Bärbel Bas gibt Ämter ab – Schweitzer soll Minister werden
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 15:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSchweitzer soll Arbeitsressort übernehmen
- Alexander Schweitzer soll auf Wunsch von Friedrich Merz neuer Bundesminister fĂĽr Arbeit und Soziales werden.
- Bas will ihr Bundestagsmandat fĂĽr Duisburg behalten und kĂĽndigt an, ausreichend Zeit fĂĽr ihre Trauer zu nehmen.
- Lars Klingbeil kĂĽndigt fĂĽr Dezember oder Januar einen Parteitag zur Neuwahl der gesamten SPD-FĂĽhrung an.
Bärbel Bas gibt ihre Ämter als Bundesarbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende mit sofortiger Wirkung ab.
Persönlicher Verlust und politische Angriffe
Die 58-Jährige begründet ihren Schritt mit dem Tod ihrer Stieftochter und mit öffentlichen Angriffen, die nach ihrer Darstellung auch aus Reihen des Koalitionspartners CDU gekommen seien.
Bas erklärt, sie könne momentan nicht die Kraft aufbringen, ihre Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben. In ihrer Rücktrittserklärung kündigt sie zugleich an, ihr Mandat im Bundestag weiter wahrzunehmen.
SPD plant neue Doppelspitze
SPD-Co-Chef Lars Klingbeil bedauert den Rücktritt und kündigt einen Parteitag im Dezember oder Januar an. Dort solle die gesamte Parteiführung neu gewählt werden.
Klingbeil lässt offen, ob er erneut für den Parteivorsitz kandidiert. Am Prinzip einer Doppelspitze will er nach eigenen Angaben festhalten.
Merz schlägt Schweitzer vor
Bundeskanzler Friedrich Merz will den früheren rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer als neuen Arbeits- und Sozialminister vorschlagen. Schweitzer gilt als pragmatischer Sozialdemokrat.
Merz dankt Bas und erklärt, er habe mit ihr in Sachfragen gestritten, aber nie persönlich. Die Bundesregierung müsse ihre Arbeit fortsetzen; offene Vorhaben aus dem Arbeitsministerium sollten nun schnell ins Kabinett gelangen.
Streit ĂĽber Reformtempo
Unionspolitiker hatten Bas zuletzt vorgeworfen, Reformen bei Rente und Arbeitsmarkt zu verzögern. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten hatte ihre Eignung für das Ministeramt infrage gestellt.
SPD-Politiker kritisieren dagegen den Umgang mit Bas. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bezeichnet die Angriffe als unmenschlich und rücksichtslos; Klingbeil nennt sie unanständig.
Rentenreform bleibt offen
Schweitzer lehnt wie Bas eine abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren nicht grundsätzlich ab. Damit ist offen, ob sein Amtsantritt die Verhandlungen über das geplante Reformpaket erleichtert.
Merz betont, die Geschäftsgrundlage des Koalitionsvertrags und die Vereinbarung zur Rentenreform würden durch Bas’ Rücktritt nicht infrage gestellt. Der Zeitplan für die parlamentarische Zustimmung reicht nach seinen Angaben inzwischen bis zum Frühjahr.
Ein Einschnitt fĂĽr die Koalition
Bärbel Bas’ Rückzug trifft die schwarz-rote Bundesregierung in einer Phase, in der zentrale Vorhaben des Arbeitsministeriums auf politische Entscheidungen warten. Dazu zählen insbesondere Reformen bei der Rente und am Arbeitsmarkt. Der Wechsel an der Ressortspitze verändert deshalb nicht nur die persönliche Besetzung, sondern kann auch die Abstimmung zwischen SPD und CDU beeinflussen.
Mit Alexander Schweitzer soll ein erfahrener Sozialdemokrat aus Rheinland-Pfalz das Ministerium ĂĽbernehmen. Er gilt als pragmatisch, hat sich aber ebenfalls gegen eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren gestellt. Damit ist trotz des Personalwechsels nicht automatisch ein Kurswechsel bei der Rentenpolitik zu erwarten.
SPD muss Führung und Kurs klären
Für die SPD kommt zur Regierungsbelastung eine parteipolitische Neuordnung hinzu. Der angekündigte Parteitag im Dezember oder Januar soll die Doppelspitze neu bestimmen und zugleich programmatische Klarheit schaffen. Offen bleibt, ob Lars Klingbeil erneut kandidiert und welche Richtung die Partei künftig in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik einschlägt.
Die Auseinandersetzung über den Umgang mit Bas verschärft zudem einen bereits bestehenden Konflikt in der Koalition. Unionspolitiker hatten ihr vorgeworfen, Reformen zu verzögern, während SPD-Vertreter den Ton als rücksichtslos kritisierten. Für die Bundesregierung wird entscheidend sein, ob der Personalwechsel die Sacharbeit beschleunigt oder die Debatte über Vertrauen und politischen Stil weiter in den Vordergrund rückt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Bärbel Bas tritt als Arbeitsministerin und SPD-Vorsitzende zurück“ (12.10.2026)
Der Bericht bestätige den sofortigen Rücktritt aus persönlichen Gründen und wegen öffentlicher Angriffe. Er hebe zudem hervor, dass Alexander Schweitzer das Arbeitsministerium übernehmen solle und Bas ihr Bundestagsmandat behalten wolle.
WDR: „Arbeitsministerin und SPD-Chefin Bas tritt zurück“ (12.10.2026)
Der WDR stelle neben dem Trauerfall den Umgang des Koalitionspartners mit Bas’ Arbeit heraus und berichte über Kritik an ihrem Rücktritt. Anders als die tagesschau konzentriere sich der Beitrag stärker auf die politischen Reaktionen und die mögliche Nachfolge.
Beide Berichte bestätigten den Rückzug aus beiden Ämtern und die geplante Nachfolge durch Schweitzer. Offen bleibe vor allem, wie die SPD ihre Führung neu aufstelle und welche Folgen der Wechsel für die Koalitionsreformen habe.
