Bahn saniert bis 2031 nur 13 wichtige Strecken
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 13:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDeutsche Bahn und Bund wollen bis 2031 nur noch 13 statt bislang 21 vielbefahrene Strecken umfassend sanieren.
Sanierungen werden verschoben
Die übrigen Vorhaben sollen später folgen. Bahn und Verkehrsministerium betonen, es würden keine Korridorsanierungen gestrichen, sondern lediglich verschoben; über die Reihenfolge ab 2032 soll im kommenden Jahr entschieden werden.
Diese Strecken sind bis 2031 vorgesehen
2027 stehen Lehrte–Berlin, Rosenheim–Salzburg und Fulda–Hanau auf dem Plan. Für 2028 sind Köln–Koblenz, die erste Etappe München–Rosenheim, Hagen–Unna–Hamm sowie Lübeck–Hamburg vorgesehen.
2029 sollen Hamburg–Hannover, Würzburg–Ansbach–Treuchtlingen und Aachen–Köln folgen. Für 2030 sind Stendal–Magdeburg und Uelzen–Stendal geplant. 2031 sollen Lehrte–Groß Gleidingen und die zweite Etappe München–Rosenheim an die Reihe kommen.
Umleitungen sollen besser vorbereitet werden
Die für die Infrastruktur zuständige Bahn-Tochter InfraGo will Umleitungsstrecken intensiver vorbereiten und Bauabläufe besser mit anderen Baustellen abstimmen. Wettbewerber im Güterverkehr hatten wiederholt kritisiert, dass Umleitungen nicht ausreichend vorbereitet und kommuniziert würden.
Nach Abschluss der Arbeiten soll der Zugverkehr schrittweise hochgefahren werden. Außerdem sollen erneuerte Strecken vollständig für das digitale Zugleitsystem ETCS vorbereitet werden; dazu gehören ETCS-fähige Stellwerke, angepasste Signalstandorte und moderne Achszähltechnik.
Konzept nach Verzögerungen angepasst
Das Generalsanierungsprogramm wurde 2023 unter dem damaligen Verkehrsminister Volker Wissing und Bahnchef Richard Lutz vorgestellt. Ursprünglich sollten bis 2031 rund 40 stark belastete Strecken über Monate gesperrt und grundlegend erneuert werden. 2025 wurde der Plan nach Kritik aus dem Güterverkehr auf vier bis fünf Sanierungen pro Jahr begrenzt und bis 2036 verlängert.
Probleme bei bisherigen Projekten
Die erste Generalsanierung auf der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim wurde 2024 abgeschlossen. Bei der anschließenden Sanierung Hamburg–Berlin verzögerte sich die Wiedereröffnung wegen witterungsbedingter Probleme bei Kabelarbeiten um etwa sechs Wochen; danach kam es zu Verspätungen, Zugausfällen und weiteren nächtlichen Sperrungen. Auch die Wiedereröffnung der Strecke Nürnberg–Regensburg verspätete sich.
Im ersten Halbjahr 2026 waren weniger als 60 Prozent der Fernzüge pünktlich. Bahnchefin Evelyn Palla hatte im Juli angekündigt, das Konzept grundlegend zu überprüfen; einige Wochen später wurde der Zeitplan bis 2036 aufgehoben.
Sanierung unter Zeitdruck
Die Generalsanierungen sollen das Grundproblem des deutschen Schienennetzes lösen: Viele Strecken, Stellwerke und Weichen sind überaltert und müssen während einer längeren Vollsperrung grundlegend erneuert werden. Der Vorteil liegt in gebündelten Arbeiten; der Nachteil sind monatelange Umleitungen und erhebliche Belastungen für Fahrgäste sowie den Güterverkehr.
Mit der Begrenzung auf 13 Korridore bis 2031 wird das Programm organisatorisch gestreckt. Das kann die Bauplanung entlasten und die Vorbereitung von Umleitungsstrecken verbessern. Zugleich bleibt ein großer Teil des Sanierungsbedarfs zunächst bestehen. Die angekündigte ETCS-Fähigkeit der erneuerten Abschnitte soll langfristig eine modernere Zugsteuerung ermöglichen, setzt aber voraus, dass Stellwerke, Signale und Fahrzeuge aufeinander abgestimmt werden.
Konkrete Folgen fĂĽr Reisende
Die Auswirkungen werden regional unterschiedlich ausfallen. Besonders stark betroffen sind die Achsen zwischen Hannover und Berlin, Hamburg und Hannover, Köln und Aachen sowie München und Rosenheim. Für Reisende bedeutet das während der Bauphasen längere Fahrzeiten, geänderte Linienführungen und je nach Strecke zusätzliche Umstiege. Der Erfolg des Programms wird deshalb nicht nur an der Zahl erneuerter Kilometer gemessen werden, sondern auch daran, ob Umleitungen zuverlässig funktionieren und der Betrieb nach der Wiedereröffnung stabil anläuft.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
NDR: „Bahnstrecke Hannover-Berlin: Diese Änderungen gelten jetzt“ (08.10.2026)
Der Bericht bestätige, dass die Sanierung der Strecke zwischen Lehrte und Berlin bereits begonnen habe und bis Dezember 2027 dauern solle. Er setze den Schwerpunkt auf die konkreten Folgen für Reisende und nenne unter anderem rund 216 Kilometer neue Gleise, längere Fahrzeiten sowie Änderungen im Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr.
Tagesspiegel: „Fahrplanwechsel in Berlin und Brandenburg: Das ändert sich bei Regionalverkehr und S-Bahn“ (08.10.2026)
Der Artikel bestätige die Ausweitung der Generalsanierung der Lehrter Bahn bis Dezember 2027 und beschreibe deren Auswirkungen auf die Linie RE4 und den Bahnhof Berlin-Spandau. Anders als der NDR-Bericht ordne er die Baustelle in die Änderungen zum Fahrplanwechsel ein; offen bleibe, wie sich die nun bis 2031 priorisierten weiteren Korridore auf den überregionalen Fahrplan auswirken würden.
Beide Berichte stellten die laufende Sanierung zwischen Lehrte und Berlin sowie die Belastungen für den Verkehr heraus; der NDR konzentriere sich stärker auf technische Arbeiten und Umleitungen, während der Tagesspiegel den regionalen Fahrplan und die Berliner Folgen hervorhebe.

