Deutschland, Geschichte

Mattarella: Mit multilateraler Kooperation gegen neue Kriege

16.11.2025 - 15:59:21

Am Volkstrauertag wird der Opfer der Weltkriege gedacht. Italiens PrÀsident Mattarella weist im Bundestag einen Weg auf, wie eine Wiederholung des millionenfachen Leides vermieden werden kann.

  • Italiens PrĂ€sident Mattarella plĂ€diert zum Volkstrauertag fĂŒr eine StĂ€rkung des Multilateralismus - Foto: Carsten Koall/dpa

    Carsten Koall/dpa

  • Vor der Gedenkstunde zum Volkstrauertag legen die Spitzen des Staates und Italiens PrĂ€sident Mattarella KrĂ€nze in der Neuen Wache in Berlin nieder - Foto: Carsten Koall/dpa

    Carsten Koall/dpa

Italiens PrĂ€sident Mattarella plĂ€diert zum Volkstrauertag fĂŒr eine StĂ€rkung des Multilateralismus - Foto: Carsten Koall/dpaVor der Gedenkstunde zum Volkstrauertag legen die Spitzen des Staates und Italiens PrĂ€sident Mattarella KrĂ€nze in der Neuen Wache in Berlin nieder - Foto: Carsten Koall/dpa

Zum Volkstrauertag hat Italiens StaatsprĂ€sident Sergio Mattarella zur StĂ€rkung multilateraler Strukturen aufgerufen, um neue Konflikte und Kriege zu verhindern. «Multilateralismus ist keine BĂŒrokratie, wie selbstherrliche Herrscher behaupten», sagte er bei der zentralen Gedenkveranstaltung im Bundestag in Berlin. «Er ist das Werkzeug, das Auseinandersetzungen abkĂŒhlt und friedliche Lösungen möglich macht. Er ist die Sprache der gemeinsamen Verantwortung.»

Mattarella wies auf das große Werk der europĂ€ischen Einigung hin. «Wir haben es geschafft, eine Region des Friedens, der Freiheit, des Wohlstands, der Achtung der Menschenrechte zu schaffen, die ihresgleichen in der Geschichte sucht.» 

Mattarella warnt vor «Nachahmern dunkler Zeiten»

Die EuropÀische Union, die aus den Ruinen des Krieges entstanden sei, habe es vermocht, den Multilateralismus in den Dienst des Friedens zu stellen, sagte der italienische PrÀsident. «Lassen wir es nicht zu, dass heute der europÀische Traum, unsere Union, von Nachahmern dunkler Zeiten zerrissen wird. Von Zeiten, die Leid, Elend und Trostlosigkeit hinterlassen haben.» 

Mattarella sagte, dem «Nie wieder» als Reaktion auf den Holocaust stehe heute ein «Wieder» gegenĂŒber. «Dies erleben wir gerade: wieder Krieg, wieder Rassismus, wieder große Ungleichheit, wieder Gewalt, wieder Aggression.»

Spitzen des Staats in der Gedenkstunde im Bundestag

An der Gedenkstunde im Bundestag nahmen auch BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier, BundestagsprÀsidentin Julia Klöckner (CDU), Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der PrÀsident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth teil.

Sie hatten zuvor in der Neuen Wache in Berlin KrĂ€nze niedergelegt. Die Neue Wache ist die zentrale deutsche GedenkstĂ€tte fĂŒr die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Klöckner ruft zur Verteidigung der Demokratie auf

Klöckner rief zum Volkstrauertag dazu auf, Frieden und Demokratie konsequent zu verteidigen. Gedenken mĂŒsse mehr heißen als zu erinnern, sagte sie in Berlin. «Es muss heißen, zu verstehen und zu handeln: Frieden und auch Demokratie sind keine ZustĂ€nde, die einfach gegeben sind, die man verwalten kann. Sie sind Aufgaben, die jeden Tag neu beginnen und die kein anderer fĂŒr uns erledigt.» 

Die BundestagsprĂ€sidentin betonte, wer die Opfer von Krieg und Gewalt ehre, wisse, wohin Hass und Verblendung fĂŒhren. «Der darf nicht schweigen, wenn Frieden und Demokratie bedroht werden – nirgendwo auf der Welt.»

«Diktatur und Krieg liegen eng beieinander»

In der Gedenkstunde im Bundestag wies der PrĂ€sident des Volksbundes Deutsche KriegsgrĂ€berfĂŒrsorge, Wolfgang Schneiderhan, darauf hin, dass Diktatur und Krieg eng beieinander lĂ€gen und umgekehrt Demokratie und Frieden zusammengehörten. «Wo Krieg gefĂŒhrt wird, verschwindet die Demokratie. Und wo die Demokratie abgeschafft wird, wird die TĂŒr fĂŒr den Krieg geöffnet.» 

Bei einer Kranzniederlegung am Ehrenmal der Bundeswehr im Bendlerblock in Berlin sagte der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer: «Dieser Tag erinnert uns, und er verpflichtet uns: Krieg und Gewalt muss mit allen Mitteln verhindert werden.» Breuer erinnerte auch an die im Dienst gestorbenen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. 

Gedenktag wurde nach dem Ersten Weltkrieg eingefĂŒhrt 

Der Volkstrauertag war zunĂ€chst zur Erinnerung an die Toten des Ersten Weltkrieges eingefĂŒhrt worden. Das erste offizielle Gedenken fand 1922 im Reichstag in Berlin statt. Von 1952 an gab es den Gedenktag dann in der Bundesrepublik wieder. Er bezieht seitdem auch die zivilen Opfer der Kriege mit ein. Der Volkstrauertag wird jĂ€hrlich zwei Sonntage vor dem ersten Advent mit zahlreichen Gottesdiensten, Kranzniederlegungen und Gedenkstunden in ganz Deutschland begangen.

Gedenken in diesem Jahr erweitert

BundesprĂ€sident Steinmeier hatte verfĂŒgt, dass in diesem Jahr das Gedenken erweitert wurde. Erstmals wurde nun auch an die Menschen erinnert, die wĂ€hrend des Nationalsozialismus wegen ihrer geschlechtlichen oder sexuellen IdentitĂ€t verfolgt und getötet wurden. Außerdem wurde der Polizistinnen und Polizisten gedacht, die im Einsatz ihr Leben verloren haben.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Wo die deutsche Autoindustrie steht und wie es weitergeht. Zwei Experten wagen einen Blick in die Zukunft. Krise trotz Milliardengewinnen? Die deutsche Autoindustrie steckt 140 Jahre nach der Patentanmeldung von Carl Benz mitten in der Transformation. (Wirtschaft, 29.01.2026 - 04:00) weiterlesen...

«Nie wieder» als bleibende Verpflichtung. Im Bundestag erzÀhlt die 87-JÀhrige ihre Geschichte - und appelliert an die Deutschen, die richtigen Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen. Als Kind wurde Tova Friedman nach Auschwitz verschleppt. (Politik, 28.01.2026 - 14:24) weiterlesen...

Papiere der Vernichtung – Mit einer Überlebenden im Archiv. Doch vorher besucht die 87-jĂ€hrige Tova Friedman in Berlin noch einen besonderen Ort. AnlĂ€sslich des Holocaust-Gedenktages spricht sie als Überlebende von Auschwitz im Bundestag. (Politik, 28.01.2026 - 04:45) weiterlesen...

Auschwitz-Gedenken – Überlebende warnen vor neuem Hass. Zum Gedenktag ziehen Überlebende und Politiker erschreckende Verbindungen in die Gegenwart. Der Holocaust ist seit mehr als 80 Jahren vorbei - der Antisemitismus jedoch wuchert bis heute weiter. (Politik, 27.01.2026 - 18:42) weiterlesen...

Steinmeier fordert Haltung gegen Antisemitismus. Am 27. Januar wird an die Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis erinnert. BundesprÀsident Steinmeier dringt darauf, antisemitischen Haltungen jederzeit zu widersprechen. Steinmeier fordert Haltung gegen Antisemitismus (Politik, 27.01.2026 - 18:31) weiterlesen...

Auschwitz-Gedenken: Überlebender warnt vor wachsendem Hass. Jahrestag der Befreiung des ehemaligen deutschen Vernichtungslagers auf Politikerreden. Im Mittelpunkt stehen die mahnenden Worte der Überlebenden. Die GedenkstĂ€tte Auschwitz verzichtet zum 81. (Ausland, 27.01.2026 - 17:32) weiterlesen...