Berlin, Deutschland

Vier VerdÀchtige nach Anschlag auf Berliner Strommasten

24.03.2026 - 13:50:35 | dpa.de

50.000 Menschen waren im September 2025 in Berlin ohne Strom, als Starkstromkabel angezĂŒndet wurden. FĂŒr Techfirmen bedeutete das MillionenschĂ€den.

  • Nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz im September 2025 ermittelte die Polizei vier VerdĂ€chtige. - Foto: Soeren Stache/dpa
    Nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz im September 2025 ermittelte die Polizei vier VerdÀchtige. - Foto: Soeren Stache/dpa
  • Nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz im September 2025 ging die Polizei mit einer Razzia gegen vier VerdĂ€chtige aus der linksradikalen Szene vor. - Foto: Soeren Stache/dpa
    Nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz im September 2025 ging die Polizei mit einer Razzia gegen vier VerdÀchtige aus der linksradikalen Szene vor. - Foto: Soeren Stache/dpa
  • In mehreren StĂ€dten war die Polizei im Einsatz.  - Foto: Soeren Stache/dpa
    In mehreren StÀdten war die Polizei im Einsatz. - Foto: Soeren Stache/dpa
  • Im Landeskriminalamt Berlin gibt es die eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe «EG Spannung». - Foto: Sven KĂ€uler/dpa
    Im Landeskriminalamt Berlin gibt es die eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe «EG Spannung». - Foto: Sven KÀuler/dpa
  • Ein halbes Jahr nach dem Anschlag auf Stromleitungen zum Techpark Adlershof durchsucht die Polizei in Berlin RĂ€ume. (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
    Ein halbes Jahr nach dem Anschlag auf Stromleitungen zum Techpark Adlershof durchsucht die Polizei in Berlin RĂ€ume. (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
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Rund sechs Monate nach dem mutmaßlich linksextremen Brandanschlag auf die Stromversorgung eines Berliner Technologieparks hat die Polizei vier VerdĂ€chtige ermittelt. Bei einer großen Razzia durchsuchten Polizisten seit dem frĂŒhen Morgen 17 Wohnungen und andere RĂ€ume in Berlin, Hamburg, DĂŒsseldorf und Kyritz in Brandenburg, wie die Generalstaatsanwaltschaft Berlin mitteilte. 500 Polizisten waren im Einsatz. 

Den vier Beschuldigten im Alter von 28, 31, 35 und 36 Jahren wird verfassungsfeindliche Sabotage vorgeworfen. Nach dpa-Informationen handelt es sich um zwei MÀnner und zwei Frauen. Sie sollen mit dem Brandanschlag am 9. September 2025 auf zwei Strommasten den Stromausfall verursacht zu haben. Betroffen waren zeitweise rund 50.000 Privathaushalte und rund 2.000 Gewerbebetriebe. 

VerdÀchtige nicht festgenommen

Festgenommen wurden die VerdÀchtigen aber nicht. Haftbefehle können nur bei dringendem Tatverdacht und entsprechenden Beweisen erlassen werden. 

Am 9. September 2025 hatte ein nĂ€chtliches Feuer Starkstromkabel im SĂŒdosten Berlins weitgehend zerstört. In einem Bekennerschreiben im Internet war von einem Angriff auf den Technologiepark Adlershof und die dortigen Firmen und Forschungseinrichtungen aus den Bereichen IT, Robotik, Bio- und Nanotechnologie, Raumfahrt sowie Sicherheits- und RĂŒstungsindustrie die Rede. Bei den Firmen wurden nach aktuellen SchĂ€tzungen SchĂ€den zwischen 30 und 70 Millionen Euro verursacht.

Der Brandanschlag wird nach dpa-Informationen dem linksextremistischen Spektrum zugeordnet. An der AufklĂ€rung soll das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz maßgeblich beteiligt gewesen sein. Nach einem Bericht der Zeitung «Die Welt» richtete sich der Einsatz gegen eine anarchistische Gruppe. Eine Rolle soll auch ein anarchistisches Magazin einer kleinen Gruppe aus Bayern spielen.

Keine Verbindungen zum zweiten Anschlag im Januar bekannt

Über mögliche Verbindungen der mutmaßlichen TĂ€ter zu dem zweiten großen Brandanschlag auf Starkstromkabel in Berlin am 3. Januar und den sogenannten Vulkangruppen ist bisher nichts bekannt. Diese Gruppen hatten den Anschlag fĂŒr sich reklamiert. 

«Wir beobachten die linksextremistische Szene seit den AnschlĂ€gen auf die kritische Infrastruktur in Zusammenhang mit Adlershof und dem 3. Januar sehr genau», sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Die Sicherheitsbehörden seien dazu in einem engen Austausch. «SĂ€mtlichen Hinweisen zu dem Anschlag im SĂŒdwesten Berlins Anfang des Jahres wird weiterhin intensiv nachgegangen.»

Der Stromausfall im Januar im SĂŒdwesten Berlins dauerte noch lĂ€nger als der im September. Auch hier wird intensiv nach den TĂ€tern gefahndet. Die FederfĂŒhrung hat das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden wegen der ZustĂ€ndigkeit des Generalbundesanwalts und nicht das Berliner Landeskriminalamt (LKA).

Handys, Laptops, Unterlagen beschlagnahmt

Bei der Razzia durchsuchte die Polizei RĂ€ume in den Berliner Bezirken Mitte, Neukölln, Treptow-Köpenick, Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow, zwei Wohnungen in Hamburg, je eine Wohnung in DĂŒsseldorf und Brandenburg. Die Polizei beschlagnahmte Handys, Laptops, Unterlagen und diverse weitere elektronische GerĂ€te. 

Vor einigen HÀusern in Berlin, die der linksradikalen Szene zugeordnet werden, standen am Morgen vermummte Polizisten. Auch eine anarchistische Bibliothek in Kreuzberg war im Visier der Polizei. 

In der Schererstraße in Wedding fĂŒhrte die Polizei einen SpĂŒrhund in das Haus. Zimmer und BĂŒros im Erdgeschoss wurden durchsucht. Polizisten trugen Laptops hinaus. Etwa 20 bis 30 junge Demonstranten protestierten auf der Straße mit Sprechchören gegen die Durchsuchungen und die Polizei. In DĂŒsseldorf durchsuchte die Polizei RĂ€ume an einer Adresse, an der sich einer der VerdĂ€chtigen hĂ€ufig aufgehalten habe.

Intensive Ermittlungen der Polizei zur AufklÀrung

Vorausgegangen war laut Staatsanwaltschaft die Arbeit der eigens eingerichteten Ermittlungsgruppe «EG Spannung» im LKA Berlin. Es gehe um den Verdacht der verfassungsfeindlichen Sabotage, Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie Brandstiftung.

Anfang Oktober hatte die Polizei einen Teil der Berliner Stadtautobahn gesperrt, um am Rand nach Spuren oder Beweisen im Zusammenhang mit dem Anschlag zu suchen. SpĂŒrhunde waren im Einsatz. Nach einer Stunde war der Einsatz beendet und die Autobahn wieder geöffnet. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte noch am selben Tag: «Man kann davon ausgehen, dass wir die Erkenntnisse gewonnen haben, die wir gewinnen wollten.»

Berliner Senat zufrieden und erleichtert

Berlins Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner (CDU) zeigte sich zufrieden: «Der Ermittlungsdruck auf die linksextremen TĂ€ter der AnschlĂ€ge in Adlershof und Steglitz-Zehlendorf sowie ihre Hinterleute wurde deutlich erhöht. Die laufenden Durchsuchungen Ausdruck dieses konsequenten Vorgehens. Wir bleiben dran bis die TĂ€ter gefasst sind.» 

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) teilte mit: «Die heutigen Durchsuchungen zeigen, dass wir jeden Hinweis mit höchster PrioritĂ€t verfolgen. Wer unsere kritische Infrastruktur angreift, greift die Sicherheit unserer gesamten Stadt an.» Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) sagte, fĂŒr einen kraftvollen Rechtsstaat sei es wichtig, dass die TĂ€ter gefunden wĂŒrden. Diese Frage sei immer wieder aus der Bevölkerung gekommen. Sie hoffe, dass deutliche Strafen erfolgten.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) teilte mit: «Die Sicherheitsbehörden kennen die Protagonisten des harten Kerns. (...) Aber nach wie vor ist es unglaublich schwer, ihnen BrandanschlÀge wie den in Johannisthal oder Zehlendorf nachzuweisen.» 

BKA-PrĂ€sident MĂŒnch: IntensitĂ€t der AnschlĂ€ge steigt

Der PrĂ€sident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger MĂŒnch, sagte Anfang MĂ€rz der dpa: «Gewalttaten und die Angriffe auf die Infrastruktur durch Linksextremisten nehmen seit einigen Jahren nicht unbedingt in der Zahl, aber sehr wohl an IntensitĂ€t zu.» Das zeigten etwa die Taten der sogenannten Hammerbande sowie die BrandanschlĂ€ge auf die Stromversorgung und andere Infrastruktureinrichtungen.

MĂŒnch sagte: «Neben den Taten der sogenannten Vulkangruppen in Berlin und Brandenburg gibt es seit mehreren Jahren einen weiteren Schwerpunkt von Angriffen auf Infrastruktur im Großraum MĂŒnchen.» Relevant sei hier auch die militante linksextremistische Initiative «Switch off», in deren Rahmen seit mehreren Jahren zu Sabotageakten aufgerufen werde.

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