€ndert. Bei ihrer ersten Entscheidung im laufenden Jahr votierte die Mehrheit des zwölfköpfigen Zentralbankrates dafĂŒr, den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent beizubehalten. Die Mehrheit der Volkswirte war von einem solchen Schritt ausgegangen. Die Abstimmung rĂŒckte indes aufgrund der jĂŒngsten Eskalation zwischen der Regierung von US-PrĂ€sident Donald Trump und Fed-Chef Jerome Powell eher in den Hintergrund - denn Experten sehen darin einen Angriff auf die UnabhĂ€ngigkeit der Fed.

FĂŒr das laufende Jahr rechnen Volkswirte damit, dass die Fed den Leitzins in zwei Schritten senken dĂŒrfte - also bis auf 3,0 bis 3,25 Prozent. Bis zum Sommer dĂŒrfte sich allerdings kaum etwas am derzeitigen Leitzins Ă€ndern, vermutet LBBW-Research-Analyst Elmar Völker: "Wir rechnen derzeit nicht vor der Fed-Sitzung im Juni, der ersten unter Leitung des Nachfolgers von Jerome Powell, mit einer erneuten Leitzinssenkung."

Die Fed mit Sitz in Washington begrĂŒndete ihre Zinsentscheidung damit, dass sich die Arbeitslosenquote stabilisiert habe, wĂ€hrend die Inflation weiter auf einem erhöhtem Niveau liegt. Diese Kombination rechtfertige keine Zinssenkung. Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust, merkte an, dass die Beibehaltung des Zinses eher keine Demonstration der UnabhĂ€ngigkeit der Notenbank gewesen sein dĂŒrfte. FĂŒr eine Beibehaltung stimmten insgesamt zehn Mitglieder des Zentralbankrates.

Zwei Trump-nahe Stimmen fĂŒr eine Zinssenkung

Lediglich der Fed-Gouverneur Christopher Waller und Trumps Berater Stephen Miran sprachen sich wie bei frĂŒheren Abstimmungen fĂŒr eine Senkung aus. Miran war von Trump fĂŒr eine vakante Stelle im Fed-Vorstand nominiert worden in der Hoffnung, dass der PrĂ€sident dadurch schneller seine geforderten Zinssenkungen erreicht.

Waller wird als einer von mehreren Nachfolgekandidaten fĂŒr den Chefposten bei der Fed gehandelt, der ebenfalls von Trump nominiert werden mĂŒsste. Der PrĂ€sident wollte noch bis Ende des Monats seinen Favoriten bekannt geben. Neben Waller ist auch Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett im GesprĂ€ch. Powells Amtszeit endet diesen Mai. Danach könnte er als Gouverneur weiterhin im Fed-Vorstand verbleiben - ob das dazu tatsĂ€chlich kommt, ist offen. Powell sagte bei einer Pressekonferenz, dass er darĂŒber noch nicht entschieden habe.

Viel kritisierte Ermittlungen gegen Fed-Chef Powell

Zuletzt hatte sich der Konflikt zwischen Trump und der Notenbank weiter zugespitzt: In einer Ă€ußerst seltenen Stellungnahme wies Powell strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn und eine drohende Anklage als Versuch der Einflussnahme auf die Arbeit der Fed zurĂŒck. "Die Drohung mit einer Anklage ist eine Folge davon, dass die Federal Reserve die ZinssĂ€tze nach bestem Wissen und Gewissen im öffentlichen Interesse festlegt und nicht den PrĂ€ferenzen des PrĂ€sidenten folgt", sagte Powell. Er werde sein Amt weiter "integer und im Dienste des amerikanischen Volkes ausfĂŒhren".

Powell zufolge stellte das US-Justizministerium der Fed Vorladungen zu und drohte mit einer Anklage. Powell soll im Zusammenhang mit der mehrjĂ€hrigen und kostspieligen Sanierung von GebĂ€uden der Zentralbank in Washington vor dem Senat Falschaussagen gemacht haben, so der Vorwurf. Die zustĂ€ndige StaatsanwĂ€ltin spielte den Fall herunter: Außer Powell habe niemand das Wort "Anklage" in den Mund genommen.

Notenbankchefs solidarisieren sich mit Powell

Notenbankchefs weltweit stellten sich hinter Powell - etwa Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel: "Das ist ein Unding", sagte er. Nagel sagte, er kenne Powell gut und schĂ€tze ihn sehr. "Er macht fĂŒr die USA nach wie vor eine sehr gute Geldpolitik und ist grundanstĂ€ndig."

Den Ermittlungen waren monatelang Angriffe Trumps gegen Powell vorangegangen. Der PrĂ€sident will um jeden Preis einen besonders niedrigen Leitzins durchgesetzt sehen und macht den Notenbankchef höchstpersönlich dafĂŒr verantwortlich, dass die Fed den Zins bislang nur zögerlich lockerte. In der Folge beleidigte Trump Powell regelmĂ€ĂŸig und verlangte seine Entlassung.

Warum Trump Zinsentscheidungen nicht manipulieren darf

WĂŒrde ein US-PrĂ€sident auch die Leitzinsentscheidung manipulieren, so wĂ€re das Vertrauen an den FinanzmĂ€rkten weltweit nachhaltig zerstört. Der geldpolitische Kurs wird fĂŒr gewöhnlich ausschließlich auf Basis vorhandener Daten festgelegt, unabhĂ€ngig der politischen Ausrichtung einer Regierung. Trumps stĂ€ndige Angriffe auf die Fed und der dadurch befĂŒrchtete Schaden der Zentralbank hatten zuletzt den US-Dollar und amerikanische Staatsanleihen belastet. Investoren suchen daher zunehmend nach Alternativen und setzten verstĂ€rkt auf Gold.

Mit ihren Zinsentscheidungen will die Fed einen Kompromiss zwischen stabilen Preisen und möglichst vielen VollbeschÀftigten finden. Ist der Leitzins zu hoch, bremst er die Wirtschaft aus etwa wegen zu hoher Kreditkosten. Ein niedrigerer Zins stimuliert zwar Wachstum und den Arbeitsmarkt, kann aber die Inflation anheizen.

Nicht nur Fed-Chef in Trumps Visier

Powell ist nicht das einzige Fed-Vorstandsmitglied, gegen das die Trump-Regierung vorgeht: Das Oberste US-Gericht prĂŒft derzeit, ob die VorstĂ€ndin Lisa Cook entlassen werden darf oder nicht. Richterinnen und Richter aus beiden politischen Lagern Ă€ußerten zuletzt Skepsis gegenĂŒber den VorwĂŒrfen der Regierung, Cook habe vor ihrem Amtsantritt bei HypothekengeschĂ€ften falsche Angaben gemacht. Sie betonen die besondere verfassungsrechtliche Stellung und UnabhĂ€ngigkeit der Federal Reserve. Powell bezeichnete den Fall sogar als "vielleicht wichtigsten in der 113 Jahre langen Geschichte der Fed".

@ dpa.de