RumÀniens, PrÀsident

RumĂ€niens PrĂ€sident schlĂ€gt Technokraten fĂŒr Amt des Premiers vor

04.06.2026 - 18:01:45 | dpa.de

Einen Monat nach dem Sturz der rumĂ€nischen Regierung von MinisterprĂ€sident Ilie Bolojan hat StaatsprĂ€sident Nicusor Dan dem Parlament den EU-Parlamentarier Eugen Tomac als Kandidaten fĂŒr das Amt des Regierungschefs vorgeschlagen.

Tomac ist Politiker der in RumĂ€nien außerparlamentarischen konservativen Partei PMP und ehrenamtlicher Berater Dans. Er soll an der Spitze eines hauptsĂ€chlich aus Technokraten bestehenden Kabinetts regieren, falls das Parlament dem zustimmt.

Er werde dem Parlament "ein technisches, kein politisches" Kabinett prĂ€sentieren, sagte Tomac. Die oppositionellen Sozialdemokraten (PSD), stĂ€rkste Kraft im Parlament, hatten im Vorfeld bereits ihre Sympathie fĂŒr Tomac bekundet. Hingegen erklĂ€rte der Vorsitzende der zweitstĂ€rksten Kraft, der oppositionellen rechtsextremen Partei AUR, George Simion, auf keinen Fall fĂŒr Tomac stimmen zu wollen. Allerdings haben PSD und AUR bereits mehrfach miteinander kooperiert. Es gilt als unsicher, ob Tomac vom Parlament grĂŒnes Licht bekommt.

Am 5. Mai hatten PSD und die russlandfreundliche AUR die Reformregierung des seit Juni 2025 amtierenden proeuropĂ€ischen MinisterprĂ€sidenten Bolojan im Parlament per Misstrauensvotum gestĂŒrzt. Die bis zum 23. April mitregierende PSD hatte Bolojan vorgeworfen, seine Reformpolitik zu wenig mit den Koalitionspartnern abgestimmt zu haben. PrĂ€sident Dan lobte nun vor allem die Dialogbereitschaft des Kandidaten Tomac.

Bolojan wollte Staat verschlanken und Korruption eindÀmmen

Bolojan war es gelungen, binnen weniger als einem Jahr das Budgetdefizit des Landes mit Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen deutlich zu senken. Er hatte zudem eine Verschlankung des staatlichen und kommunalen Apparats geplant. Ein Dorn im Auge war der PSD vor allem seine geplante Reform der großen Staatsbetriebe: Minderheitsanteile sollten an der Börse zum Verkauf angeboten werden. Bolojans Ziel war dabei neben der Kapitalbeschaffung auch die EindĂ€mmung der Korruption durch ein transparenteres Management, das allein schon durch eine Börsennotierung geboten ist. Bolojan zufolge sah die PSD dadurch eigene PfrĂŒnde in Gefahr, da viele dieser Betriebe von teils korruptionsverdĂ€chtigem PSD-nahem Personal gefĂŒhrt wĂŒrden.

Aktuell amtiert Bolojan als geschĂ€ftsfĂŒhrender Premier mit eingeschrĂ€nkten Befugnissen. Das darf er bis zu 45 Tage ab seiner Abwahl im Parlament. SpĂ€testens dann muss das Parlament einen neuen Premier wĂ€hlen. Scheitert eine neue Regierungsbildung bis dahin, kann PrĂ€sident Dan vorgezogene Neuwahlen anberaumen. Interesse an Neuwahlen hat nur die AUR, die in den Umfragen im Aufwind ist.

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