Schröder, Draht

Schröder: Draht zu Putin kann vielleicht noch hilfreich sein

28.03.2024 - 06:56:34

Altkanzler Schröder hat den russischen Angriff auf die Ukraine zwar als Fehler bezeichnet, hÀlt aber eisern an seiner Freundschaft zu PrÀsident Putin fest. Warum nur?

Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) kann sich weiterhin vorstellen, dass seine Freundschaft zum russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin zu einer Beendigung des Ukraine-Kriegs beitragen kann. «Wir haben ĂŒber lange Jahre vernĂŒnftig zusammengearbeitet. Vielleicht kann das immer noch helfen, eine Verhandlungslösung zu finden, eine andere sehe ich nicht», sagte Schröder in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Schröder ist seit seiner Kanzlerschaft von 1998 bis 2005 mit Putin befreundet und weiterhin fĂŒr die mehrheitlich russischen Gesellschaften der Nord-Stream-Pipelines durch die Ostsee tĂ€tig. Er hat den russischen Angriff auf die Ukraine zwar als «fatale Fehlentscheidung» bezeichnet, sich aber dennoch nicht von Putin losgesagt. Die SPD-Spitze grenzt ihn deshalb aus, ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn scheiterte aber.

Schröder will «positive Ereignisse» mit Putin nicht vergessen machen

Auf die Frage, warum er trotz Zehntausender Toter und russischer Kriegsverbrechen im Ukraine-Krieg an der Freundschaft mit dem russischen PrĂ€sidenten festhalte, antwortete Schröder im dpa-Interview: «Es ist ja so, dass das eine Dimension ist, die eine andere ist.» Es habe schon einmal so ausgesehen, als könnte diese persönliche Beziehung auch mal hilfreich sein, um ein politisch außerordentlich schwieriges Problem zu lösen. «Und deswegen hielte ich es fĂŒr völlig falsch, alles vergessen zu machen, was es auch an positiven Ereignissen zwischen uns in der Politik in der Vergangenheit gegeben hat. Das ist nicht meine Art und das tue ich auch nicht.»

Schröder spielt damit offensichtlich auf seine Vermittlungsmission im MĂ€rz 2022 kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine an. Damals traf er nach eigenen Angaben zunĂ€chst den damaligen ukrainischen Parlamentarier und heutigen Verteidigungsminister Rustem Umerow in Istanbul und reiste zu GesprĂ€chen mit Putin nach Moskau weiter. Die Initiative scheiterte aber. Heute plĂ€diert Schröder fĂŒr einen neuen Vermittlungsversuch auf Regierungsebene. «Frankreich und Deutschland mĂŒssten dazu die Initiative ergreifen. Dass der Krieg nicht mit einer totalen Niederlage der einen oder anderen Seite enden kann, das liegt doch auf der Hand.»

Altkanzler nennt Spekulationen ĂŒber Atomschlag Putins «Quatsch»

Die Spekulationen, Putin könnte einen Atomkrieg anzetteln oder ein Nato-Land an der Ostflanke angreifen, bezeichnete Schröder als «Quatsch». Um eine Eskalation hin zu solchen Szenarien im Keim zu ersticken und die Beunruhigung der Bevölkerung nicht grĂ¶ĂŸer werden zu lassen, mĂŒsse neben der UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine ernsthaft ĂŒber eine Lösung des Konflikts nachgedacht werden, betonte er.

Kreml begrĂŒĂŸt Schröders Hilfsangebot

Der Kreml begrĂŒĂŸte Schröders Äußerungen, dass dessen freundschaftliche Kontakte zu PrĂ€sident Putin noch nĂŒtzlich sein könnten fĂŒr eine Lösungsfindung im Konflikt um die Ukraine. Gute konstruktive Beziehungen auf persönlicher Ebene wie zwischen Putin und Schröder könnten helfen bei der Lösung von Problemen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Putin und Schröder hĂ€tten dies zu der Zeit, als Schröder im Amt war, wiederholt gezeigt. «Das hat dabei geholfen, die schwierigsten Fragen zu lösen und die schrittweise Entwicklung in den bilateralen Entwicklungen zu gewĂ€hrleisten», sagte Peskow russischen Nachrichtenagenturen zufolge.

Er machte deutlich, dass Moskau bei den heute politischen Handelnden keinen Willen sehe, den Konflikt zu beenden. Deutschland sei unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) massiv in den Krieg verwickelt. In Europa dominiere ein Ansatz, «die Ukraine dazu zu provozieren, bis zum letzten Ukrainer zu kĂ€mpfen», so Peskow. Moskau beobachte zwar die verschiedenen Standpunkte in Europa, sehe aber keine Änderung der Lage.

Der Kreml teilte indes nach einem Telefonat Putins mit dem sĂŒdafrikanischen PrĂ€sidenten Cyril Ramaphosa mit, «dass Russland immer offen war fĂŒr ein ernsthaftes und sachliches GesprĂ€ch zur politisch-diplomatischen Lösung des Konflikts». Im Westen bestehen Zweifel, dass Putin es ernst meint mit seiner behaupteten Verhandlungsbereitschaft. Die Ukraine fordert vom Westen mehr Waffen, um Russland eine strategische Niederlage zuzufĂŒgen. Verhandlungen mit Putin lehnt Kiew kategorisch ab.

@ dpa.de