Razzia, Terrorverdachts

Razzia wegen Terrorverdachts - Festnahme in Essen

09.07.2025 - 12:10:28

Am Morgen nehmen SpezialkrÀfte der Polizei einen 27 Jahre alten Mann in Essen fest. Es geht um den Verdacht des Betrugs zur Finanzierung eines islamistischen Terroranschlags.

Ein 27 Jahre alter Mann ist in Essen wegen Terrorverdachts von einer Spezialeinheit der Polizei festgenommen worden. Die Generalstaatsanwaltschaft DĂŒsseldorf habe einen Haftbefehl gegen den Mann erwirkt, sagte eine Sprecherin der Behörde. 

Ihm werde gemeinschaftlicher gewerbsmĂ€ĂŸiger Betrug zur Finanzierung eines geplanten islamistisch-terroristisch motivierten Anschlags vorgeworfen. Er sollte noch heute einem Ermittlungsrichter vorgefĂŒhrt werden.

«Wir gehen davon aus, dass er Betrugstaten begangen hat und mit den Geldern, die er durch diese Betrugstaten erlangt hat, beabsichtigte, einen Anschlag zu organisieren, zu planen», sagte die Sprecherin. Details zum geplanten Anschlag wollte sie nicht nennen. 

Bei dem 27-JÀhrigen handelt es sich um einen Mann mit bosnisch-herzegowinischer Staatsangehörigkeit, der als Kind mit seiner Mutter nach Deutschland kam. Mit Staatsschutz-Delikten soll der junge Mann, der als Heranwachsender eine Niederlassungserlaubnis bekam, bislang nicht aufgefallen sein. 

Der islamistischen Ideologie hat er sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur erst vor weniger als zwei Jahren zugewandt. Dass ihn die Polizei da schon kannte, hÀngt dem Vernehmen nach mit verschiedenen Delikten zusammen, bei denen unter anderem Gewalt und Drogen eine Rolle gespielt haben sollen.

Weitere VerdÀchtige

Es gebe noch weitere VerdÀchtige im Raum Essen und Dortmund, sagte die StaatsanwÀltin. Gegen sie bestehe bislang nur ein Anfangsverdacht. So werde gegen einen 22-JÀhrigen in Dortmund ermittelt - aber nur wegen Betrugs. Um wie viele Beschuldigte es insgesamt geht, wurde nicht gesagt. 

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, die Polizei habe mögliche Terrortaten gestoppt. Er betonte die Entschlossenheit der Ermittler, gegen TerroraktivitĂ€ten vorzugehen. «Wer bei uns TerrorplĂ€ne verfolgt, muss damit rechnen, dass morgens das SEK vor der TĂŒr steht – und zwar rechtzeitig», sagte der CDU-Politiker.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen waren die PlÀne des Beschuldigten zur Beschaffung von Waffen zuletzt wohl konkreter geworden. Angesichts der möglichen Terrorszenarien, die er im Blick hatte, ist zu vermuten, dass er seinen eigenen Tod dabei zumindest in Kauf nahm.

«Den VerdĂ€chtigen hat die Polizei dann nicht mehr aus den Augen gelassen. Der Mann wurde rund um die Uhr observiert, um weitere Erkenntnisse auch ĂŒber andere Personen zu sammeln. Heute Morgen um 5.00 Uhr wurde er dann in Gewahrsam genommen», sagte Reul. «Wie es jetzt weitergeht, entscheidet der Haftrichter.» Zum Aufenthaltsstatus des HauptverdĂ€chtigen sagte Reul: «Der war total legal hier.»

Betrug mit teuren ElektrogerÀten

Bei den Betrugstaten soll es sich um den Kauf und den Verkauf von hochpreisigen ElektrogerĂ€ten gehandelt haben. Die Ermittlungsbehörden gingen davon aus, dass diese bestellt und dann nicht bezahlt wurden, sagte OberstaatsanwĂ€ltin Alexandra Wiese von der Generalstaatsanwaltschaft DĂŒsseldorf der Deutschen Presse-Agentur. «Wir nehmen an, dass man durch den Weiterverkauf an Geld kommen wollte und auf diese Weise bereits mindestens fĂŒnfstellige BetrĂ€ge zusammengekommen sind.»

Die weiteren Beschuldigten stehen offenbar lediglich unter Betrugsverdacht oder der Beihilfe dazu: «Ob sie aber davon wussten, wofĂŒr diese Gelder eingesetzt werden sollten, ist Gegenstand der Ermittlungen.»

Durchsuchungen in vier StÀdten in NRW

Insgesamt fanden Durchsuchungen zeitgleich in sechs Objekten in den StĂ€dten Essen, Dortmund, DĂŒsseldorf und Soest statt, wie die Generalstaatsanwaltschaft DĂŒsseldorf und die Polizei Essen mitteilten. 

In Essen und Dortmund wurde bei Beschuldigten durchsucht. Dabei wurde der 27-JĂ€hrige festgenommen. In DĂŒsseldorf und Soest wurde bei Zeugen durchsucht, um Beweismittel zu beschlagnahmen.

@ dpa.de