EU-Parlament gibt grĂŒnes Licht fĂŒr strengere EU-Sanierungsvorgaben
12.03.2024 - 16:37:46Die Mehrheit der Abgeordneten stimmte am Dienstag fĂŒr neue Sanierungsvorgaben, wonach der Energieverbrauch von WohngebĂ€uden bis 2030 im Schnitt um 16 Prozent und bis 2035 um 20 bis 22 Prozent sinken soll. FĂŒr GebĂ€ude, die nicht zum Wohnen gedacht sind, sehen die Vorschriften vor, dass rund ein Sechstel der am wenigsten energieeffizienten GebĂ€ude bis 2030 und rund ein Viertel bis 2033 renoviert werden mĂŒssen.
Alle Neubauten sollen ab 2030 emissionsfrei sein, teilte das Parlament mit. FĂŒr Neubauten, die Behörden nutzen oder besitzen, soll das schon ab 2028 gelten. Bis 2050 soll der GebĂ€udebereich komplett klimaneutral sein. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer betonte, dass dafĂŒr auch genug klimafreundliche Energie entscheidend sei. "Nicht jeder Betrieb kann seinen Energieverbrauch beliebig reduzieren", so der stellvertretende DIHK-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Achim Dercks.
Die Vorgaben sollen dazu beitragen, dass die EU ihre Klimaziele erreicht, denn nach Angaben der EU-Kommission sind GebĂ€ude fĂŒr rund 40 Prozent des Energieverbrauchs und rund ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die EU-Staaten mĂŒssen dem Vorhaben noch zustimmen. In den meisten FĂ€llen ist das Formsache.
Im Dezember hatten sich UnterhĂ€ndler der EU-Staaten und das Europaparlament bereits grundsĂ€tzlich auf die neuen Regeln verstĂ€ndigt - nun hat das Parlament die Einigung offiziell angenommen. Das Vorhaben geht auf einen Vorschlag der EU-Kommission zurĂŒck, die ursprĂŒnglich harte Mindeststandards fĂŒr WohngebĂ€ude einfĂŒhren wollte. Angedacht war, dass die jeweils 15 Prozent der ineffizientesten GebĂ€ude eines Landes saniert werden mĂŒssen. Viele hatten solche Vorgaben als Zwangssanierungen angesehen - diese starre Vorgabe wurde in den Verhandlungen gestrichen.
Die Umweltschutzorganisation BUND hĂ€tte sich strengere Vorgaben gewĂŒnscht. "Der GebĂ€udesektor hat in Deutschland voraussichtlich bereits zum vierten Mal die gesetzlichen Treibhausgas-Höchstmengen ĂŒberschritten", so die Organisation. Bislang vorgelegte Sofortprogramme der Bundesregierung seien nicht geeignet, damit der GebĂ€udesektor die Klimavorgaben erreichen könne.
Neben Vorgaben zur Energieeffizienz sieht die Richtlinie vor, dass die EU-Staaten bis 2030 schrittweise Solaranlagen in öffentlichen GebĂ€uden, NichtwohngebĂ€uden und in allen neuen WohngebĂ€uden installieren lassen mĂŒssen - sofern das technisch und wirtschaftlich machbar ist. Bis 2040 soll es keine mit fossilen Brennstoffen betriebenen Heizkessel mehr geben. Ab 2025 dĂŒrfen eigenstĂ€ndige mit fossilen Brennstoffen betriebene Heizkessel nicht mehr subventioniert werden.
In Deutschland greifen zwar seit dem 1. Januar bereits die ersten Regelungen des sogenannten Heizungsgesetzes. Generell sieht das GebĂ€udeenergiegesetz (GEG) etwa vor, dass jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden muss. Nun muss die Bundesregierung nach Angaben des EigentĂŒmerverbands Haus & Grund prĂŒfen, inwieweit zusĂ€tzliche MaĂnahmen erforderlich sind, um die die auf EU-Ebene angedachten Vorgaben einzuhalten. In der Diskussion ĂŒber das Heizungsgesetz hatte es im vergangenen Jahr langen Streit in der Ampel-Regierung und viel Widerstand von LobbyverbĂ€nden gegeben.

