Bafög-Reform, Höchstsatz

Bafög-Reform: Höchstsatz steigt von 934 auf 992 Euro

13.06.2024 - 10:54:54

Bafög-EmpfÀnger bekommen bald mehr Geld und StudienanfÀnger aus Àrmeren Haushalten eine zusÀtzliche Starthilfe. Kritiker bemÀngeln, die Erhöhung sei zu niedrig.

BedĂŒrftige SchĂŒler und Studenten bekommen ab dem neuen Schuljahr und dem kommenden Wintersemester mehr Bafög. Der Bundestag hat mit den Stimmen von SPD, GrĂŒnen und FDP eine entsprechende Reform der Ampel-Koalition verabschiedet. Union, Linke und BĂŒndnis Sahra Wagenknecht stimmten dagegen, die AfD enthielt sich. StudienanfĂ€nger aus Ă€rmeren Haushalten sollen der Reform zufolge kĂŒnftig zudem mit einer sogenannten Studienstarthilfe in Höhe von 1000 Euro unterstĂŒtzt werden.

Die Ampel-Koalition hatte nach viel Kritik von SozialverbĂ€nden und Studierendenvertretern ihre Bafög-Reform noch einmal geĂ€ndert und eine Erhöhung der SĂ€tze ergĂ€nzt, die im Gesetzentwurf von Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) zunĂ€chst nicht vorgesehen waren. Die aktuelle Erhöhung wird von Kritikern mit Blick auf hohe Mieten fĂŒr WG-Zimmer und gestiegene Lebenshaltungskosten dennoch als zu niedrig kritisiert. Die PlĂ€ne im Einzelnen:

Mehr Geld fĂŒrs Wohnen

Der sogenannte Grundbedarf fĂŒr Studierende soll zum Wintersemester von 452 auf 475 steigen, die Wohnpauschale fĂŒr diejenigen, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, von 360 auf 380 Euro. Zusammengerechnet gibt es also eine Anhebung von 812 auf 855 Euro. Ältere Studierende, die ihre Krankenversicherung selbst zahlen mĂŒssen, weil sie nicht mehr ĂŒber die Eltern mitversichert sind, können außerdem aktuell einen Zuschlag von 122 Euro bekommen, der Höchstsatz liegt damit heute bei 934 Euro. Dieser Zuschlag soll ebenfalls steigen, sodass der Höchstsatz kĂŒnftig bei 992 Euro liegt.

Mit der Reform werden auch die Bafög-SĂ€tze fĂŒr SchĂŒler angehoben. FĂŒr sie soll die Erhöhung bereits ab 1. August zum Beginn des neuen Schuljahres greifen. Nach dem Bundestag muss sich der Bundesrat noch mit der Bafög-Reform befassen, das Vorhaben braucht aber nicht die Zustimmung der LĂ€nderkammer. Das Bafög war zuletzt zum Wintersemester 2022/23 um 5,75 Prozent erhöht worden.

Höhere FreibetrÀge

Da Vermögen, eigenes Einkommen, Einkommen der Eltern und möglicher Ehepartner angerechnet werden, ist die eigentliche Bafög-Höhe immer individuell. Hier setzt der nĂ€chste Punkt der Reform an: Eine Anhebung der FreibetrĂ€ge, die bei der Anrechnung gelten. Sie sollen um 5,25 Prozent steigen, um den Kreis der Bafög-EmpfĂ€nger zu vergrĂ¶ĂŸern. Höhere FreibetrĂ€ge bedeuten, Eltern und Bafög-EmpfĂ€nger dĂŒrfen kĂŒnftig mehr verdienen und fallen trotzdem nicht gleich aus der Bafög-Förderung heraus. Hintergrund: In der Vergangenheit war die Zahl der EmpfĂ€nger deutlich gesunken. 2022 bezogen laut Statistischem Bundesamt 630.000 Personen Bafög-Leistungen, zehn Jahre zuvor waren es noch 979.000.

Studienstarthilfe fĂŒr Laptop oder BĂŒcher

1000 Euro sollen StudienanfĂ€nger ab dem kommenden Wintersemester bekommen, die unter 25 Jahre alt sind und BĂŒrgergeld beziehen oder in Familien leben, die durch andere staatliche Leistungen wie den Kinderzuschlag oder Wohngeld ihr Einkommen aufbessern mĂŒssen. Das Bundesbildungsministerium rechnet in seinem Gesetzentwurf grob mit etwa 15.000 AntrĂ€gen auf diese Studienstarthilfe. Im vergangenen Jahr wurden an deutschen Hochschulen knapp 480.000 Erstsemester gezĂ€hlt. Die Antragstellung wird voraussichtlich ĂŒber das Portal «Bafög Digital» möglich sein, wo auch Bafög online beantragt werden kann. Das Hochladen eines Nachweises ĂŒber den Bezug der genannten Sozialleistungen und einer Kopie der Immatrikulationsbescheinigung sollen ausreichen. Die 1000 Euro Starthilfe mĂŒssen nicht zurĂŒckgezahlt werden und werden bei anderen Leistungen nicht als Einkommen angerechnet, auch nicht beim Bafög.

Bafög-RĂŒckzahlung bleibt, wie sie ist

Die Bafög-Reform sieht außerdem die EinfĂŒhrung eines sogenannten FlexibilitĂ€tssemesters vor. Wenn zum Ende des Studiums die Zeit knapp wird und die Abschlussarbeit drĂŒckt, soll Betroffenen die Bafög-Förderung ein halbes Jahr lĂ€nger gewĂ€hrt werden dĂŒrfen, auch wenn das Ende der Regelstudienzeit schon erreicht ist. Einfacher soll es zudem werden, das Studienfach zu wechseln, ohne den Bafög-Anspruch zu gefĂ€hrden. Nicht umgesetzt wird der ursprĂŒngliche Plan, die Mindestraten bei der Bafög-RĂŒckzahlung von 130 auf 150 Euro im Monat zu erhöhen. Es bleibt also dabei, dass maximal 10.010 Euro Schulden getilgt werden mĂŒssen, denn nach 77 abgezahlten Raten wird in der Regel der Rest erlassen.

Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) wurde seit seiner EinfĂŒhrung 1971 immer wieder reformiert - umgangssprachlich steht der Name des Gesetzes inzwischen fĂŒr die eigentliche Geldleistung. Aus dem anfangs reinen Zuschuss ohne RĂŒckzahlung wurde spĂ€ter zunĂ€chst ein Volldarlehen. Seit 1990 gilt die Regel: Eine HĂ€lfte gibt's geschenkt, die andere muss zurĂŒckgezahlt werden.

Studierendenwerk: Nachbesserungen zu schwach

In der Debatte im Bundestag kritisierten Redner der Opposition die Bafög-Erhöhungen mit Blick auf deutlich gestiegene Lebenshaltungskosten als zu niedrig. «Den BĂŒrgergeldempfĂ€ngern geben sie zwölf Prozent mehr und das sind Ihnen nicht die Studenten wert», sagte die CSU-Politikerin Daniela Ludwig Richtung Ampel-Parteien. Politiker der Koalition verteidigten die Reform und verwiesen darauf, dass das Bafög in der laufenden Legislaturperiode bereits erhöht wurde und in weiteren Bereichen reformiert wurde. «Wir kĂŒmmern uns um das Bafög, wie keine Koalition davor», sagte der Vorsitzende des Bundestagsbildungsausschusses Kai Gehring (GrĂŒne). Alles zusammengenommen, sei das die grĂ¶ĂŸte Bafög-Reform seit ĂŒber 20 Jahren, sagte der SPD-Bildungspolitiker Oliver Kaczmarek.

Kritisch Ă€ußerte sich das Deutsche Studierendenwerk (DSW). «Schade, es wĂ€re mehr möglich gewesen», sagte der DSW-Vorsitzende Matthias Anbuhl. Er sprach von punktuellen Verbesserungen, die in die richtige Richtung gingen. Insgesamt bliebe die Reform aber hinter einer echten Strukturreform zurĂŒck.

@ dpa.de