AfD-AnhĂ€nger: 73 Prozent halten System fĂŒr Scheindemokratie
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 06:30 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS73 Prozent der AfD-AnhĂ€nger halten das derzeitige politische System fĂŒr eine Scheindemokratie ohne Mitsprache der BĂŒrger. Das geht aus einer im Auftrag der FAZ durchgefĂŒhrten Allensbach-Umfrage hervor, fĂŒr die vom 4. bis 16. September 1.051 Menschen befragt wurden.
Deutlicher Abstand zur Gesamtbevölkerung
Nur 37 Prozent der AfD-AnhÀnger sehen die Demokratie als beste Staatsform an. In der Gesamtbevölkerung teilen rund zwei Drittel diese EinschÀtzung.
Mit der demokratischen Grundordnung sind 69 Prozent der AfD-Sympathisanten generell unzufrieden. In der Bevölkerung insgesamt bildet diese Haltung hingegen eine Minderheit.
Mehrheit fordert grundlegende VerÀnderung
83 Prozent der AfD-AnhÀnger sind der Ansicht, dass das politische System grundlegend verÀndert werden muss. Unter den AnhÀngern aller anderen im Bundestag vertretenen Parteien bleibt diese Position eine Minderheitenmeinung.
Besonders verbreitet ist die Forderung laut Umfrage in Ostdeutschland und in schwĂ€cheren sozialen Schichten. Dort sind auch die Sorgen ĂŒber die Zukunft gröĂer: 48 Prozent berichten von zunehmenden ZukunftsĂ€ngsten, in höheren sozialen Schichten sind es 22 Prozent.
Misstrauen gegenĂŒber der Politik nimmt zu
Nur sieben Prozent der Befragten haben groĂes Vertrauen darin, dass die Politik die richtigen Entscheidungen trifft und die Herausforderungen bewĂ€ltigt. 53 Prozent Ă€uĂern begrenztes Vertrauen, jeder Dritte misstraut der Politik.
Vor fĂŒnf Jahren lag der Anteil der Misstrauischen noch bei 17 Prozent. Bereits wĂ€hrend der Ampelregierung war er auf 28 Prozent gestiegen. Insgesamt fĂŒhlt sich jeder Zweite durch politische, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen stark belastet; lediglich sechs Prozent zeigen sich davon weitgehend unbeeindruckt.
Die Umfrage fĂ€llt in eine Phase, in der politische Unzufriedenheit und parteipolitische Polarisierung in Deutschland gleichzeitig zunehmen. Besonders deutlich wird der Abstand zwischen AfD-AnhĂ€ngern und der Gesamtbevölkerung bei der Bewertung der Demokratie: WĂ€hrend 37 Prozent der AfD-Sympathisanten sie als beste Staatsform ansehen, gilt das fĂŒr rund zwei Drittel der Bevölkerung. Der Unterschied beschreibt nicht lediglich Unzufriedenheit mit einzelnen Regierungen, sondern eine grundsĂ€tzlichere Distanz zur bestehenden politischen Ordnung.
Bemerkenswert ist zugleich, dass die Kritik an den Institutionen mit sozialen und regionalen Belastungen verbunden ist. Die Umfrage weist auf gröĂere ZukunftsĂ€ngste in schwĂ€cheren sozialen Schichten und auf eine stĂ€rkere Zustimmung zu grundlegenden VerĂ€nderungen in Ostdeutschland hin. Damit werden politische Einstellungen mit wirtschaftlicher Unsicherheit, gesellschaftlichen Krisenerfahrungen und dem Eindruck mangelnder Einflussmöglichkeiten verknĂŒpft.
Vertrauen als politische Herausforderung
FĂŒr Parteien und staatliche Institutionen liegt die Bedeutung der Zahlen vor allem in der wachsenden Distanz zwischen demokratischer Ordnung und ihrer konkreten Wahrnehmung im Alltag. Wenn Misstrauen gegenĂŒber der Politik zunimmt, reicht es nicht, Entscheidungen formal korrekt zu treffen; ebenso entscheidend sind nachvollziehbare Verfahren, erkennbare Wirkung und politische ResponsivitĂ€t.
Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass alle AfD-AnhĂ€nger dieselben Motive haben oder demokratische Institutionen vollstĂ€ndig ablehnen. Sie zeigen jedoch eine auĂergewöhnlich starke Konzentration systemkritischer Einstellungen in dieser WĂ€hlergruppe. Die Entwicklung erhöht den Druck auf die ĂŒbrigen Parteien, Sorgen ĂŒber soziale Sicherheit, politische ReprĂ€sentation und staatliche LeistungsfĂ€higkeit konkreter zu bearbeiten.
Politische Folgen
Mit 83 Prozent befĂŒrwortet eine groĂe Mehrheit der AfD-AnhĂ€nger eine grundlegende VerĂ€nderung des politischen Systems. Das kann den Parteienwettbewerb weiter zuspitzen, weil die AfD damit nicht nur ĂŒber einzelne Sachfragen, sondern ĂŒber die LegitimitĂ€t des bestehenden politischen Rahmens mobilisiert. Zugleich macht der geringe Anteil stark Vertrauender in der Gesamtbevölkerung deutlich, dass die Herausforderung ĂŒber die AnhĂ€ngerschaft einer einzelnen Partei hinausreicht.
