ROUNDUP, Auftragseingang

Auftragseingang in der deutschen Industrie legt deutlich zu

07.05.2026 - 12:11:10 | dpa.de

WIESBADEN - Kleiner Hoffnungsschimmer fĂŒr die angeschlagene deutsche Industrie: Im MĂ€rz zog der Auftragseingang im Monatsvergleich um 5,0 Prozent an, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte.

(neu: Ökonom Michael Grömling vom arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft)

WIESBADEN (dpa-AFX) - Kleiner Hoffnungsschimmer fĂŒr die angeschlagene deutsche Industrie: Im MĂ€rz zog der Auftragseingang im Monatsvergleich um 5,0 Prozent an, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Plus von lediglich 1,0 Prozent gerechnet. Die positive Entwicklung des Auftragseingangs im Verarbeitenden Gewerbe im MĂ€rz sei zu einem großen Teil auf den deutlichen Anstieg bei den Herstellern elektrischer AusrĂŒstungen zurĂŒckzufĂŒhren.

Mit Blick auf den Außenhandel stiegen die AuslandsauftrĂ€ge um 5,6 Prozent. Dabei zogen die Unternehmen deutlich mehr Bestellungen aus der Eurozone als von außerhalb des gemeinsamen WĂ€hrungsraums an Land. Die InlandsauftrĂ€ge kletterten laut Destatis um 4,0 Prozent nach oben.

Ohne die BerĂŒcksichtigung von GroßauftrĂ€gen war der Auftragseingang den Angaben zufolge insgesamt um 5,1 Prozent höher als im Vormonat. Damit erreichte der Auftragseingang ohne GroßauftrĂ€ge das höchste Niveau seit Februar 2023.

In den vergangenen Monaten hĂ€tten umfangreiche GroßauftrĂ€ge im Zusammenhang mit öffentlichen Investitions- und Beschaffungsvorhaben fĂŒr eine hohe VolatilitĂ€t der inlĂ€ndischen Bestellungen gesorgt, erklĂ€rte das Bundeswirtschaftsministerium in einer Stellungnahme. Zuletzt aber habe dieser Effekt eine eher untergeordnete Rolle gespielt.

Im Februar waren die Bestellungen in den Industriebetrieben im Monatsvergleich immerhin um 1,4 Prozent gestiegen, wie eine Revision des vorherigen Wertes in Höhe von plus 0,9 Prozent ergab. Zu Jahresbeginn war der Auftragseingang um 11,1 Prozent abgesackt.

Im Vergleich zum Vorjahr zog der Auftragseingang in den Industriebetrieben im MĂ€rz um 6,3 Prozent an. In dieser Betrachtungsweise hatten Analysten nach dem Plus von 3,5 Prozent im Februar einen Anstieg von lediglich 1,7 Prozent erwartet.

"Die deutsche Industrie hat im ersten Kriegsmonat ĂŒberraschend deutlich mehr AuftrĂ€ge erhalten, auch wenn man die stark schwankenden GroßauftrĂ€ge herausrechnet", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer. Doch der Einbruch von Stimmungsindikatoren wie dem Ifo-GeschĂ€ftsklima zeige eine große Verunsicherung der Unternehmen. "Der Nahost-Krieg fordert seinen Tribut, selbst wenn er bald enden sollte."

Das Bundeswirtschaftsministerium Ă€ußerte sich ebenfalls vorsichtig. Der Iran-Krieg habe zu einem Energiepreisschock gefĂŒhrt, der sich verzögert auch auf andere GĂŒter niederschlagen werde. "Vor diesem Hintergrund dĂŒrften im MĂ€rz verstĂ€rkt Bestellungen in Erwartung steigender Preise bzw. möglicher LieferengpĂ€sse getĂ€tigt worden sein."

Der Zuwachs in den AuftragsbĂŒchern im MĂ€rz nun sei ein Lichtblick fĂŒr die Unternehmen, nachdem Umfragen zuletzt eine gedĂ€mpfte Stimmung in der Industrie angezeigt hĂ€tten, schrieb Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft beim Vermögensverwalter Union Investment. Grund fĂŒr allzu viel Optimismus sollte der Auftragseingang allerdings nicht geben. Die Auswirkungen des Iran-Konflikts spiegelten sich in den MĂ€rz-Daten noch kaum wider, da zu Kriegsbeginn die Tragweite des militĂ€rischen Konflikts nicht absehbar gewesen sei.

Skeptisch Ă€ußerte sich auch Ökonom Michael Grömling vom arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft. "Der Iran-Krieg hat die zaghafte Erholung der deutschen Wirtschaft abgewĂŒrgt. Steigende Energiepreise und Lieferstörungen treffen ein Land, das nach drei Jahren Rezession und Stagnation kaum noch Puffer hat."

Grömling ergĂ€nzte: "Die deutschen Exporte schrumpfen zum vierten Mal in Folge, wĂ€hrend der Welthandel wĂ€chst." Die deutsche Konjunktur koppele sich immer stĂ€rker von den WeltmĂ€rkten ab. Das spreche fĂŒr einen gravierenden Verlust an WettbewerbsfĂ€higkeit.

Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank zog ein insgesamt positives Fazit: "Die deutsche Wirtschaft ĂŒberrascht im ersten Quartal. Das war bereits beim gesamtwirtschaftlichen Wachstum mit einem Plus von 0,3 Prozent der Fall, jetzt gesellt sich auch noch ein erfreulicher Zuwachs der AuftragseingĂ€nge hinzu." Sollte der Iran-Krieg tatsĂ€chlich zu einem raschen Ende kommen und damit die fĂŒr den Welthandel wichtige Straße von Hormus wieder befahrbar werden, könnten die Folgen des Konflikts geringer ausfallen als bislang gedacht.

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis   Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
de | boerse | 69288058 |