Kommunen kritisieren 'Vertrauensbruch' bei Frankfurts FluglÀrm-PlÀnen
06.06.2025 - 19:10:55In einer Stellungnahme der Kommission zur Abwehr des FluglĂ€rms, in der die Anrainerkommunen vertreten sind, ist von einem schweren Vertrauensbruch die Rede. Das Land Hessen solle umgehend prĂŒfen, ob die PlĂ€ne mit dem Planfeststellungsbeschluss vereinbar seien. Diese PrĂŒfung ist nach Auskunft des zustĂ€ndigen Ministeriums vorgesehen.
Der Vorsitzende der FluglÀrmkommission (FLK) und Offenbacher Stadtrat Paul-Gerhard Weià sprach von einem tiefgreifenden Bruch mit den PrÀmissen, auf denen der Ausbau des Flughafens rechtlich und politisch beruhte. Damals sei zugesagt worden, eine Doppelbelastung der am stÀrksten betroffenen Kommunen zu vermeiden. Nun solle diese einseitig aufgegeben werden, ohne die Betroffenen einzubeziehen.
Der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Kaweh Mansoori (SPD) erklĂ€rte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, er habe VerstĂ€ndnis fĂŒr EnttĂ€uschung in den betroffenen Kommunen. Bereits heute gingen mehr AbflĂŒge ĂŒber sie hinweg als ursprĂŒnglich geplant.
Ministerium wird PlĂ€ne prĂŒfen
Das Ministerium werde die PlĂ€ne von Fraport DE0005773303 und DFS sorgfĂ€ltig auf ihre tatsĂ€chlichen LĂ€rmauswirkungen hin untersuchen. Dies gelte auch fĂŒr die KonformitĂ€t mit dem Planfeststellungsbeschluss. Falls erforderlich, sei das Ministerium auch fĂŒr die PrĂŒfung und Umsetzung weiterer MaĂnahmen zustĂ€ndig, um die KonformitĂ€t herzustellen. Es solle ein fairer Ausgleich von Belastungen sichergestellt werden, erklĂ€rte der Minister.
FLK-Vorsitzender WeiĂ mahnte, die GlaubwĂŒrdigkeit der Flughafenpolitik stehe auf dem Spiel: "Wenn Zusagen von damals heute nichts mehr gelten, untergrĂ€bt das nicht nur das Vertrauen in die Institutionen, sondern auch in das gesamte rechtliche Verfahren." An dem Konzept sei hinter verschlossenen TĂŒren gearbeitet worden. Es sei erst auf DrĂ€ngen der stark betroffenen Stadt Hochheim offensichtlich geworden.
Ănderungen bei AbflĂŒgen
Die Betreibergesellschaft Fraport und die Deutsche Flugsicherung (DFS) hatten am Mittwoch mitgeteilt, dass sie ein neues Betriebskonzept fĂŒr den gröĂten deutschen Flughafen erarbeiten. Die Ănderungen betreffen AbflĂŒge bei Flugbetrieb in Betriebsrichtung West, die in Frankfurt an etwa 70 Prozent der Tage geflogen wird. Hintergrund ist eine steigende Zahl von Flugbewegungen, die bis zum Jahr 2033 erwartet wird.
Der Flughafenbetreiber Fraport erklĂ€rte zur Kritik, die Arbeiten an dem Konzept seien noch nicht abgeschlossen. Der aktuelle Stand sei den Anrainerkommunen vorgestellt worden. In den kommenden Monaten wĂŒrden alle beteiligten Organisationen, Ministerien, Aufsichtsbehörden und Gremien weiter eingebunden.
Die DFS betonte, die betroffenen Kommunen seien vergangene Woche vorab informiert worden. "Dabei haben wir ausdrĂŒcklich eine Befassung der FluglĂ€rmkommission Frankfurt angeregt", erklĂ€rte eine Sprecherin. Der Austausch mit den kommunalen Vertretern sowie der Landesregierung werde fortgesetzt.
Kommunen "ĂŒberrumpelt und enttĂ€uscht"
"Wir fĂŒhlen uns ĂŒberrumpelt und getĂ€uscht", wird Manfred Ockel zitiert, stellvertretender FLK-Vorsitzender und BĂŒrgermeister von Kelsterbach. Das Vorgehen sei "völlig inakzeptabel." Kritik kam auch von der Mainzer Umweltdezernentin und stellvertretenden FLK-Vorsitzenden Janina SteinkrĂŒger. Das Vertrauen, zwischen Kommission, Flughafenbetreiber und DFS sei schwer beschĂ€digt, erklĂ€rte sie.

