Streikwelle, Flugverkehr

Streikwelle bremst Flugverkehr aus

13.03.2024 - 15:49:10

Auch die nĂ€chsten Tage werden fĂŒr Zehntausende Flugreisende beschwerlich. Die Gewerkschaft Verdi hat das Sicherheitspersonal zum Ausstand aufgerufen.

Zehntausende Passagiere mĂŒssen sich in den kommenden Tagen erneut auf Flugstreichungen und VerspĂ€tungen einstellen. Die Gewerkschaft Verdi hat fĂŒr diesen Donnerstag (14.3.) zu Warnstreiks des Luftsicherheitspersonals an fĂŒnf deutschen FlughĂ€fen aufgerufen. Nach SchĂ€tzungen des Flughafenverbandes ADV sind allein davon etwa 90.000 Reisende betroffen, mehr als 580 Flugverbindungen dĂŒrften abgesagt werden.

Nachwehen könnte zudem der zweitĂ€gige Streik des Lufthansa-Kabinenpersonals in Frankfurt und MĂŒnchen haben. Nach Ende dieses Streiks mĂŒssen Passagiere nach EinschĂ€tzung der Lufthansa vereinzelt noch mit VerspĂ€tungen und FlugausfĂ€llen rechnen.

Auch am Freitag EinschrĂ€nkungen fĂŒr FluggĂ€ste

Auch an diesem Freitag (15.3.) können FluggĂ€ste in Deutschland nicht ĂŒberall damit rechnen, wie geplant ans Ziel zu kommen: Verdi hat fĂŒr Freitag zu weiteren Warnstreiks des Luftsicherheitspersonals aufgerufen. Dann soll es nach Angaben von Verdi nach und nach die FlughĂ€fen Hannover, Dortmund, Weeze, Dresden, Leipzig sowie Karlsruhe/Baden-Baden, treffen. Der Flughafen Hannover teilte mit: «Aus diesem Grund werden am Freitag, dem 15. MĂ€rz 2024 in der Zeit von 00:00 Uhr bis 12:00 Uhr keine AbflĂŒge möglich sein. AnkĂŒnfte sind nicht betroffen.»

Der ganztĂ€gige Ausstand der LuftsicherheitskrĂ€fte am Donnerstag betrifft nach Verdi-Angaben im Laufe der Nacht schrittweise die FlughĂ€fen Hamburg, Stuttgart, Karlsruhe/Baden-Baden, Köln und Berlin. Passagiere können dann nicht mehr in den Sicherheitsbereich kommen. Deutschlands grĂ¶ĂŸter Flughafen in Frankfurt ist von den Warnstreiks des Luftsicherheitspersonals am Donnerstag und Freitag nicht betroffen.

Am Flughafen MĂŒnchen hat Verdi die BeschĂ€ftigten in der Personal- und Warenkontrolle sowie der Frachtkontrolle ab Donnerstag um 4:00 Uhr bis Freitag um 6:00 Uhr zum Ausstand aufgerufen. Das trifft vor allem den Bereich Fracht.

Bei den Tarifverhandlungen der Luftsicherheit geht es um die Arbeitsbedingungen von etwa 25.000 BeschĂ€ftigten privater Sicherheitsdienstleister. Sie kontrollieren im Auftrag der Bundespolizei Passagiere, Personal und GepĂ€ck an den ZugĂ€ngen zum Sicherheitsbereich. Bei dem Konflikt sind bislang fĂŒnf Verhandlungsrunden ohne Ergebnis geblieben. Verdi fordert bei einer Laufzeit von zwölf Monaten eine Stundenlohnerhöhung um 2,80 Euro mit schneller einsetzenden MehrarbeitszuschlĂ€gen ab der ersten Überstunde. «Die Arbeitgeber hatten zuletzt zwar ein verbessertes, aber weiter unzureichendes Angebot vorgelegt. So kommen wir nicht zueinander», sagte Verdi-VerhandlungsfĂŒhrer Wolfgang Pieper.

Die Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) haben nach eigenen Angaben 2,70 Euro in drei Stufen angeboten. «Wir reden von 2,70 Euro mehr pro Stunde binnen 13 Monaten. Das wĂ€ren individuelle Steigerungen der Monatslöhne zwischen 432 EUR und 470 EUR gewesen», sagte BDLS-VerhandlungsfĂŒhrer Frank Haindl am Mittwoch. Der Tarifvertrag soll eine Laufzeit von 24 Monaten haben. Eine sechste Verhandlung ist fĂŒr den 20. MĂ€rz verabredet.

VerbÀnde: Streikwelle hat neue Dimension erreicht

Die deutsche Luftverkehrswirtschaft sieht eine neue Dimension erreicht. Mit aktuell 16 Streikwellen in sechs Tarifbereichen, ĂŒbersteige das diesjĂ€hrige Streikaufkommen schon jetzt das Niveau der vergangenen Jahre, kritisierte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Nötig seien Verfahrensregeln, sagte HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Matthias von Randow. Bevor es wegen AusstĂ€nden zu einem Stillstand des Verkehrs komme, sollte nach DafĂŒrhalten des Verbandes kĂŒnftig im Bereich der kritischen Verkehrsinfrastruktur zumindest der Versuch einer Schlichtung erfolgen.

ADV-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Ralph Beisel forderte: «FlughĂ€fen gehören zur kritischen Infrastruktur und mĂŒssen vor Streikeskalationen geschĂŒtzt werden.»

Lufthansa zwischen Streiks und Tarifverhandlungen

Besonders hart trifft es aktuell die Lufthansa. Am Dienstag und Mittwoch streikte das Kabinenpersonal der Fluggesellschaft. Die Gewerkschaft Ufo hatte Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter der Lufthansa und der Lufthansa Cityline am Frankfurter Airport und einen Tag spĂ€ter am Flughafen MĂŒnchen zum Ausstand aufgerufen, jeweils in der Zeit von 4.00 Uhr bis 23.00 Uhr. Ufo fordert fĂŒr die etwa 18 000 KabinenbeschĂ€ftigten der Lufthansa und die knapp 1000 KrĂ€fte der Regionaltochter Cityline im Kern 15 Prozent mehr Geld bei 18 Monaten Vertragslaufzeit. Zudem will die Gewerkschaft eine InflationsausgleichsprĂ€mie von 3000 Euro sowie höhere Zulagen erreichen.

Noch ungelöst ist der Tarifkonflikt beim Lufthansa-Bodenpersonal. In der vergangenen Woche waren wegen eines von Verdi organisierten Warnstreiks in diesem Bereich Hunderte Lufthansa-FlĂŒge ausgefallen. Die Tarifverhandlungen fĂŒr die etwa 25 000 BeschĂ€ftigten am Boden gingen am Mittwoch in die nĂ€chste Runde, beide Seiten haben sich diesen Donnerstag (14.3.) fĂŒr eine Fortsetzung der GesprĂ€che geblockt.

Verdi verlangt fĂŒr das Lufthansa-Bodenpersonal bei einer Laufzeit von zwölf Monaten 12,5 Prozent mehr Geld, wĂ€hrend das Unternehmen bei einer Laufzeit von 28 Monaten bislang 10 Prozent angeboten hat. Vergleichsweise unstrittig ist nach vier Verhandlungsrunden eine InflationsausgleichsprĂ€mie von 3000 Euro.

Auch bei der Lufthansa-Tochter Discover mit 24 Flugzeugen gab es zuletzt immer wieder AusstĂ€nde. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will damit dort einen ersten Tarifvertrag fĂŒr die etwa 420 Piloten erzwingen.

Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann hatte an die Gewerkschaften appelliert: «Das Ergebnis des letzten Jahres zeigt es doch: Wenn wir gemeinsam zusammenarbeiten, wenn wir fliegen, dann können wir diese Rekordgewinne auch erwirtschaften.» Streiken sei «der falsche Weg, streiken verbrennt Geld».

@ dpa.de