Afghanistan-Abschiebung, Straftäter-Rückführung

Afghanistan: Deutschland schiebt 40 Straftäter nach Kabul ab

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 16:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Männer wurden wegen verschiedener Straftaten abgeschoben, darunter Totschlag, Vergewaltigung und Drogenhandel. Zehn Bundesländer waren an der Rückführung beteiligt; seit Beginn der Legislaturperiode gab es damit 303 Abschiebungen nach Afghanistan.

Zehn Länder organisieren den Flug

  • Das Bundesinnenministerium teilte mit, dass die Maschine vom Flughafen Leipzig/Halle nach Kabul flog.
  • An der Sammelabschiebung beteiligten sich Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
  • Seit Beginn der laufenden Legislaturperiode wurden damit insgesamt 303 afghanische Männer abgeschoben.
Für die Sammelabschiebungen nach Afghanistan gibt es jeweils Abstimmungen mit den islamistischen Machthabern in Kabul. (Archivfoto) - Bild: Sebastian Willnow/dpa

40 afghanische Straftäter landen in Kabul

Deutschland hat 40 afghanische Männer per Charterflug in ihr Herkunftsland abgeschoben. Die Maschine startete nach Angaben des Bundesinnenministeriums am Flughafen Leipzig/Halle und landete am Mittwoch in Kabul.

Schwere Straftaten als Grund

Nach Angaben des Ministeriums handelt es sich ausschließlich um Männer, die in Deutschland Straftaten begangen hatten. Genannt werden unter anderem Totschlag, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch von Kindern, Körperverletzung und Drogenhandel.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte der «Bild»: «Straftäter müssen unser Land verlassen. Auch deswegen sind Rückführungen nach Afghanistan regelmäßiger und verlässlicher Bestandteil unserer Migrationspolitik.»

Zehn Bundesländer beteiligen sich

An der Rückführung waren Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt beteiligt.

Seit Beginn dieser Legislaturperiode seien insgesamt 303 afghanische Männer aus Deutschland in ihr Herkunftsland abgeschoben worden, teilte das Ministerium mit.

Direkte Flüge nach Kabul

Die erste Sammelabschiebung von Straftätern nach Afghanistan seit der erneuten Machtübernahme durch die radikal-islamistischen Taliban im August 2021 war 2024 mit Unterstützung des Golfemirats Katar organisiert worden.

Im Februar 2026 flog die Bundespolizei erstmals ohne Hilfe von Drittstaaten 20 Straftäter direkt nach Kabul. Grundlage war eine Vereinbarung mit den Taliban.

Proteste an deutschen Flughäfen

Am vergangenen Wochenende hatten an mehreren deutschen Flughäfen Hunderte Menschen gegen Abschiebungen demonstriert.

Die Abschiebung markiert eine Fortsetzung des seit 2024 wieder aufgenommenen direkten Rückführungswegs nach Afghanistan. Nach der Machtübernahme der Taliban waren Abschiebungen zunächst ausgesetzt; die Bundesregierung organisierte später zunächst einen Flug mit Unterstützung Katars und setzte im Februar 2026 erstmals auf einen direkten Transport durch die Bundespolizei.

Politisch steht die Rückführung im Spannungsfeld zwischen dem Anspruch, ausreisepflichtige Straftäter konsequent abzuschieben, und der Sicherheitslage in Afghanistan unter der Taliban-Herrschaft. Die Bundesregierung muss deshalb neben der Organisation der Flüge auch die Übergabe und die Behandlung der Rückkehrer vor Ort berücksichtigen.

Politische und praktische Bedeutung

Die Beteiligung von zehn Bundesländern zeigt, dass Sammelabschiebungen vor allem durch länderübergreifende Vorbereitung und zentrale Koordination möglich werden. Für die Länder liegt der praktische Vorteil darin, dass mehrere Fälle gebündelt bearbeitet werden können; zugleich bleiben rechtsstaatliche Prüfungen jedes einzelnen Falls erforderlich.

Mit nun 303 abgeschobenen afghanischen Männern seit Beginn der laufenden Legislaturperiode gewinnt die Rückführungspolitik eine messbare Größenordnung. Demonstrationen an mehreren Flughäfen am vergangenen Wochenende verdeutlichen, dass Abschiebungen nach Afghanistan weiterhin stark umstritten sind.

Ausblick auf weitere Rückführungen

Innenminister Alexander Dobrindts Ankündigung regelmäßiger Rückführungen deutet auf eine Fortsetzung des Kurses hin. Entscheidend werden dabei verfügbare Transportkapazitäten, die Zusammenarbeit mit den afghanischen Machthabern und die gerichtliche Prüfung individueller Abschiebungshindernisse sein.

Focus: „40 afghanische Straftäter per Charterflug abgeschoben“ (28.10.2026)

Der Beitrag bestätige die Abschiebung per Charterflug und hebe die schweren Vergehen der Betroffenen hervor. Damit liege sein Schwerpunkt ähnlich wie bei der dpa-Meldung auf dem Vollzug der Rückführung; weitergehende politische Unterschiede oder offene Fragen seien in dem zugänglichen Beitrag nicht erkennbar.

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