Nato 'stÀrker als je zuvor'
02.07.2026 - 06:35:05 | dpa.deEr werde das Kommando in Wiesbaden an seinen Stellvertreter Christopher R. Norrie abgeben, teilten die US-StreitkrĂ€fte vor der Zeremonie mit, die fĂŒr Donnerstag geplant war.
Donahue (56), der hoch angesehen ist und 2021 als letzter US-Soldat Afghanistan verlassen hat, gilt als jĂŒngstes Beispiel fĂŒr ranghöchste MilitĂ€rvertreter, die von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth geschasst wurden - teils ohne Angabe von GrĂŒnden.
Dass Donahue sich bei seinem letzten öffentlichen Auftritt in Estland, wo am Dienstag ein neues taktisches Hauptquartier fĂŒr den Schutz der Nato-Ostflanke aus der Taufe gehoben wurde, fast schĂŒtzend vor die europĂ€ischen Partner stellte, passt in dieses Bild.
"Ich muss hier niemandem sagen, dass Europa mehr Verantwortung trĂ€gt als jemals zuvor in den letzten 35 Jahren. FĂŒr mich ist klar, dass Ihr bereit seid, mehr zu tun und euren Worten Taten folgen zu lassen, und die Vereinigten Staaten werden euch dabei zur Seite stehen", sagte Donahue dabei eine Woche vor dem Nato-Gipfel in Ankara. Und: "Die Nato ist heute stĂ€rker als je zuvor." Das klingt gĂ€nzlich anders als die immer neue Kritik von US-PrĂ€sident Donald Trump.
Donahue gilt als einer der angesehensten GenerÀle des US-Heeres
Donahues Abgang sei direkt von Hegseth veranlasst worden, berichten mehrere US-Medien unter Berufung auf US-Beamte. Der Personalwechsel wird vom Pentagon den Berichten zufolge als Teil von Hegseths Umbau der militĂ€rischen FĂŒhrung dargestellt, zu dem auch die Herabstufung von Donahues Posten im Zuge einer ĂberprĂŒfung der US-MilitĂ€rprĂ€senz in Europa gehört. Hegseth blockierte demnach aber zugleich BemĂŒhungen, Donahue auf andere Spitzenposten zu versetzen.
Donahue galt als einer der angesehensten GenerĂ€le des US-Heeres und wurde den Berichten zufolge als aussichtsreicher Kandidat etwa fĂŒr die FĂŒhrung des US-Heeres gehandelt. Seit Hegseths Amtsantritt wurden bereits zahlreiche SpitzenmilitĂ€rs entlassen oder zum RĂŒckzug gedrĂ€ngt. Offizielle BegrĂŒndungen blieben dabei oft vage oder fehlten ganz.
Die "New York Times" und die "Washington Post" verweisen darauf, dass Donahue bereits 2023 öffentlich republikanischen VorwĂŒrfen widersprochen hatte, das US-MilitĂ€r sei von einer "woken" Ideologie geprĂ€gt. Ob diese ĂuĂerung bei der Entscheidung eine Rolle spielte, ist allerdings unklar. Hegseth hat den Kampf gegen aus seiner Sicht "woke" - also zu linksliberale - Strukturen und DiversitĂ€tsprogramme im MilitĂ€r zu einem seiner zentralen politischen Anliegen gemacht.
Ein grĂŒnstichiges Nachtsicht-Foto: Donahue verlĂ€sst Afghanistan
Donahue zog sich zudem laut US-Medien den Unmut von Hegseth zu, weil er als letzter US-Soldat in Afghanistan zum Symbol des chaotischen Abzugs 2021 geworden sei. Trump und Hegseth kritisieren dies seit langem.
Aufgenommen durch ein NachtsichtgerĂ€t zeigte 2021 ein grĂŒnstichiges Bild Donahue in diesem Moment. Der damalige Kommandeur der 82. Luftlandedivision steigt auf dem Flughafen in Kabul in voller Kampfmontur in ein Transportflugzeug vom Typ C-17.
Es ist die letzte US-Maschine, die in Kabul startet. Um kurz vor Mitternacht Ortszeit hebt sie ab. Damit endete der lÀngste Krieg in der Geschichte der USA, der am 7. Oktober 2001 mit Luftangriffen in Afghanistan begonnen hatte, nach 7.268 Tagen. "Der letzte amerikanische Soldat verlÀsst Afghanistan", schrieb das US-Zentralkommando, das das Foto verbreitete, damals auf Twitter.
Donahue wirkte in Afghanistan unter anderem als Kommandeur der SpezialkrÀfte. Nach Angaben der Armee war der Offizier da 17 Mal in AuslandseinsÀtzen in Afghanistan, im Irak, in Syrien, in Nordafrika und in Osteuropa gewesen.
Auch die Arbeit im Generalstab kennt Donahue: Im US-Verteidigungsministerium war er stellvertretender Direktor fĂŒr SpezialkrĂ€fte-Operationen und TerrorismusbekĂ€mpfung. Donahue ist ein Absolvent der MilitĂ€rakademie Westpoint, die er 1992 abschloss.
Donahue fordert Dynamik "mit Stiefeln im Schlamm"
"Der Charakter des Krieges hat sich gewandelt. Die Ukraine hat uns gezeigt, wie Tempo und die FĂ€higkeit zum Aufwuchs und wie Echtzeitdaten nun denjenigen einen Vorteil verschaffen, die wissen, wie man dies nutzt", gab Donahue nun in Estland den europĂ€ischen VerbĂŒndeten mit auf den weiteren Weg.
Es werde kĂŒnftig nicht mehr reichen, auf hochmoderne FĂ€higkeiten zur See und in der Luft zu vertrauen, sondern es werde wieder auf die Schlagkraft von LandstreitkrĂ€ften ankommen. Die Nato mĂŒsse mit unaufhaltsamer Dynamik die Initiative ergreifen, forderte er. Donahue sagte: "So wird Abschreckung geschaffen - nicht mit Worten vom Rednerpult, sondern mit Stiefeln im Schlamm."
