GroĂe Mehrheit fĂŒr BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler als SPD-Chefin
28.09.2024 - 16:41:11Die rheinland-pfĂ€lzische SPD hat ihre Landtagsfraktionschefin Sabine BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler mit groĂer Mehrheit auch zur Parteichefin gewĂ€hlt. Die 49-JĂ€hrige aus dem Westerwald erhielt beim Parteitag in Mainz 98,98 Prozent der Delegiertenstimmen. Sie ist die erste Frau in dem Amt und vereint erstmals seit 30 Jahren wieder Partei- und Fraktionsvorsitz in einer Person. Die SPD ist in Rheinland-Pfalz seit 33 Jahren die gröĂte Regierungspartei.Â
Die neue SPD-Chefin will das Programm fĂŒr die Landtagswahl 2026 in einem mehrstufigen Prozess mit den Mitgliedern erarbeiten. «Höhepunkt wird ein Kongress 2025 sein», sagte sie vor ihrer Wahl. «Wir sind mittendrin bei den Menschen und Themen.» Aus diesem Geist heraus solle der Beteiligungsprozess gestaltet werden.
Sven Teuber aus Trier wurde zum stellvertretenden Parteivorsitzenden gewĂ€hlt. Auf den 41 Jahre alten Landtagsabgeordneten entfielen 90 Prozent von 260 abgegebenen Stimmen. Den Posten hatte zuvor BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler inne, daher war die Wahl notwendig geworden. Beide hatten keine Gegenkandidaten. Stellvertretende Parteivorsitzenden sind auch MinisterprĂ€sident Alexander Schweitzer und Finanzministerin Doris Ahnen.Â
BÀtzing-LichtenthÀler: Bei Lewentz stand immer das «Wir vor dem Ich»
Roger Lewentz kandidierte nach zwölf Jahren als Parteichef nicht mehr. Der 61-JĂ€hrige wurde auf dem Parteitag zum zweiten Ehrenvorsitzenden der Partei nach Kurt Beck ernannt. Bei Lewentz habe immer das «Wir vor dem Ich» gestanden, sagte BĂ€tzing-LichtenhtĂ€ler. Bei ihm habe es auch keinen Unterschied zwischen dem Menschen und dem Politiker gegeben.Â
Die insgesamt rund 450 Delegierten und GĂ€ste verabschiedeten Lewentz und die frĂŒhere MinisterprĂ€sidentin Malu Dreyer mit langem Applaus und Schildern, auf denen «Danke Malu!» oder «Danke Roger!» standen. Dreyer wurde zum Ehrenmitglied der Partei ernannt.Â
Ihr Nachfolger Schweitzer bedankte sich bei Dreyer, dass sie sich auch als kommissarische Bundesparteivorsitzende immer fĂŒr Rheinland-Pfalz entschieden und nicht nach Berlin gegangen sei. In schwierigen Situationen hĂ€tten immer alle auf Malu geschaut und sie habe es immer fĂŒr alle gerichtet, berichtete Schweitzer, der zuletzt Minister unter ihr war. Dabei sei sie sehr herzlich, aber durchaus auch streng und bestimmt gewesen.Â
Dreyer wĂŒnscht sich, dass es mit der SPD im Bund aufwĂ€rts geht
«Ihr habt mich 29 Jahre getragen», sagte Dreyer (63) zu den SPD-Mitgliedern. Roger Lewentz und sie hĂ€tten sich immer aufeinander verlassen können und sie sei sicher, dass es auch mit Schweitzer und BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler so weitergehen werde. «Wir sind eine starke SPD», betonte Dreyer. Sie wĂŒnschte SPD-Bundeschef Lars Klingbeil, der als Gast bei dem Parteitag gesprochen hatte, «dass es mit der SPD im Bund aufwĂ€rts geht». Im Saal waren auch die ehemaligen MinisterprĂ€sidenten Kurt Beck und Rudolf Scharping.
Die neue SPD-Chefin hatte in ihrer Rede vor der Wahl angekĂŒndigt, mehr Mitglieder gewinnen und mehr Frauen fĂŒr die Politik der SPD begeistern zu wollen. Das Engagement fĂŒr die Partei mĂŒsse einfacher werden, sodass auch mitmachen könne, wer morgens Schulbrote schmieren, die Oma anschlieĂend zur Apotheke fahren und abends die Kinder vom FuĂball abholen mĂŒsse. «Wir wollen den Menschen, die bei uns mitmachen wollen, auch zeigen, dass sie von der ersten Minute an mitmachen können.»
BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler: SPD soll ihre Positionen klarer machenÂ
WofĂŒr die SPD stehe, mĂŒsse noch klarer werden, betonte BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler, die auch Fraktionschefin im Landtag ist. «Wir stehen fĂŒr faire Löhne». Das bedeute: Der Facharbeiter mĂŒsse sich mit Frau und Kindern eine ausreichend groĂe Wohnung leisten können.
Bildungsgerechtigkeit: Der Busfahrersohn mĂŒsse die gleichen Bildungschancen haben wie die Professorentochter, «und ein Yussuf, der zu uns kommt, mehr UnterstĂŒtzung braucht als ein Sören, dann bekommt er sie auch». Die Parteikerne mĂŒssten klarer werden: Mindestlohn 15 Euro beispielsweise und WiedereinfĂŒhrung der Vermögenssteuer.Â
BÀtzing-LichtenthÀler: «Wenn die AfD Macht erhÀlt, wird sie die missbrauchen»
BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler betonte, die SPD bleibe «das Bollwerk gegen Faschismus». ThĂŒringen zeige, «wenn die AfD Macht erhĂ€lt, dann wird sie diese Macht missbrauchen. Nie wieder ist jetzt!» Auch in Rheinland-Pfalz sei die AfD mit ihren rechtsextremen Netzwerken gefĂ€hrlich.Â
In Rheinland-Pfalz lebten rund eine Million Zugezogene. «Ihr gehört zu uns, Ihr bleibt bei uns. Ihr seid unsere Nachbarn und Freunde», betonte BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler. «Wer politisch verfolgt wird, wird bei uns Schutz finden.» Aber es könne nicht jeder kommen, der das wolle. Der Weg der SPD von HumanitĂ€t und Ordnung in Rheinland-Pfalz funktioniere jedoch besser als in anderen BundeslĂ€ndern, «weil wir ihn gemeinsam gehen».Â
Klingbeil: Rentenpaket ist Grundpfeiler der Koalition in Berlin
Klingbeil hatte in seinem GruĂwort die Bedeutung des Mindestlohns, der Rentenreform, der IndustriearbeitsplĂ€tze und die Weltoffenheit Deutschlands betont. «Das Rentenpaket ist einer der Grundpfeiler dieser Koalition», sagte Klingbeil mit Blick auf die Bundesregierung. «Wir sind fest davon ĂŒberzeugt, dass Menschen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben, eine auskömmliche Rente brauchen.» Die SPD sei die einzige Partei, die fĂŒr stabile Renten kĂ€mpfe. «Aber das werden wir durchsetzen, da gibt es kein Wackeln.»Â
Mit ihren PlĂ€nen zur langfristigen Stabilisierung der Renten in Deutschland hat die Ampel ihren nĂ€chsten groĂen Konflikt vor sich, da die FDP Korrekturen fordert.Â
Klingbeil lobt Ampel-Regierung in Rheinland-Pfalz
Bei der Ampel in Rheinland-Pfalz laufe vieles einfacher als in Berlin, sagte Klingbeil am Rande des Parteitags seines «Lieblingslandesverbands». «Ich habe ein groĂes Interesse daran, dass es in Berlin besser lĂ€uft». In Rheinland-Pfalz könnten Dinge vertrauensvoll abgesprochen werden, verabredetes werde umgesetzt. Rheinland-Pfalz zeige auch, wie IndustriearbeitsplĂ€tze gerettet werden könnten.Â
Schweitzer wĂŒnscht sich bei der FDP mehr Wissing und weniger Kubicki
Schweitzer sagte: «Ich wĂŒnsche mir, dass in Berlin die Ampel wieder zu KrĂ€ften kommt». Die Koalition im Bund habe noch «so viel vor der Brust». Dabei wĂŒnsche er sich bei der FDP «mehr Volker Wissing und weniger Wolfgang Kubicki».Â
In der Rentenfrage mĂŒsse Kurs gehalten werden, verlangte Schweitzer. «Was besprochen ist, ist besprochen.» Diese VerlĂ€sslichkeit, die die SPD in Rheinland-Pfalz vorlebe, erwarte er auch in der Ampel in Berlin.Â
CDU-GeneralsekretÀr Steiniger gratuliert BÀtzing-LichtenthÀler
Der neue rheinland-pfĂ€lzische GeneralsekretĂ€r Johannes Steiniger gratulierte BĂ€tzing-LichtenthĂ€ler zur Wahl. «Wir freuen uns jetzt auf den demokratischen Wettbewerb um die besseren Konzepte bis zur Landtagswahl 2026.» DrĂ€ngende Themen seien aus seiner Sicht: eine bessere Kinderbetreuung, mehr Lehrerinnen und Lehrer, eine gesicherte medizinische Versorgung im lĂ€ndlichen Raum und PrioritĂ€t fĂŒr die innere Sicherheit.


