Deutschland, Afrika

Heusgen fĂŒr Reform des UN-Sicherheitsrats

16.09.2023 - 05:19:39

Am Montag beginnt in New York die Woche der UN-Generalversammlung. Der frĂŒhere StĂ€ndige Vertreter Deutschlands setzt sich fĂŒr eine Runderneuerung der Vereinten Nationen ein.

Der Chef der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, hat sich fĂŒr eine Reform des UN-Sicherheitsrats mit einer stĂ€rkeren Rolle Afrikas ausgesprochen. Afrikanische Staaten seien im mĂ€chtigsten Gremium der Vereinten Nationen unterreprĂ€sentiert, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist höchste Zeit, dass das verĂ€ndert wird.» Die frĂŒhere Forderung nach einem stĂ€ndigen Sitz Deutschlands im Sicherheitsrat hĂ€lt Heusgen dagegen fĂŒr ĂŒberholt - auch wenn die Bundesrepublik als zweitgrĂ¶ĂŸter Geber zum System der Vereinten Nationen beitrage.

Unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war Heusgen außen- und sicherheitspolitischer Berater. Von 2017 bis Juni 2021 arbeitete er als StĂ€ndiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen in New York.

An diesem Montag beginnt in der US-Metropole New York die UN-Vollversammlung. Dort wird es auch eine Sitzung des Sicherheitsrats zum Thema Ukraine geben. Neben Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Außenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) nehmen weitere deutsche Ministerinnen und Minister an den Beratungen teil.

Heusgen: China blockiert Reform des Sicherheitsrats

Heusgen forderte, den UN-Sicherheitsrat an die Entwicklungen seit dessen bislang letzter Reform in den 1960er-Jahren anzupassen. «Das heißt: eine stĂ€rkere BerĂŒcksichtigung Lateinamerikas, Asiens und vor allen Dingen Afrikas.» Eine Mitgliedschaft der Afrikanischen Union oder auch der EuropĂ€ischen Union sei nach der UN-Charta nicht möglich - nur individuelle LĂ€nder können demnach Mitglieder sein.

Heusgen nannte es erstaunlich, wie oft er als UN-Botschafter erlebt habe, «wie gerade China, das sich immer als FĂŒrsprecher der sogenannten EntwicklungslĂ€nder aufspielt, dasjenige Land ist, was am stĂ€rksten eine Reform des Sicherheitsrates blockiert». Peking setze afrikanische LĂ€nder «sogar richtig unter Druck, damit man in dieser Frage nicht weiterkommt». Der 68-JĂ€hrige hat auch eine Vermutung, warum das so sei: «China will letztlich verhindern, dass seine privilegierte Stellung im Sicherheitsrat durch zusĂ€tzliche stĂ€ndige Mitglieder relativ geschwĂ€cht wird.»

Gegen stÀndigen deutschen Sicherheitsratssitz

Deutschland habe wĂ€hrend der 50 Jahre seiner UN-Mitgliedschaft «immer eine sehr konstruktive und sehr anerkannte Rolle bei den Vereinten Nationen gespielt», sagte Heusgen. Auf dieser Grundlage und auch wegen seiner wirtschaftlichen StĂ€rke habe Deutschland jahrelang einen permanenten Sitz im Sicherheitsrat gefordert. «Ich halte diese Forderung heute fĂŒr ĂŒberholt.»

Im Sicherheitsrat haben die fĂŒnf stĂ€ndigen Mitglieder USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien Vetorecht und können damit alle Handlungen blockieren. Das wurde auch immer wieder wĂ€hrend des Ukraine-Kriegs sichtbar. Neben den fĂŒnf Veto-MĂ€chten hat das Gremium zehn weitere Mitglieder, die regelmĂ€ĂŸig rotieren.

Es sei «aufgrund der weltweiten demografischen Entwicklung nicht mehr angemessen, dass Europa mit drei LĂ€ndern, die ĂŒber ein Veto-Recht verfĂŒgen, im Sicherheitsrat vertreten ist», sagte Heusgen. Dies mĂŒsse man sich «im Hinblick auf eine gerechtere Verteilung der Sitze im Sicherheitsrat eingestehen». Allerdings sollte sich Frankreich nach Meinung Heusgens als einziges EU-Mitgliedsland mit einem stĂ€ndigen Sitz bereit erklĂ€ren, «seinen Sitz als einen europĂ€ischen Sitz zur VerfĂŒgung zu stellen bei Themen, bei denen die EuropĂ€ische Union eine gemeinsame Position vertritt», verlangte Heusgen.

Deutschland solle sich zudem weiterhin um eine Reform bemĂŒhen, die einer Regelung wie im UN-Menschenrechtsrat nahe komme, sagte Heusgen. Dort gebe es sogenannte semi-permanente Sitze. Das bedeute, dass LĂ€nder unmittelbar wiedergewĂ€hlt werden und lĂ€nger als nur zwei Jahre in diesem Gremium bleiben könnten. «Damit hĂ€tten LĂ€nder, die einen besonders wichtigen Beitrag zur UN leisten, die Möglichkeit, ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum Mitglied zu bleiben.»

@ dpa.de