Asylpolitik, Faeser

Asylpolitik: Faeser fĂŒr SchnellprĂŒfungen - Union unzufrieden

10.09.2024 - 18:37:31

Ampel und CDU/CSU haben ĂŒber weitere Maßnahmen zur Begrenzung der irregulĂ€ren Migration beraten. Was die Regierung vorschlĂ€gt, ĂŒberzeugt die Union nicht - sie erklĂ€rt die GesprĂ€che fĂŒr gescheitert.

  • Die Grenzkontrollen sollen ausgeweitet werden. - Foto: Peter Kneffel/dpa

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  • Thorsten Frei von der Union ging schon mit einer gewissen Skepsis in das GesprĂ€ch. - Foto: Carsten Koall/dpa

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  • Unionsfraktionschef Friedrich Merz hat die GesprĂ€che mit der Ampel-Regierung ĂŒber die Migrationspolitik fĂŒr gescheitert erklĂ€rt. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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  • Faeser, Buschmann und Baerbock informierten nach dem GesprĂ€ch gemeinsam. - Foto: Carsten Koall/dpa

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Die Grenzkontrollen sollen ausgeweitet werden. - Foto: Peter Kneffel/dpaThorsten Frei von der Union ging schon mit einer gewissen Skepsis in das GesprĂ€ch. - Foto: Carsten Koall/dpaUnionsfraktionschef Friedrich Merz hat die GesprĂ€che mit der Ampel-Regierung ĂŒber die Migrationspolitik fĂŒr gescheitert erklĂ€rt. - Foto: Kay Nietfeld/dpaFaeser, Buschmann und Baerbock informierten nach dem GesprĂ€ch gemeinsam. - Foto: Carsten Koall/dpa

Die Ampel-Regierung und die Union haben bei ihrem zweiten Migrationstreffen im Bundesinnenministerium keinen gemeinsamen Nenner gefunden - die Regierung plant aber dennoch Reformen. Der Erste Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thorsten Frei, sagte in Berlin, die Regierungsparteien hĂ€tten «keinen Vorschlag unterbreitet, der tatsĂ€chlich zu ZurĂŒckweisungen an der Grenze ĂŒber das bisher ĂŒbliche Maß hinaus fĂŒhrt». Unionsfraktionschef Friedrich Merz erklĂ€rte die GesprĂ€che fĂŒr gescheitert.

Die Koalition sehe sich offensichtlich nicht zu umfassenden ZurĂŒckweisungen an den deutschen Staatsgrenzen in der Lage, sagte der CDU-Vorsitzende. «Damit ist der Versuch gescheitert, einen gemeinsamen Weg zu gehen.» Er vermisse in dieser Frage FĂŒhrung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Ampel-Politiker warfen der Union im Gegenzug Verantwortungslosigkeit vor.

Ampel will nationale ZustĂ€ndigkeit fĂŒr Asylbewerber schneller klĂ€ren

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) schlug bei dem GesprĂ€ch, an dem auch LĂ€ndervertreter teilnahmen, ein Modell vor, um Asylbewerber, die anderswo schon registriert wurden, kĂŒnftig rascher in fĂŒr sie zustĂ€ndige europĂ€ische Staaten zu bringen. Diese PlĂ€ne will die Ampel-Regierung aus SPD, GrĂŒnen und FDP nach Angaben der Ministerin nun auch ohne die Union verfolgen. Faeser rĂ€umte ein: «Wenn wir das jetzt als gutes System etablieren wollen, braucht es mehr Personal, damit die Bundespolizei das auch dauerhaft stemmen kann.»

FĂŒr die konkrete Umsetzung der geplanten Beschleunigung sei eine Zusammenarbeit mit den betroffenen BundeslĂ€ndern notwendig, sagte Faeser. Bei einigen LĂ€ndern habe sie hierzu auch bereits Interesse festgestellt.

Der CDU-Politiker Frei kritisierte, die PlĂ€ne zielten nicht auf zusĂ€tzliche ZurĂŒckweisungen an den deutschen Grenzen, sondern auf beschleunigte Verfahren in Deutschland. Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) sagte, das Festhalten der Menschen im grenznahen Raum sei effektiver als ein ZurĂŒckschieben ĂŒber die grĂŒne Grenze, wo damit zu rechnen sei, dass die ZurĂŒckgeschobenen an anderer Stelle dann einen weiteren Einreiseversuch unternehmen wĂŒrden. Außenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) kritisierte, die Unionsvertreter seien «aufgestanden, obwohl wir viele Themen noch gar nicht besprochen haben».

Die Union hatte eine Notlage ausrufen wollen unter Berufung auf Artikel 72 des EU-Vertrags, um von normalen europĂ€ischen Verfahren abweichen zu können. Nach EinschĂ€tzung der Ampel-Koalition fehlt dafĂŒr die rechtliche Grundlage.

HaftplÀtze möglichst in GrenznÀhe

Das Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge (Bamf) soll nach den von der Ampel geplanten Änderungen das sogenannte Dublin-Verfahren kĂŒnftig schneller betreiben. Dabei wird festgestellt, welches europĂ€ische Land fĂŒr ein Asylverfahren zustĂ€ndig ist. In vielen FĂ€llen ist das jener Staat, auf dessen Gebiet Schutzsuchende zuerst europĂ€ischen Boden betreten haben.

Die Bundespolizei soll derweil prĂŒfen, ob es freie HaftplĂ€tze gibt und gegebenenfalls beim zustĂ€ndigen Gericht Haft beantragen, damit Betroffene nicht untertauchen. «Hier ist ein schnelles Handeln der Justiz der LĂ€nder erforderlich. Auch mĂŒssen die HaftplĂ€tze der LĂ€nder in ausreichender Anzahl, möglichst in GrenznĂ€he entlang der Migrationsrouten, vorhanden sein», hieß es. «Alternativ soll eine feste Zuweisung und Wohnsitzauflage vorgesehen werden, wenn Haft nicht in Betracht kommt», hieß es weiter aus Regierungskreisen.

Die Bundesregierung will das GesprĂ€ch suchen, damit die LĂ€nder, die Migranten zurĂŒcknehmen sollen, kooperieren. Denn hier hakt es derzeit oft. Über eventuelle Klagen der Betroffenen gegen ihre Überstellung sollen die Verwaltungsgerichte zĂŒgig entscheiden.

GrĂ¶ĂŸere Rolle fĂŒr die Bundespolizei

Eine wirkliche Neuerung ist die geplante grĂ¶ĂŸere Rolle fĂŒr die Bundespolizei. Bislang liegen Abschiebungen in der Verantwortung der BundeslĂ€nder, die Bundespolizei unterstĂŒtzt nur bei der DurchfĂŒhrung. KĂŒnftig soll die Bundespolizei am Ende des geplanten beschleunigten Verfahrens die Menschen dann aus Deutschland bringen.

«Außerdem setzt Deutschland weiter auf ein enges kooperatives Zusammenwirken mit den Nachbarstaaten etwa durch gemeinsame Streifen und gemeinsame Polizeizentren an den Grenzen. Ein unmittelbares ZurĂŒckweisen an den Grenzen ĂŒber die heutige Praxis hinaus wĂŒrde diese Zusammenarbeit massiv gefĂ€hrden», hieß es weiter.

Union stellte Bedingungen an Treffen

Die Union hatte nach einem ersten Treffen in der vergangenen Woche zur Bedingung fĂŒr ein weiteres Treffen gemacht, dass dabei auch ĂŒber umfassende ZurĂŒckweisungen an den Grenzen gesprochen wird. 

SPD-Fraktionsvize Dirk Wiese sagte nach dem Treffen: «Die Union wollte mit dem Kopf durch die Wand mit ihrer Idee der flĂ€chendeckenden ZurĂŒckweisungen.» Dagegen gebe es aber massive europarechtliche Bedenken, die seine Fraktion auch teile. «Die TĂŒr fĂŒr weitere GesprĂ€che ĂŒber rechtssichere Lösungen bleibt aber offen», betonte Wiese. 

Er sagte, mit ihren PlĂ€nen reagiere die Regierung auf Forderungen der Kommunen, Menschen ohne Schutzanspruch in Deutschland erst gar nicht im Land zu verteilen. «Es ist ein Trauerspiel, dass die Union der Verantwortung fĂŒr unser Land nicht gerecht wird und weiter eine Politik der Show-Effekte ohne Substanz betreibt», sagte die Erste Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der GrĂŒnen-Fraktion, Irene Mihalic. 

Grenzkontrollen werden ausgeweitet

Faeser hatte am Vortag des Treffens bereits vorĂŒbergehende Kontrollen an allen deutschen Landgrenzen angeordnet, um die Zahl unerlaubter Einreisen stĂ€rker einzudĂ€mmen. Die zusĂ€tzlichen Kontrollen sollen am 16. September beginnen und zunĂ€chst sechs Monate andauern. Als GrĂŒnde fĂŒr die nun angeordneten Kontrollen nannte das Ministerium neben der Begrenzung der irregulĂ€ren Migration auch den Schutz der inneren Sicherheit vor aktuellen Bedrohungen durch den islamistischen Terrorismus und vor grenzĂŒberschreitender KriminalitĂ€t.

ZurĂŒckweisungen gibt es derzeit nur in bestimmten FĂ€llen: wenn jemand mit einer Einreisesperre belegt ist oder kein Asyl beantragt. ZurĂŒckweisungen an den deutschen Binnengrenzen sind grundsĂ€tzlich nur da möglich, wo es Kontrollen direkt an der Grenze gibt.

Seit Oktober sind laut Bundesinnenministerium mehr als 30.000 Menschen zurĂŒckgewiesen worden. Mitte Oktober 2023 hatte Faeser stationĂ€re Kontrollen an den Grenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz angeordnet. An der deutsch-österreichischen Landgrenze gibt es solche Kontrollen, die mit der irregulĂ€ren Migration begrĂŒndet werden, bereits seit September 2015. Die neu angeordneten Kontrollen direkt an der Grenze betreffen die Landgrenzen zu Frankreich, DĂ€nemark, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg.

VerschĂ€rft hatte sich die Debatte um irregulĂ€re Migration und Abschiebungen auch aufgrund von mehreren Gewalttaten. In Solingen waren bei einem mutmaßlich islamistischen Messerattentat auf einem Stadtfest im August drei Menschen getötet und acht weitere verletzt worden. Ein 26-jĂ€hriger Syrer sitzt wegen der Tat in Untersuchungshaft. 

Die Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel, sagte: «Die Migrationskrise in Deutschland lĂ€sst sich nur durch lĂŒckenlose Grenzkontrollen und eine konsequente ZurĂŒckweisung illegaler Migranten lösen.» 

@ dpa.de