Mehr neue Wohnungen genehmigt - Trendwende oder Strohfeuer?
16.05.2025 - 11:57:1355.400 neue Einheiten vom Einfamilienhaus bis zur Geschosswohnung bedeuten ein jahresbezogenes Wachstum um 3,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt berichtet.
Erste Ăkonomen sehen eine Trendwende nach jahrelang sinkenden Genehmigungszahlen. So sagt der wissenschaftliche Direktor des gewerkschaftlichen Instituts fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien: "Mit dem gemeldeten Plus bei den Baugenehmigungen im MĂ€rz dĂŒrfte die Talsohle beim Wohnungsbau durchschritten sein." Er rechne zwar zunĂ€chst noch mit einer BautĂ€tigkeit auf niedrigem Niveau, der Trend zeige aber nach oben. Gestiegene Kaufkraft und gesunkene Zinsen dĂŒrften den Wohnungsbau stĂŒtzen.
Baukredite etwas gĂŒnstiger
TatsĂ€chlich sind Baukredite in den letzten Wochen wieder etwas gĂŒnstiger geworden, wie der Kreditvermittler Dr. Klein berichtet. Nach einem Höchststand von 3,4 Prozent im MĂ€rz sind die Sollzinsen fĂŒr ein Modelldarlehen mit 10 Jahren Laufzeit aktuell auf 3,19 Prozent zurĂŒckgegangen. Bauen wird also auf der Finanzierungsseite wieder etwas billiger. Das andere Problem sind die stetig gestiegenen Baukosten.
Die groĂe Mehrheit von 46.100 genehmigten Wohnungen aus dem ersten Quartal soll dem Statistikamt zufolge in neuen GebĂ€uden entstehen. Besonders stark wuchs die Zahl der genehmigten EinfamilienhĂ€user: um 15,3 Prozent auf 10.600 Einheiten.
Auch mit dem etwas stĂ€rkeren Anstieg zum Quartalsende - im MĂ€rz legten die Genehmigungen um 5,8 Prozent zu - sieht der Zentralverband Deutsches Baugewerbe nur Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Statt 55.400 Genehmigungen brauche es ein Niveau von 90.000 Einheiten wie in den Startquartalen 2021 oder 2022, um den langfristigen Bedarf zu decken, sagt HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Felix Pakleppa. "GegenwĂ€rtig zehren wir weiter von den AuftragsbestĂ€nden."
Tiefstand seit dem Jahr 2010
Im vergangenen Jahr war die Genehmigungszahl in Deutschland um knapp 17 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 2010 gefallen. Die Behörden hatten gerade noch 215.900 neue Einheiten genehmigt. Allerdings gibt es auch noch einen Berg von rund 800.000 genehmigten und bislang nicht realisierten Wohnungen, den sogenannten BauĂŒberhang. Ein nicht unbetrĂ€chtlicher Teil könne zu den gegenwĂ€rtigen Bedingungen nicht finanziert werden, mutmaĂt die Branche und fordert einen genauen Check der Statistik, deren neueste Zahlen am Freitag kommender Woche veröffentlicht werden sollen.
RĂŒckenwind fĂŒr Bauministerin
Mehr neue Wohnungen sind auch das erklĂ€rte Ziel der neuen Bundesregierung. Die neue Bundesbauministerin Verena Hubertz hat mit den Genehmigungszahlen schon vor ihrem Amtsantritt etwas RĂŒckenwind erhalten. Die SPD-Politikerin hat fĂŒr die ersten 100 Tage ihrer Amtszeit angekĂŒndigt, einen "Wohnungsbau-Turbo" anzuwerfen.
Unter dem Motto "Tempo, Technologie und Toleranz" will Hubertz Genehmigungsverfahren beschleunigen, moderne Bauweisen voranbringen und die Ausweisung von mehr Bauland ermöglichen. Tim-Oliver MĂŒller vom Hauptverband der Bauindustrie vernimmt das gerne: Bislang hĂ€tten die Behörden beim Bauen zu genaue Vorgaben gemacht, was nicht zu gröĂtmöglicher ProduktivitĂ€t gefĂŒhrt habe. Die Industrie sei bereit, kostengĂŒnstige Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.

