AfD-Innenminister: Kein Anschluss bei Vorbesprechungen der Innenministerkonferenz
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 12:26 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEin möglicher AfD-Innenminister aus Sachsen-Anhalt wĂŒrde bei den Vorbesprechungen der Innenministerkonferenz keinen Anschluss an die LĂ€ndergruppen finden.
Keine Aufnahme in A- oder B-LĂ€nder
Er könnte wie die anderen Innenressortchefs an den Sitzungen der Innenministerkonferenz von Bund und LĂ€ndern teilnehmen, wĂ€re aber von den getrennten Vorbesprechungen der sogenannten A- und B-LĂ€nder ausgeschlossen. Die A-LĂ€nder werden informell den SPD-gefĂŒhrten LĂ€ndern zugerechnet, die B-LĂ€nder den unionsgefĂŒhrten.
âDie Beschlusslage von CDU und CSU ist eindeutig: Es gibt keine Zusammenarbeit mit der AfDâ, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) als aktueller Sprecher der B-LĂ€nder. Die Frage nach einer Aufnahme eines AfD-Innenministers in diese Gruppe sei deshalb âvöllig abwegigâ. Auch aus den SPD-gefĂŒhrten LĂ€ndern hieĂ es, eine Aufnahme der AfD in ihre Gruppe sei ausgeschlossen.
IMK koordiniert Innenpolitik der LĂ€nder
Die Innenministerkonferenz koordiniert die Innenpolitik der LĂ€nder und fasst gemeinsame BeschlĂŒsse. Die Themen reichen von Abschiebungen ĂŒber Sicherheit in FuĂballstadien bis zum Zivilschutz. Der Bundesinnenminister nimmt als Gast mit Rede- und Antragsrecht, aber ohne Stimmrecht teil.
BeschlĂŒsse kĂŒnftig mit 13 Stimmen
Vor wenigen Tagen verabschiedete sich die IMK vom Prinzip einstimmiger BeschlĂŒsse. KĂŒnftig gilt ein Beschluss als angenommen, wenn mindestens 13 der 16 LĂ€nder zustimmen. Damit soll eine Blockade durch die AfD verhindert werden.
Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt
Bei der Landtagswahl am 6. September wurde die AfD mit 43,8 Prozent stĂ€rkste Kraft, vor der CDU mit 17,2 Prozent. FĂŒr eine absolute Mehrheit fehlen ihr drei Stimmen. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will sich nach eigenen Worten kurz vor Weihnachten zum ersten AfD-MinisterprĂ€sidenten wĂ€hlen lassen.
Bei der nĂ€chsten IMK Anfang Dezember wird Sachsen-Anhalt noch von der geschĂ€ftsfĂŒhrenden Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) vertreten. Herrmann sagte, der Frage nach den Folgen einer AfD-Landesregierung werde zu viel Aufmerksamkeit geschenkt. Im Mittelpunkt sollten stattdessen die Herausforderungen bei Sicherheit, Migration, Wirtschaft und gesellschaftlichem Zusammenhalt stehen.
Neue Mehrheitsregel verÀndert die Arbeitsweise
Die Innenministerkonferenz koordiniert seit 1954 die innenpolitische Zusammenarbeit der LĂ€nder. Ihre BeschlĂŒsse sind politische Vereinbarungen und keine Gesetze; fĂŒr die Umsetzung sind je nach Thema anschlieĂend Bund oder LĂ€nder zustĂ€ndig. Der Bundesinnenminister nimmt ohne Stimmrecht teil.
Die Abkehr von der Einstimmigkeit senkt die Möglichkeit eines einzelnen Landes, gemeinsame Positionen zu verhindern. Mit der Schwelle von 13 Stimmen bleibt die HĂŒrde allerdings hoch: Mindestens drei LĂ€nder mĂŒssten eine Entscheidung ablehnen oder sich ihr entziehen, damit die erforderliche Mehrheit nicht erreicht wird. Damit verbindet sich der Anspruch, die HandlungsfĂ€higkeit des Gremiums zu sichern, ohne Mehrheitsentscheidungen beliebig zu machen.
Sachsen-Anhalt als politischer Auslöser
Die Landtagswahl vom 6. September hat die Konstellation ausgelöst, in der erstmals ein AfD-Politiker ein Innenressort eines Bundeslandes ĂŒbernehmen könnte. Die AfD wurde mit 43,8 Prozent stĂ€rkste Kraft, verfĂŒgt aber nicht ĂŒber eine absolute Mehrheit. Eine Regierungsbildung wĂ€re daher auf UnterstĂŒtzung aus dem Landtag angewiesen.
FĂŒr die nĂ€chste IMK Anfang Dezember ist noch die geschĂ€ftsfĂŒhrende CDU-Innenministerin Tamara Zieschang vorgesehen. Sollte sich danach die politische FĂŒhrung in Magdeburg Ă€ndern, betrĂ€fe das nicht nur die Sitzordnung, sondern auch die informellen Abstimmungen vor den Konferenzen. FĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger könnte das vor allem bei gemeinsamen Vorhaben zu Migration, Gefahrenabwehr, Katastrophenschutz und Sicherheit im öffentlichen Raum sichtbar werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âLĂ€nder-Innenminister kippen jahrzehntealtes Einstimmigkeitsprinzipâ (30.09.2026)
Der Bericht ordne die Ănderung ausdrĂŒcklich als Reaktion auf die BefĂŒrchtung ein, die AfD könne nach einer Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt Entscheidungen blockieren. Er hebe zugleich hervor, dass die Einstimmigkeit auf langjĂ€hriger Praxis und nicht auf einer GeschĂ€ftsordnung beruht habe; offen bleibe damit, wie sich die neue Regel in politisch besonders umstrittenen Fragen auswirke.
DER SPIEGEL: âNach AfD-Wahlsieg Innenminister der LĂ€nder Ă€ndern Abstimmungsregelnâ (01.10.2026)
Der Bericht schreibe, kĂŒnftig solle eine Mehrheit von 13 der 16 Stimmen genĂŒgen, und stelle den institutionellen Wechsel als Konsequenz des Wahlerfolgs der AfD dar. Anders als der Tagesschau-Beitrag richte er den Schwerpunkt stĂ€rker auf die historische Praxis gemeinsamer BeschlĂŒsse und die Möglichkeit, abweichende Positionen in ProtokollerklĂ€rungen festzuhalten.
Beide Berichte bestÀtigten die neue Mehrheitsschwelle und den Zusammenhang mit der politischen Entwicklung in Sachsen-Anhalt. Sie unterschieden sich vor allem in der Gewichtung der institutionellen Vorgeschichte; die konkrete Rolle eines möglichen AfD-Innenministers in den Vorbesprechungen bleibe dabei ein zentraler Bestandteil des aktuellen Vorgangs.
