ROUNDUPWarken, SparplÀne

'Zumutung, aber notwendig'

12.05.2026 - 15:01:02 | dpa.de

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat die geplanten Milliarden-Einsparungen fĂŒr stabile KrankenkassenbeitrĂ€ge gegen geballte Kritik der Ärzteschaft verteidigt.

"Es ist eine gemeinsame Kraftanstrengung. Und ja, es ist eine Zumutung", sagte die CDU-Politikerin bei der Eröffnung des Deutschen Ärztetages in Hannover. "Sie ist aber notwendig, und die Situation lĂ€sst mir auch keine andere Wahl." ÄrzteprĂ€sident Klaus Reinhardt forderte noch einen Aufschub der GesetzesplĂ€ne fĂŒr grundlegende Änderungen.

"Eine so ambitionierte Aufgabe kann man nicht einfach durchs Parlament durchdrĂŒcken", mahnte der Chef der BundesĂ€rztekammer. Seine Bitte und sein Vorschlag an Warken sei daher: "Stellen Sie diese Reform, nicht, um sie zu verwĂ€ssern, aber um sie gemeinsam vielleicht nochmal durchzudeklinieren, noch einmal auf "Hold"." Die Ministerin sollte alle Beteiligten der Versorgung an einen Tisch holen und klare Zielmarken formulieren. "Und lassen Sie uns dann gemeinsam Mittel und Wege finden, wie wir diese Ziele erreichen, ohne dass es zu gefĂ€hrlichen Verwerfungen in der Patientenversorgung kommt."

Mit dem vom Kabinett auf den Weg gebrachten Paket sollen die gesetzlichen Krankenkassen 2027 um 16,3 Milliarden Euro entlastet werden. Das soll ein erwartetes Defizit von 15,3 Milliarden Euro decken und erneute Anhebungen der ZusatzbeitrĂ€ge verhindern. Geplant sind Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken und Pharmabranche - aber etwa auch höhere Zuzahlungen fĂŒr Medikamente und EinschrĂ€nkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern.

"Schonfrist ist vorbei"

Warken ging zum Ende der Eröffnungsfeier ans Rednerpult und sagte gleich zu Beginn mit Blick auf ihr erstes Amtsjahr, ihr sei natĂŒrlich bewusst: "Die Schonfrist ist vorbei." Mit dem Gesetz sollten alle Schultern einen Teil der Last tragen, argumentierte sie. Das treffe die ErtrĂ€ge der Praxen. Aber auch fĂŒr die Versicherten werde es zu mehr Eigenverantwortung kommen.

"Es ist keine Reform, die man sich als Gesundheitsministerin wĂŒnscht", sagte Warken. "Aber sie ist eben notwendig." Mit der jetzigen Ausgabendynamik wĂŒrde es sonst ĂŒber kurz oder lang auf einen Systemkollaps hinauslaufen. Beim einen oder anderen Punkt werde man sicher zu Nachbesserungen kommen. Die Ministerin bekrĂ€ftigte aber auch den "ambitionierten Zeitplan", das Gesetz vor der Sommerpause im Bundestag zu beschließen. Der Handlungsdruck sei groß, weil die 2027 entstehende LĂŒcke in diesem Jahr geschlossen werden mĂŒsse.

GrĂŒne fĂŒr "echte Entlastungsreform"

Der GrĂŒnen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen kritisierte den Anstoß der Ärzteschaft, die Umsetzung zu vertagen. "Wer jetzt ernsthaft vorschlĂ€gt, Reformen auf die lange Bank zu schieben, verschiebt nicht nur die Probleme. Er vergrĂ¶ĂŸert sie auch noch." Der Bundesregierung sei schon genug Zeit verloren gegangen. Warken dĂŒrfe sich auch nicht hinter Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) wegducken. Sie mĂŒsse endlich eine "echte Entlastungsreform" liefern.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz erklĂ€rte, Sonderzahlungen an Praxen fĂŒr Terminvermittlungen, die jetzt gestrichen werden sollen, hĂ€tten offensichtlich nicht zu mehr und schnelleren Terminen gefĂŒhrt. "Mit diesen Fakten sollte sich die organisierte Ärztelobby beschĂ€ftigen", sagte Vorstand Eugen Brysch.

"Ein reines Spargesetz"

Reinhardt sagte: "Der Reformbedarf ist zweifellos da. Und er ist dringend und zwingend." Er mĂŒsse aber Kanzler Friedrich Merz (CDU) widersprechen. Der vom Kabinett auf den Weg gebrachte Entwurf sei "ein reines Spargesetz und sicher nicht eine der grĂ¶ĂŸten Reformen der letzten Jahrzehnte."

Die PlĂ€ne nĂ€hmen auch einen Akteur aus, und zwar den Staat. Finanzminister Klingbeil lasse nach wie vor keinerlei Bereitschaft erkennen, einen wesentlichen Einstieg in eine stĂ€rkere Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen einzuleiten - etwa bei den Krankenkosten von BĂŒrgergeldbeziehern.

Der ÄrzteprĂ€sident nannte als PrĂ€missen: "Keine unangemessenen KĂŒrzungen zulasten der Patientenversorgung. Und keine weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen fĂŒr die Menschen, die dieses System tragen." Unbezahlte Mehrarbeit und immer dichtere Taktungen seien schon seit Jahren RealitĂ€t.

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