Produktion/Absatz, Deutschland

Manch LadesÀule verwaist - Ausbau gedrosselt

25.04.2025 - 06:18:20

Wer sein Elektroauto laden möchte, dĂŒrfte in der Regel schnell eine freie LadesĂ€ule finden.

Im zweiten Halbjahr 2024 waren nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Deutschland im Schnitt nur rund 17 Prozent öffentlich zugĂ€nglicher Ladepunkte zeitgleich belegt. Heißt im Umkehrschluss: Viele sind kaum ausgelastet.

Der MarktfĂŒhrer in Deutschland, der Karlsruher Energiekonzern EnBW DE0005220008, hat sein Ausbauziel schon gedrosselt. "Nach unserer EinschĂ€tzung gibt es Stand heute keinen Engpass bei der Ladeinfrastruktur", erklĂ€rte Vorstand Dirk GĂŒsewell.

Nur jeder fĂŒnfte Ladepunkt ist laut BDEW ĂŒberdurchschnittlich ausgelastet, vier von fĂŒnf also weniger als 17 Prozent. Einem Bericht der "Automobilwoche" zufolge soll rund ein Viertel der Ladepunkte in Deutschland ĂŒberhaupt nicht genutzt worden sein. Das zeige eine Analyse des Marktdatenspezialisten Elvah von Echtzeitdaten der LadevorgĂ€nge an öffentlich zugĂ€nglichen LadesĂ€ulen.

21 Prozent mehr Ladepunkte binnen eines Jahres

161.686 Ladepunkte gab es nach jĂŒngsten Angaben der Bundesnetzagentur Anfang Februar in Deutschland. Im Vergleich zum Stand ein Jahr zuvor war das gut ein FĂŒnftel (21 Prozent) mehr. 36.278 davon waren Schnellladepunkte. Hier wurde der Ausbau demnach noch deutlicher vorangetrieben: Der Zuwachs binnen eines Jahres betrug 39 Prozent.

Die GrĂ¶ĂŸe der Standorte plant der Betreiber EnBW einer Sprecherin zufolge anhand einer in etwa fĂŒnf Jahren erwarteten Auslastung. Nicht genutzte Ladepunkte seien also oft auch lediglich "noch nicht" genutzte Ladepunkte, die mit zunehmendem Fahrzeughochlauf stĂ€rker genutzt wĂŒrden.

Faktoren bei der Planung seien etwa die Entwicklung bei E-Auto-Zahlen und wie viel Ladeinfrastruktur schon vorhanden ist. Eine Rolle spiele zudem die Quote jener, die zu Hause ihr Fahrzeug laden.

Dem BDEW zufolge schwankt die Auslastung regional zwischen 3 und 40 Prozent. Sprich: In manchen Regionen sind zu einem beliebigen Zeitpunkt im Schnitt nur 3 Prozent der Ladepunkte belegt. 97 Prozent sind aus Perspektive eines E-Auto-Fahrers frei, wie eine Sprecherin erlÀuterte.

Aktuelle Angaben zu den Regionen machte der BDEW nicht. Im ersten Halbjahr 2024 war die Auslastung im Landkreis Böblingen besonders hoch, in den Regionen Görlitz, Altmarkkreis Salzwedel und Coburg hingegen sehr niedrig.

Ministerium: Wartezeiten in Stoßzeiten vermeiden

"Die GrĂŒnde fĂŒr die Unterschiede bei der Auslastung sind vielfĂ€ltig", erklĂ€rte BDEW-Chefin Kerstin Andreae in Berlin. Sowohl die Zahl der E-Pkw als auch die HĂ€ufung von Ladepunkten einer Region, die Anzahl privater Lademöglichkeiten, aber auch die Ladeleistung könnten die Auslastung beeinflussen.

Eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums ordnete ein: "Bei der reinen Betrachtung der durchschnittlichen Belegdauer von Ladepunkten pro Tag bleiben wesentliche Aspekte des komplexen Ladeverhaltens unberĂŒcksichtigt." Dazu zĂ€hlten auch die angebotenen Ladetarife und die AufenthaltsqualitĂ€t am Ladestandort. "Vor allem variiert die Nutzung stark im Tagesverlauf, abhĂ€ngig von Tageszeit, Regionstyp und saisonalen EinflĂŒssen."

Aus Nutzerperspektive seien vor allem die Zeiten der grĂ¶ĂŸten Auslastung von Bedeutung, erklĂ€rte sie. Eine flĂ€chendeckende Infrastruktur sei wichtig, um in Stoßzeiten wie Ferien Wartezeiten an Ladestationen zu vermeiden.

Signal zur StÀrkung der Nachfrage von E-Autos gefordert

"Die kontinuierlich geringe zeitgleiche Auslastung zeigt sehr deutlich, dass in Deutschland der Ausbau des Ladeangebots derzeit stÀrker wÀchst als die Anzahl von E-Pkw", sagte Andreae. Die Energie- und Ladebranche investiere seit Jahren in die E-MobilitÀt hierzulande, der privatwirtschaftliche Wettbewerb beim Aufbau von Ladepunkten funktioniere sehr erfolgreich.

"Was wir in Deutschland jetzt brauchen, ist ein klares Signal zur StĂ€rkung der Nachfrage von E-Autos", forderte Andreae. Wichtige Aspekte seien, dass die europĂ€ischen Flottengrenzwerte fĂŒr den CO2-Ausstoß beibehalten werden und gĂŒnstigere Fahrzeugmodelle. Auch EnBW-Manager GĂŒsewell betonte: "FĂŒr einen zielgerichteten Hochlauf der ElektromobilitĂ€t braucht es aus unserer Sicht keine pauschale Förderung des Infrastrukturausbaus, sondern nachhaltige Anreize fĂŒr den Kauf von E-Fahrzeugen."

Aktuell betreibt der Konzern deutschlandweit mehr als 6.000 DC-Schnellladepunkte mit einer Leistung von bis zu 400 Kilowatt. Im Schnitt fÀnden E-Autofahrer alle 50 Kilometer einen davon.

Konzernchef Georg Stamatelopoulos hatte Ende MĂ€rz erklĂ€rt, das Unternehmen habe das Ausbauziel fĂŒr 2030 wegen des verlangsamten Hochlaufs der E-MobilitĂ€t von 30.000 auf 20.000 Ladepunkte reduziert. Allerdings gehe EnBW nur von einer zeitlichen Verschiebung aus. "Am langfristigen Trend erwarten wir keine gravierende VerĂ€nderung."

@ dpa.de | DE0005190003 PRODUKTION/ABSATZ