UN-Gipfel startet mit Kampfansage an Klimaleugner
10.11.2025 - 17:16:28 | dpa.deAuf dieser "Konferenz der Wahrheit" gehe es auch darum, sich der Desinformation zur Klimakrise entgegenzustellen, sagte der linke Politiker in BelĂ©m vor Vertretern aus rund 200 Staaten. "Es ist jetzt an der Zeit, den Leugnern eine neue Niederlage zuzufĂŒgen." Unter anderem hatte US-PrĂ€sident Donald Trump die ErderwĂ€rmung einen "Schwindel" genannt.
Die Gastgeber des zweiwöchigen UN-Gipfels erwarten rund 50.000 Teilnehmer. Die Stadt BelĂ©m am Amazonas, eine der Ă€rmsten Brasiliens, ist mit den vielen Besuchern stark ĂŒberlastet. Dazu sagte Lula, die Konferenz ins Herz des Amazonas zu bringen, sei schwierig, aber notwendig gewesen. "Wer den Wald nur von oben sieht, weiĂ nicht, was unter seinem Dach geschieht." Nur so könne die Welt der RealitĂ€t im tropischen Amazonas-Regenwald ins Auge sehen, wo indigene Gemeinschaften durch die Abholzung gigantischer FlĂ€chen ihren Lebensraum verlieren.
Wie kann die Krise eingedÀmmt werden?
Kernfrage des Treffens ist, wie die Erderhitzung eingedĂ€mmt werden kann. Die dazu vorgelegten KlimaschutzplĂ€ne reichen bei weitem nicht aus, ihre fatalen Folgen abzuwenden. Dies sind etwa hĂ€ufigere und heftigere DĂŒrren, StĂŒrme, WaldbrĂ€nde und Ăberschwemmungen. Zudem geht es auf der COP30 um Forderungen armer Staaten nach hohen Milliardensummen der Industriestaaten, um sich an diese lebensfeindlicheren Bedingungen anzupassen.
UN-Klimachef Simon Stiell strich zur Eröffnung die Erfolge im Kampf gegen die ErderwĂ€rmung heraus. Das vor zehn Jahren geschlossene Pariser Klimaabkommen habe den AusstoĂ klimaschĂ€dlicher Treibhausgase gebremst. Doch wolle er nichts schönreden. "Wir mĂŒssen viel, viel schneller werden."
Solar- und Windkraft inzwischen am kostengĂŒnstigsten
Hoffnung setzt er nach eigenen Worten in die Abkehr von Ăl, Gas und Kohle, deren Verbrennung die Klimakrise anheizt. Solar- und Windenergie seien mittlerweile in 90 Prozent der Welt die kostengĂŒnstigste Energiequelle. Und erneuerbare Energien hĂ€tten die Kohle jetzt als weltweit wichtigste Energiequelle abgelöst. "Jetzt zu zögern macht weder wirtschaftlich noch politisch Sinn - in einer Zeit, in der MegadĂŒrren die nationalen Ernten vernichten und die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben."
"Die Wissenschaft wird wirklich nervös"
Direktor des Potsdam-Instituts fĂŒr Klimafolgenforschung, Johan Rockström, Ă€uĂerte sich beunruhigt. "Die Wissenschaft wird wirklich nervös", sagte er in BelĂ©m. "Verliert die Erde ihre WiderstandsfĂ€higkeit? Wird ihre KĂŒhlleistung geschwĂ€cht?", fragte er. Selbst wenn alle KlimaschutzplĂ€ne aller Staaten umgesetzt werden, sinke der AusstoĂ klimaschĂ€dlicher Treibhausgase bis 2030 nur um etwa fĂŒnf Prozent. Die fĂŒnf Prozent mĂŒsste aber Jahr fĂŒr Jahr erreicht werden. "Bis 2030 mĂŒssen die Emissionen um 40 bis 45 Prozent gesenkt werden", sagte er.
An die Konferenz appellierte Rockström, ins Handeln zu kommen. "Wir brauchen keine weiteren Verhandlungen ĂŒber Regeln. Diese COP, und alle zukĂŒnftigen, muss liefern."
Deutschland ist in BelĂ©m aktuell mit Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan und dem UmweltstaatssekretĂ€r Jochen Flasbarth (beide SPD) vertreten. Beide kĂŒndigten an, Deutschland werde als verlĂ€sslicher Partner fĂŒr ehrgeizigen Klimaschutz antreten. Allerdings ist die EU mit einem in letzter Minute beschlossenen, abgeschwĂ€chten Klimaziel im GepĂ€ck angereist.
NĂ€chste Klimakonferenz in Bonn?
FĂŒr NervositĂ€t in der Bundesregierung sorgt, dass die UN-Klimakonferenz nĂ€chstes Jahr möglicherweise nach Deutschland kommen könnte. Deutschland will dies angesichts der gigantischen Herausforderungen bei der Organisation möglichst vermeiden. "Um Himmels willen, einigt euch zwischen Australien und der TĂŒrkei, damit diese technische Lösung nicht zum Zuge kommt", sagte KlimastaatssekretĂ€r Jochen Flasbarth.
Australien und die TĂŒrkei wollen beide 2026 die Weltklimakonferenz COP31 austragen. Gelingt keine Einigung, wĂŒrde die Konferenz mit Zehntausenden Delegierten am Ort des UN-Klimasekretariats stattfinden - und dieses hat seinen Sitz in Bonn.
"Das ist keine Frage des Wollens", betonte in der Klimadiplomatie sehr erfahrene Flasbarth. "Wir mĂŒssten es, wir wollen es aber nicht." Man hĂ€tte nur zwölf Monate Zeit fĂŒr die Vorbereitung, brauche aber mehr Zeit. "Deutschland ist ein Land, das aus guten GrĂŒnden viele Regeln hat." Die Austragung der Weltklimakonferenz rotiert zwischen den Weltregionen, die Staatengruppen mĂŒssen sich intern auf einen Gastgeber einigen.
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