Betrugsprozess: Freispruch fĂŒr Blatter und Platini
25.03.2025 - 12:49:28Joseph Blatter lachte befreit und schmiedete ReiseplĂ€ne, Michel Platini schaltete dagegen in den Angriffsmodus. Nach ihrem erneuten Freispruch im Betrugsprozess um eine Millionenzahlung aus der FIFA-Kasse gaben sich die einst mĂ€chtigsten MĂ€nner des WeltfuĂballs ganz unterschiedlich.
«Ich kann aufatmen», sagte der frĂŒhere FIFA-PrĂ€sident Blatter. «Ich habe ja noch ein paar Jahre zu leben, jetzt wird es ruhiger.» Der 89-JĂ€hrige habe Lust, im kommenden Jahr zur MĂ€nner-WM in den USA, Kanada und Mexiko zu reisen, wie er sagte - aber nur, wenn er eingeladen werde.
EntschĂ€digung fĂŒr Blatter und Platini
Sein einstiger Zögling, der frĂŒhere Chef des europĂ€ischen Verbands UEFA, zeigte nach der Verhandlung vor dem Berufungsgericht in Muttenz bei Basel eine ganz andere Reaktion. «Heute ist meine Ehre wieder hergestellt worden», sagte Platini - und schloss rechtliche Schritte gegen die FIFA nicht aus.
Dem Duo war Betrug und Veruntreuung vorgeworfen worden. Es geht um eine Zahlung von zwei Millionen Franken (heute 2,1 Millionen Euro), die Blatter fĂŒr Platini aus der FIFA-Kasse genehmigt hatte. Die beiden Ex-FunktionĂ€re waren schon 2022 in erster Instanz freigesprochen worden. Das neue Urteil ist noch nicht rechtskrĂ€ftig. Die Staatsanwaltschaft könnte erneut Berufung einlegen.Â
Der Richter sprach sowohl Blatter als auch Platini eine EntschĂ€digung von je mehr als 100.000 Franken zu. Die von einem Konto Platinis eingezogenen Vermögenswerte mĂŒssten herausgegeben werden.
Aufatmen bei Blatter
Blatter nahm das Urteil mit stoischem Gesicht auf und zeigte erst am Ende im Gerichtssaal GefĂŒhlsregungen: Nachdem der Richter die Verhandlung beendet und allseits einen schönen Tag gewĂŒnscht hatte, lachte er - und seine Tochter Corinne schloss ihn mit TrĂ€nen in den Augen in die Arme.
Platini schloss dagegen eine Klage gegen die FIFA nicht aus. Sie hatte den heute 69-JĂ€hrigen nach Beginn der Ermittlungen 2015 suspendiert und damit seine Kandidatur fĂŒr den Chefposten verhindert. Er werde sich Zeit lassen, um darĂŒber zu entscheiden, sagte der einstige Weltklasse-FuĂballer und französische Nationaltrainer. Statt Platini wurde Gianni Infantino FIFA-PrĂ€sident und ist es bis heute.Â
MĂŒndlicher Vertrag plausibel
Laut Blatter und Platini hatten die beiden einen mĂŒndlichen Vertrag ĂŒber die Bezahlung von Honorardiensten. Bei der Zahlung habe es sich um die legitime Nachzahlung gehandelt, auch wenn die Beraterdienste schon zehn Jahre zurĂŒcklagen.Â
«Das mag unvorsichtig oder riskant gewesen sein, rechtlich kann jedoch ein Vertrag auf die behauptete Weise geschlossen und abgewickelt werden», sagte Richter Roland Hofmann. Die Argumente der Staatsanwaltschaft, der vermeintliche Vertrag sei nur vorgeschoben gewesen, um Platini zwei Millionen Franken zuzuschanzen, lieĂ er nicht gelten. «Im Ergebnis sind die FreisprĂŒche der Vorinstanz nach der Regel in dubio pro reo zu bestĂ€tigen» - im Zweifel fĂŒr den Angeklagten.Â
Brisanter Zeitungsartikel
Staatsanwalt Thomas Hildbrand hatte in der Berufungsverhandlung einen Artikel der französischen Zeitung «Le Monde» als Beweis angefĂŒhrt und vergeblich verlangt, dass der Artikelschreiber als Zeuge verhört wird.Â
Der Journalist hatte, gestĂŒtzt auf namentlich genannte und anonyme Quellen, aus dem FIFA-Umfeld im MĂ€rz berichtet, Blatter habe sich Platini 2011 als Konkurrent bei der Bewerbung um eine weitere Amtszeit an der FIFA-Spitze vom Hals halten wollen. Platini habe Geld fĂŒr seinen Verzicht auf eine Gegenkandidatur verlangt. Das Gericht hatte das Anhören des Journalisten als Zeugen abgelehnt.


