Dobrindt, Grenzkontrollen

Dobrindt will sofort verschÀrfte Grenzkontrollen anordnen

04.05.2025 - 11:33:43 | dpa.de

Ab dem ersten Tag der neuen Bundesregierung soll es eine hÀrtere Gangart in Sachen Migration geben. Die Gewerkschaft der Polizei ist skeptisch.

  • Seit September 2024 gibt es stationĂ€re Kontrollen an allen deutschen Landgrenzen. (Archivfoto) - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
  • Auf den designierten Bundesinnenminister, Alexander Dobrindt (CSU), wartet keine leichte Aufgabe. Denn die ZurĂŒckweisung von Asylbewerbern an den Landgrenzen ist umstritten. (Archivfoto) - Foto: Michael Kappeler/dpa
Seit September 2024 gibt es stationĂ€re Kontrollen an allen deutschen Landgrenzen. (Archivfoto) - Foto: Sebastian Kahnert/dpa Auf den designierten Bundesinnenminister, Alexander Dobrindt (CSU), wartet keine leichte Aufgabe. Denn die ZurĂŒckweisung von Asylbewerbern an den Landgrenzen ist umstritten. (Archivfoto) - Foto: Michael Kappeler/dpa

Der kĂŒnftige Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will einen Tag nach seinem geplanten Amtsantritt verstĂ€rkte ZurĂŒckweisungen von Migranten und vermehrte Kontrollen an den deutschen Außengrenzen anordnen. «Die ersten Entscheidungen werden nach Amtsantritt an diesem Mittwoch getroffen. Dazu werden die Grenzkontrollen hochgefahren und die ZurĂŒckweisungen gesteigert», sagte der CSU-Politiker der «Bild am Sonntag». Grenzschließungen werde es nicht geben. 

«Die Zahlen bei der illegalen Migration mĂŒssen runter. Damit HumanitĂ€t und Ordnung gleichermaßen gelingt, braucht es Kontrolle, Klarheit und Konsequenz. Dazu bereiten wir nationale und europĂ€ische Entscheidungen vor», sagte Dobrindt weiter. 

Mehr Personal und neue Anweisungen?

Beobachter erwarten, dass zumindest vorĂŒbergehend mehr Bundespolizisten an die Grenze geschickt werden. Was sich sonst noch Ă€ndern wird, ist dagegen noch unklar. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) reagiert jedenfalls skeptisch auf Dobrindts AnkĂŒndigung. 

Auch die GdP sei fĂŒr Maßnahmen zur EindĂ€mmung der irregulĂ€ren Migration, sagte Andreas Roßkopf, Vorsitzender des GdP-Bezirks Bundespolizei und Zoll. Eine deutliche Erhöhung der Zahl der Polizistinnen und Polizisten an der Grenze sei bei der aktuellen PersonalstĂ€rke aber dauerhaft nicht durchzuhalten. 

Kein «Ping-Pong-Spiel» mit den Nachbarn

Zweifel Ă€ußerte der Gewerkschafter zudem an den AnkĂŒndigungen von Unionspolitikern, auch Asylsuchende an den deutschen Landgrenzen zurĂŒckzuweisen, ohne EinverstĂ€ndnis von Nachbarstaaten wie Polen oder Österreich. «Es darf ab Mittwoch kein Ping-Pong-Spiel mit den NachbarlĂ€ndern geben», warnte Roßkopf. Er fĂŒgte hinzu: «Wenn wir Asylbewerber zurĂŒckweisen sollen, dann muss es rechtssicher sein - und da fehlt mir bisher die Antwort.»

Am Dienstag soll CDU-Chef Friedrich Merz im Bundestag zum Bundeskanzler gewĂ€hlt werden. Der kĂŒnftige Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) hatte zuletzt erneut schĂ€rfere Grenzkontrollen ab dem ersten Tag der neuen Regierung angekĂŒndigt – wenn auch mit zeitlicher Begrenzung.

«Ich bin sehr gespannt, inwieweit die AnkĂŒndigungen des Oppositionspolitikers Dobrindt mit den Taten des Innenministers Dobrindt ĂŒbereinstimmen werden», sagte der frĂŒhere Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) der «Rheinischen Post».

Ampel weitete Grenzkontrollen aus

In der Ampel-Koalition gab es anfangs kaum BefĂŒrworter fester Grenzkontrollen, die im sogenannten Schengen-Raum eigentlich nicht vorgesehen sind. Dennoch hat Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) nicht nur die 2015 begonnenen Kontrollen an der Landgrenze zu Österreich mehrfach verlĂ€ngert. Sie hat solche temporĂ€ren Kontrollen Mitte Oktober 2023 auch fĂŒr die Grenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz angeordnet und bei der EU-Kommission notifiziert. Im vergangenen September entschied sie dann, dass es solche Kontrollen - die eine Voraussetzung fĂŒr ZurĂŒckweisungen sind - auch an den restlichen Grenzabschnitten geben solle.

Im vergangenen Jahr hatten 229.751 Menschen erstmals in Deutschland einen Asylantrag gestellt. Das waren rund 100.000 Asyl-ErstantrĂ€ge weniger als im Jahr zuvor. Zu den HauptherkunftslĂ€ndern gehören derzeit Syrien, Afghanistan und die TĂŒrkei. Eine Hauptursache fĂŒr den RĂŒckgang ist nach EinschĂ€tzung des Chefs des Bundesamts fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge (Bamf), Hans-Eckhard Sommer, dass Serbien im November 2023 die FlĂŒchtlingsroute nach Ungarn faktisch gesperrt habe. Ob dies dauerhaft so bleiben werde, sei offen, sagte Sommer in einer Rede Ende MĂ€rz.

Im Koalitionsvertrag haben CDU/CSU und SPD vereinbart: «Wir werden in Abstimmung mit unseren europĂ€ischen Nachbarn ZurĂŒckweisungen an den gemeinsamen Grenzen auch bei Asylgesuchen vornehmen.» Zwischen Union und SPD ungeklĂ€rt ist aber, ob «in Abstimmung» bedeutet, eine Zustimmung der Nachbarn einzuholen oder sie lediglich zu konsultieren.

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
politik | 67208115 |