Deutsche Bahn, Korridorsanierung

Bahn saniert bis 2031 nur 13 wichtige Strecken – acht Projekte verschoben

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 14:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Deutsche Bahn und der Bund wollen bis 2031 nur 13 statt der bisher vorgesehenen 21 wichtigen Bahnstrecken umfassend sanieren. Acht Projekte werden verschoben; wann sie nachgeholt werden, ist offen.

  • Die Strecke zwischen Berlin und Hannover wird derzeit saniert. (Archivbild) - Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
    Die Strecke zwischen Berlin und Hannover wird derzeit saniert. (Archivbild) - Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
  • Die erste Generalsanierung wurde 2024 mit viel Trubel gestartet. Von der damaligen Aufbruchstimmung ist wenig ĂĽbrig. (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa
    Die erste Generalsanierung wurde 2024 mit viel Trubel gestartet. Von der damaligen Aufbruchstimmung ist wenig ĂĽbrig. (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa
  • Bahnchefin Evelyn Palla hatte bereits angekĂĽndigt, dass die Generalsanierung wichtiger Strecken länger dauern wird. (Archivbild) - Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa
    Bahnchefin Evelyn Palla hatte bereits angekündigt, dass die Generalsanierung wichtiger Strecken länger dauern wird. (Archivbild) - Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa
Die Strecke zwischen Berlin und Hannover wird derzeit saniert. (Archivbild) - Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa Die erste Generalsanierung wurde 2024 mit viel Trubel gestartet. Von der damaligen Aufbruchstimmung ist wenig übrig. (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa Bahnchefin Evelyn Palla hatte bereits angekündigt, dass die Generalsanierung wichtiger Strecken länger dauern wird. (Archivbild) - Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa

Die Deutsche Bahn und der Bund wollen bis 2031 nur noch 13 statt 21 vielbefahrene Strecken umfassend sanieren; acht weitere Projekte werden auf einen unbestimmten Zeitpunkt nach 2031 verschoben.

Diese Strecken sollen bis 2031 saniert werden

Nach Angaben von Bahn und Verkehrsministerium sind für 2027 die Korridore Lehrte–Berlin, Rosenheim–Salzburg und Fulda–Hanau vorgesehen. Lehrte–Berlin wird bereits saniert. 2028 sollen Köln–Koblenz, München–Rosenheim in der ersten Etappe, Hagen–Unna–Hamm sowie Lübeck–Hamburg folgen.

Für 2029 sind Hamburg–Hannover, Würzburg–Ansbach–Treuchtlingen und Aachen–Köln eingeplant. 2030 sollen Stendal–Magdeburg und Uelzen–Stendal folgen. Für 2031 stehen Lehrte–Groß Gleidingen und die zweite Etappe München–Rosenheim auf dem Plan.

Acht Projekte werden verschoben

Später als ursprünglich vorgesehen sollen Bremen–Bremerhaven, Koblenz–Mainz, Forbach (Moselle)–Ludwigshafen, Stuttgart–Ulm, Frankfurt–Heidelberg, Mannheim–Karlsruhe, Bremen–Hamburg und Würzburg–Nürnberg saniert werden. Konkrete neue Termine gibt es nicht.

Bahn und Bund betonen, dass keine Korridorsanierung gestrichen werde. Die Priorisierung fĂĽr die Zeit ab 2032 soll im kommenden Jahr festgelegt werden. Der bisherige Plan, alle rund 40 Projekte bis 2036 abzuschlieĂźen, ist damit offen.

Umleitungen und ETCS sollen besser vorbereitet werden

Die Bahn-Tochter InfraGo will Umleitungsstrecken künftig intensiver vorbereiten und Bauarbeiten im Netz stärker aufeinander abstimmen. Nach den Arbeiten soll der Zugverkehr schrittweise statt an einem einzigen Stichtag wieder hochgefahren werden.

Erneuerte Strecken sollen künftig vollständig für das digitale Zugleitsystem ETCS vorbereitet werden. Stellwerke müssen dafür ETCS-fähig sein; außerdem sollen Signalstandorte angepasst und moderne Achszähltechnik eingebaut werden. Für die 2027 startenden Bauprojekte ändert sich die bisherige Planung nach Angaben der Bahn nicht.

Probleme bei bisherigen Sanierungen

Das Generalsanierungsprogramm wurde 2023 unter dem damaligen Verkehrsminister Volker Wissing und Bahnchef Richard Lutz vorgestellt. Nach Kritik, insbesondere aus dem Güterverkehr, wurde die Zahl der jährlichen Sanierungen unter der Bundesregierung 2025 auf vier bis fünf begrenzt und der Gesamtzeitplan bis 2036 gestreckt.

Bei der Sanierung der Strecke Hamburg–Berlin verzögerte sich die Wiedereröffnung in diesem Jahr wegen witterungsbedingt nicht möglicher Kabelarbeiten um rund sechs Wochen. Danach kam es zu Verspätungen, Zugausfällen und weiteren nächtlichen Sperrungen. Auch die Wiedereröffnung des Korridors Nürnberg–Regensburg verschob sich.

Im ersten Halbjahr 2026 waren weniger als 60 Prozent der Fernzüge pünktlich. Bahnchefin Evelyn Palla hatte das Generalsanierungsprogramm im Juli auf den Prüfstand gestellt; einige Wochen später wurde der Zeitplan bis 2036 aufgehoben.

Sanierungsprogramm unter Zeitdruck

Die Verschiebung betrifft ein Infrastrukturprogramm, das ursprünglich mehrere Ziele zugleich erreichen sollte: marode Gleise, Weichen, Stellwerke und Bahnhöfe sollten in gebündelten Sperrpausen erneuert werden. Der Vorteil solcher Korridorsanierungen liegt in einer konzentrierten Bauphase; der Nachteil sind weitreichende Auswirkungen auf Fern-, Regional- und Güterverkehr.

Für Reisende bedeutet die neue Reihenfolge, dass Belastungen nicht verschwinden, sondern sich zeitlich verlagern. Die Strecke Lehrte–Berlin zeigt bereits, welche Dimension solche Projekte haben: Über mehrere Monate müssen Fernzüge umgeleitet werden, Fahrzeiten verlängern sich teils deutlich, und auch Regionalverbindungen können verändert werden. Gleichzeitig bleiben andere stark beanspruchte Abschnitte länger im bisherigen Zustand.

Folgen fĂĽr Netz und Verkehrswende

Dass bis 2031 nur 13 statt 21 Korridore umfassend saniert werden sollen, macht den Gesamtzeitplan schwerer kalkulierbar. Der ursprĂĽnglich fĂĽr 2036 vorgesehene Abschluss aller rund 40 Projekte ist nicht mehr verbindlich. FĂĽr den GĂĽterverkehr ist besonders entscheidend, ob Umleiterstrecken rechtzeitig vorbereitet und mit anderen Baustellen abgestimmt werden.

Die geplante vollständige ETCS-Fähigkeit erneuerter Strecken kann langfristig die Steuerung und Kapazität verbessern. Kurzfristig hilft sie jedoch nicht gegen fehlende Baukapazitäten, Verzögerungen oder die Folgen paralleler Sperrungen. Für Fahrgäste bleibt deshalb maßgeblich, ob die Bahn künftig nicht nur einzelne Strecken modernisiert, sondern Bauabläufe und Wiederanlauf des Verkehrs verlässlicher organisiert.

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