ZentralratsprÀsident, Sorge

ZentralratsprĂ€sident Ă€ußert Sorge vor Uni-Protesten

05.05.2024 - 15:36:05

An vielen US-UniversitĂ€ten Ă€ußern sich propalĂ€stinensische Proteste mitunter gewalttĂ€tig. Auch vor der Humboldt-Uni in Berlin wurde demonstriert. Der PrĂ€sident des Zentralrats der Juden warnt.

Nach einem propalĂ€stinensischen und anti-israelischen Protest an der Humboldt-UniversitĂ€t in Berlin hat der PrĂ€sident des Zentralrats der Juden vor ZustĂ€nden wie an US-Hochschulen gewarnt. «Meine grĂ¶ĂŸte Sorge ist, dass die VerhĂ€ltnisse, die wir den USA sehen, sich auch in Deutschland zeigen werden, da viele Gruppen international vernetzt sind», sagte Josef Schuster laut Mitteilung. «Erste Anzeichen dafĂŒr konnten wir bereits an der HU Berlin sehen.» Am Freitag hatten rund 150 Menschen in der NĂ€he der UniversitĂ€t demonstriert.

JĂŒdische Studierende fĂŒhlen sich nicht sicher

JĂŒdische Studentinnen und Studenten seien seit vielen Monaten in hohem Maße von Antisemitismus betroffen, was ein «extremes UnsicherheitsgefĂŒhl» unter ihnen hervorgerufen habe. «Wir sind mit der Politik und der Hochschulrektorenkonferenz in einem engen Austausch, um strukturelle Änderungen an den UniversitĂ€ten voranzutreiben, die ein wirksamer Schutz gegen Hass und Hetze gegen Juden und gegen Israel auf dem Campus sein können.» 

Hier sei Bildung der SchlĂŒssel: «Aktuell mangelt es hĂ€ufig am Erkennen und am Umgang von und mit antisemitischen Umtrieben unter Studenten und Lehrenden sowie meist auch an den richtigen Instrumenten, um gegen die Treiber dieser Entwicklung vorzugehen.» So sei bereits eine Grenze ĂŒberschritten, wenn die Vernichtung des Staates Israel gefordert werde. Schuster forderte ein NachschĂ€rfen des Strafrechts. 

Anfang Februar war der jĂŒdische Student Lahav Shapira in Berlin bei einer mutmaßlich antisemitischen Attacke zusammengeschlagen worden, er kam mit KnochenbrĂŒchen ins Krankenhaus. 

PropalÀstinensische Demo an der Humboldt-UniversitÀt

Bei dem Protest am Freitag hat die Polizei 37 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es gehe unter anderem um mögliche FÀlle von Volksverhetzung sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, wie die Polizei am Samstag mitteilte. WÀhrend des Einsatzes seien 38 Menschen - davon 24 Frauen und 14 MÀnner - in ihrer Freiheit beschrÀnkt worden. Von Verletzten war am Samstag nichts bekannt.

Rund 150 Menschen waren laut Polizei zu der nicht angemeldeten Kundgebung zusammengekommen - es demonstrierten zwei Gruppen. Die Protestierenden forderten einen Hörsaal als Kundgebungsort, dem die UniversitĂ€tsleitung nicht stattgab. Zwischenzeitlich wurde die Versammlung angemeldet, was dann aber wieder zurĂŒckgezogen wurde. Die Polizei untersagte antisemitische Ausrufe. Die Protestierenden riefen laut Polizei mehrfach die antisemitische Parole «From the river to the sea, palestine will be free», die als Aufruf zur Zerstörung Israels, Vertreibung und Auslöschung der jĂŒdischen Bevölkerung verstanden werden kann.  

Humboldt-Uni will multiperspektivischen Dialog

Der Deutschen Presse-Agentur sagte die PrĂ€sidentin der HU, Julia von Blumenthal, dass sie den Protestierenden deutlich gemacht habe, dass die UniversitĂ€t ein Ort kontroverser Diskussionen sei, die auf Basis der Grundwerte gefĂŒhrt wĂŒrden. «Dazu gehört kein Platz fĂŒr Antisemitismus, kein Platz fĂŒr Rassismus und kein Platz fĂŒr irgendeine andere Form der Diskriminierung.» Es habe die Forderung im Raum gestanden, die Kontakte zu Israel abzubrechen, «etwas, was fĂŒr mich vollkommen ausgeschlossen ist». 

Sie habe angeboten, bei einer Veranstaltung in den kommenden Wochen zum Thema zu diskutieren. Es habe aber eine Kerngruppe gegeben, die sich entschieden habe, laut zu brĂŒllen. Ihr Angebot stehe weiterhin fĂŒr Studierende der Humboldt-UniversitĂ€t. 

Bei einer Diskussion wĂ€re ihr ein breites Spektrum an Position wichtig, sagte von Blumenthal. «Es gibt unterschiedliche jĂŒdische Stimmen, es gibt unterschiedliche palĂ€stinensische Stimmen, es gibt auch wissenschaftliche Positionen.» Teilweise gehe es vor Ort aber auch um Forderungen, die nicht die UniversitĂ€t betrĂ€fen, wie die nach Anerkennung des Staates PalĂ€stina und nach einem sofortigen Waffenstillstand im Gazastreifen. 

Teils gewaltvolle Ausschreitungen an US-UniversitÀten

In den USA demonstrieren derzeit Gruppen an zahlreichen UniversitĂ€ten fĂŒr SolidaritĂ€t mit PalĂ€stinensern, aber auch fĂŒr eine Kappung von Verbindungen zu Israel. Kritiker werfen insbesondere dem radikalen Teil der Protestbewegung Antisemitismus und die Verharmlosung der islamistischen Terrororganisation Hamas vor, die Israel das Existenzrecht abspricht und am 7. Oktober Massaker in Israel verĂŒbte. 

@ dpa.de