Traumergebnis, BÀtzing-LichtenthÀler

Traumergebnis fĂŒr BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler als SPD-Chefin

29.09.2024 - 08:00:38

An der Spitze der rheinland-pfĂ€lzischen SPD steht erstmals eine Frau. BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler bekommt außergewöhnlich viele Stimmen - und schließt den Generationswechsel in der Regierungspartei ab.

Die rheinland-pfĂ€lzische SPD hat ihre Landtagsfraktionschefin Sabine BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler mit ungewöhnlich großer Mehrheit auch zur Parteivorsitzenden gewĂ€hlt. Die 49-JĂ€hrige aus dem Westerwald erhielt beim Parteitag in Mainz 98,98 Prozent der Delegiertenstimmen. Ein noch besseres Ergebnis hatte nach Angaben der Partei zuletzt Kurt Beck 2008 mit 99,5 Prozent bekommen. BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler ist die erste Frau in dem Amt und vereint erstmals seit 30 Jahren wieder Partei- und Fraktionsvorsitz in einer Person. 

Die SPD fĂŒhrt in dem Bundesland seit 33 Jahren die Regierungen an - und hat jetzt mit Blick auf die Landtagswahl 2026 einen Generationswechsel vollzogen. Alexander Schweitzer war am 10. Juli im Landtag zum Nachfolger von MinisterprĂ€sidentin Malu Dreyer (63) gewĂ€hlt worden, ebenfalls mit einem besonders guten Ergebnis: Er erhielt drei Stimmen mehr als die Ampel-Koalition hat. Der 51-jĂ€hrige PfĂ€lzer und BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler kennen sich schon seit Juso-Tagen. 

Lewentz schwört die Partei zum Abschied auf «fulminanten Wahlsieg» 2026 ein 

Der ehemalige Innenminister Roger Lewentz (61) war nach zwölf Jahren als Parteichef in Mainz nicht mehr angetreten. Er hatte den reibungslosen Stabwechsel an den Spitzen der Partei und der Regierung maßgeblich organisiert. Beim Parteitag mit dem Motto «Unsere Tradition: Zukunft!» wurde er zum zweiten Ehrenvorsitzenden der Partei ernannt - nach Beck. In seiner Abschiedsrede schwor er die Partei auf einen «fulminanten Wahlsieg» bei der Landtagswahl ein. Schweitzer und BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler seien «die allerbeste Weichenstellung» dafĂŒr. «WĂ€hler begeistert man nur, wenn eine ganze Partei dahintersteht.» 

Teuber ist neuer stellvertretender Parteichef

Sven Teuber aus Trier wurde zum stellvertretenden Parteivorsitzenden gewĂ€hlt. Auf den 41 Jahre alten Landtagsabgeordneten entfielen 90 Prozent der abgegebenen Stimmen. Den Posten hatte zuvor BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler inne, daher war die Wahl notwendig geworden. Auch er hatte keine Gegenkandidaten. Stellvertretende Parteivorsitzende sind außer Teuber auch Schweitzer und Finanzministerin Doris Ahnen. 

Die neue SPD-Chefin will das Programm fĂŒr die Landtagswahl 2026 in einem mehrstufigen Prozess mit den Mitgliedern erarbeiten. «Höhepunkt wird ein Kongress 2025 sein», sagte BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler vor ihrer Wahl. «Wir sind mittendrin bei den Menschen und Themen.» Aus diesem Geist heraus solle der Beteiligungsprozess gestaltet werden.

Die insgesamt rund 450 Delegierten und GĂ€ste verabschiedeten Lewentz und die frĂŒhere MinisterprĂ€sidentin Malu Dreyer mit langem Applaus und Schildern, auf denen «Danke Malu!» oder «Danke Roger!» standen. Dreyer wurde zum Ehrenmitglied der Partei gekĂŒrt. 

«Ihr habt mich 29 Jahre getragen», sagte Dreyer zum Abschied zu den Delegierten. Lewentz und sie hÀtten sich immer aufeinander verlassen können und sie sei sicher, dass es auch mit Schweitzer und BÀtzing-LichtenthÀler so weitergehen werde. «Wir sind eine starke SPD», betonte Dreyer. Im Saal waren auch die ehemaligen MinisterprÀsidenten Kurt Beck und Rudolf Scharping. 

BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler kĂŒndigte auch an, mehr Mitglieder gewinnen und mehr Frauen fĂŒr die Politik der SPD begeistern zu wollen. Das Engagement fĂŒr die Partei mĂŒsse einfacher werden, sodass auch mitmachen könne, wer morgens Schulbrote schmieren, die Oma anschließend zur Apotheke fahren und abends die Kinder vom Fußball abholen mĂŒsse. WofĂŒr die SPD stehe, mĂŒsse noch klarer werden, betonte BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler und nannte Bildungsgerechtigkeit, starke Gemeinschaften in den Dörfern und StĂ€dten sowie gute Löhne und gute Arbeit als Schwerpunkte.

SPD-Parteichef Klingbeil lobt seinen «Lieblingslandesverband»

SPD-Parteichef Lars Klingbeil sprach von einer Erfolgsgeschichte seines «Lieblingslandesverbands». «Ihr habt starke Persönlichkeiten», die die Partei im Land, im Bund auf europĂ€ischer Ebene und in den Kommunen prĂ€gten. Der Landesverband sei geschlossen, auf die Zukunft ausgerichtet - und Dreyer und Lewentz die entscheidenden Pfeiler des Erfolgs. «Die grĂ¶ĂŸte StĂ€rke liegt in der BĂŒrgernĂ€he, die Ihr habt», betonte Klingbeil und ergĂ€nzte: «So wĂŒnsche ich mir unsere Partei.» Er wĂŒnsche sich auch mehr «Geschlossenheit und Teamspirit» in der Sozialdemokratie, so wie in Rheinland-Pfalz.

Bei der Ampel in Rheinland-Pfalz laufe vieles einfacher als in Berlin, sagte Klingbeil am Rande des Parteitags. «Ich habe ein großes Interesse daran, dass es in Berlin besser lĂ€uft». In Rheinland-Pfalz könnten Dinge vertrauensvoll abgesprochen werden, verabredetes werde umgesetzt. Rheinland-Pfalz zeige auch, wie IndustriearbeitsplĂ€tze gerettet werden könnten. 

Schweitzer will «alles geben, was in mir drinsteckt»

Schweitzer sagte: «Ich wĂŒnsche mir, dass in Berlin die Ampel wieder zu KrĂ€ften kommt». Die Koalition im Bund habe noch «so viel vor der Brust». Dabei wĂŒnsche er sich bei der FDP «mehr Volker Wissing und weniger Wolfgang Kubicki». In der Rentenfrage mĂŒsse Kurs gehalten werden, verlangte Schweitzer mit Blick auf Bedenken der FDP. «Was besprochen ist, ist besprochen.» Diese VerlĂ€sslichkeit, die die SPD in Rheinland-Pfalz vorlebe, erwarte er auch in der Ampel in Berlin. Schweitzer versprach als MinisterprĂ€sident «alles zu geben, was in mir drinsteckt» und jeden Tag zu kĂ€mpfen.

@ dpa.de