Ines Schwerdtner, Berliner Linke

Antisemitismus: Schwerdtner verteidigt eigene Regeln der Linken

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 15:40 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Linken-Chefin Ines Schwerdtner verteidigt die Berliner ErklĂ€rung zum Umgang mit Antisemitismus und verweist auf politische MaßstĂ€be bei anderen Parteien. Im Mittelpunkt steht der Umgang mit der Abgeordneten Vanessa Emde und den ausgesetzten Berliner Sondierungen.

Berliner Linke setzt eigene MaßstĂ€be

  • Ines Schwerdtner verteidigt eigene Regeln der Berliner Linken im Umgang mit Antisemitismus.
  • Sie verwies im Focus-Podcast auf das Ermittlungsverfahren gegen SPD-Landeschef Steffen Krach.
  • Die Debatte betrifft die von Vanessa Emde unterzeichnete ErklĂ€rung der Linksfraktion.
Ines Schwerdtner (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Schwerdtner verteidigt Berliner ErklÀrung

Die Parteivorsitzende der Linken, Ines Schwerdtner, hĂ€lt es fĂŒr legitim, dass die Berliner Linke eigene Regeln fĂŒr ihre Politiker im Umgang mit Antisemitismus aufstellt. Sie verwies dabei auf das Ermittlungsverfahren gegen den Berliner SPD-Landeschef Steffen Krach.

Vergleich mit anderen Parteien

„Ich will jetzt gar nicht so eingeschnappt wirken, aber andersherum wĂŒrden wir das jetzt niemals von den GrĂŒnen oder der SPD verlangen“, sagte Schwerdtner dem Podcast „Machtmenschen“ des „Focus“. Krach steht nach Angaben der Meldung wegen eines Korruptionsverdachts im Fokus strafrechtlicher Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover.

„Steffen Krach hat gerade ein Verfahren anhĂ€ngig. Die Staatsanwaltschaft war bei ihm. Da könnten wir jetzt auch sagen: Bis das nicht geklĂ€rt ist, darf der Mann nicht mehr mitverhandeln.“

Streit um unterschiedliche ErklÀrungen

Schwerdtner reagierte auf die Frage, warum die Berliner Linksfraktion und Vanessa Emde eine Ă€hnliche, aber andere Antisemitismus-ErklĂ€rung unterschreiben mussten als jene, die zuvor mit GrĂŒnen und SPD ausgearbeitet worden war. „Das Papier davor ist ein Kompromisspapier und wir können doch fĂŒr uns eigene Regeln machen“, sagte sie.

Die Parteivorsitzende erklĂ€rte, sie halte es fĂŒr falsch, den politischen Konflikt an einzelnen Personen auszutragen. Stattdessen mĂŒsse darĂŒber gesprochen werden, wie jĂŒdisches Leben in Berlin jenseits von Bekenntnissen geschĂŒtzt werden könne.

Emde im Zentrum der Debatte

Die Auseinandersetzung ĂŒber die neu gewĂ€hlte Berliner Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hatte wĂ€hrend der Sondierungen fĂŒr Kritik von SPD und GrĂŒnen gesorgt. Medienberichten zufolge soll Emde im Mai 2026 gesagt haben, es gebe kein Existenzrecht fĂŒr Staaten, sondern nur fĂŒr Menschen.

Die Berliner Linksfraktion hatte bei ihrer konstituierenden Sitzung eine eigene ErklÀrung zum Umgang mit Antisemitismus beschlossen. Alle 44 anwesenden Abgeordneten unterzeichneten das Papier, darunter auch Emde.

Die Aussage von Ines Schwerdtner fĂ€llt in eine bereits zugespitzte Debatte ĂŒber den Umgang der Berliner Linken mit Antisemitismus. Im Zentrum steht die Frage, ob ein gemeinsam mit SPD und GrĂŒnen vereinbartes Verfahren fĂŒr alle Beteiligten verbindlich sein muss oder ob die Linksfraktion daneben eigene MaßstĂ€be festlegen darf.

Die Berliner Linksfraktion hat sich bei ihrer konstituierenden Sitzung zum Kampf gegen Antisemitismus, zum Schutz jĂŒdischen Lebens und zum Existenzrecht Israels bekannt. Alle 44 anwesenden Abgeordneten unterzeichneten die ErklĂ€rung, darunter Vanessa Emde. SPD und GrĂŒne unterbrachen anschließend ihre Sondierungen, weil sie die Abweichungen von der zuvor vereinbarten ErklĂ€rung prĂŒfen wollten.

Politische Folgen fĂŒr Berlin

Damit verbindet sich die Personalfrage um Emde mit einer institutionellen Frage: Die Partner einer möglichen Regierungsbildung mĂŒssen klĂ€ren, ob unterschiedliche Formulierungen bei einem gemeinsamen Grundsatzthema politisch tragfĂ€hig sind. Schwerdtners Verweis auf das Ermittlungsverfahren gegen Steffen Krach verschiebt die Debatte zugleich auf den allgemeinen Umgang mit VorwĂŒrfen gegen Politiker.

FĂŒr die Berliner Linke steht deshalb nicht nur die Aufnahme Emdes in die Fraktion im Mittelpunkt. Entscheidend ist auch, ob die Partei den Schutz jĂŒdischen Lebens in einer Weise organisatorisch absichert, die von ihren möglichen Partnern als verbindlich und praktisch anwendbar akzeptiert wird. Die ausgesetzten Sondierungen erhöhen den politischen Druck auf eine gemeinsame VerstĂ€ndigung.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

RBB24: „Berliner Linke nimmt umstrittene Neuköllner Abgeordnete ...“ (14.10.2026)

Der Beitrag bestĂ€tigt die Aufnahme Vanessa Emdes in die Linksfraktion und die Unterzeichnung einer ErklĂ€rung zum Existenzrecht Israels durch alle anwesenden Abgeordneten. Er legt den Schwerpunkt auf die daraufhin unterbrochenen Sondierungen zwischen GrĂŒnen, SPD und Linken.

Deutschlandfunk: „Antisemitismus-Streit - GrĂŒne und SPD in Berlin unterbrechen Sondierungen“ (13.10.2026)

Der Deutschlandfunk stellt den Unterschied zwischen der gemeinsamen Vereinbarung und dem spÀter vorgelegten Text der Linksfraktion heraus. Offen bleibt in seiner Darstellung, wie die ErklÀrung politisch bewertet wird und ob die Sondierungen fortgesetzt werden.

Beide BeitrĂ€ge stimmen darin ĂŒberein, dass die Fraktion eine eigene ErklĂ€rung beschlossen hat und Emde ihr angehört. Unterschiede zeigen sich beim Schwerpunkt: RBB24 betont die Personalentscheidung, wĂ€hrend der Deutschlandfunk stĂ€rker auf die abweichenden Vereinbarungen fokussiert.

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