Basketballerinnen verpassen WM-Medaille und bekommen deutliche Kritik vom Bundestrainer
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 09:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie deutschen Basketballerinnen haben ihre Heim-WM in Berlin auf dem vierten Platz beendet und damit den größten Erfolg ihrer Geschichte nur knapp verpasst.
Starker Auftritt mit bitterem Ende
Nach dem 58:81 gegen Spanien im Spiel um Platz drei standen bei mehreren Spielerinnen die Tränen im Vordergrund. Schon im Halbfinale gegen Frankreich war Deutschland beim 64:86 chancenlos geblieben, hatte zuvor aber mit dem Viertelfinal-Sieg über Belgien für den emotionalen Höhepunkt des Turniers gesorgt.
Bundestrainer Olaf Lange richtete nach dem Turnier den Blick auf die Bedingungen im deutschen Frauenbasketball und kritisierte die Bundesliga-Strukturen scharf.
Kritik an der Liga
Lange verwies darauf, dass ein Großteil seines Kaders bereits im Ausland spielt, und forderte mehr Entwicklung in der heimischen Liga. Zugleich stellte er die medizinische Situation in den Vereinen infrage und warnte davor, dass der Aufschwung der Nationalmannschaft sonst schwer zu halten sei.
Die Berliner WM hatte dem Frauenbasketball in Deutschland dennoch eine neue Bühne verschafft. Mehr als 230.000 Fans kamen in die Hallen, und das Team um Leonie Fiebich, Marie Gülich sowie die Sabally-Schwestern rückte in den Mittelpunkt eines Turniers, das sportlich und atmosphärisch Maßstäbe setzte.
Blick auf die nächsten Ziele
Für die Auswahl von Olaf Lange beginnt nun die Vorbereitung auf die EM 2027 und den weiteren Weg Richtung Olympische Spiele 2028. Nach dem Turnier in Berlin ist klar: Deutschland hat sportlich Anschluss gefunden, muss die Entwicklung aber im Vereinsalltag absichern, wenn aus dem Heim-Erfolg ein dauerhafter Fortschritt werden soll.
Vom Achtungserfolg zum Strukturthema
Der vierte Platz der deutschen Basketballerinnen markiert den sichtbarsten Schritt des Teams in den vergangenen Jahren. Die Heim-WM in Berlin hat gezeigt, dass die Auswahl sportlich mit Europas Spitze mithalten kann und auch ohne Medaille eine neue Aufmerksamkeit erzeugt hat.
Gleichzeitig verschiebt sich der Blick jetzt auf die Rahmenbedingungen. Wenn der Bundestrainer auf die Liga-Strukturen verweist, geht es um mehr als den Frust über ein verlorenes Spiel: Entscheidend ist, ob die sportliche Entwicklung der Nationalmannschaft durch bessere Spielpraxis, höhere Belastung und professionellere Betreuung im Vereinsalltag abgesichert wird.
Was der Aufschwung für den deutschen Frauenbasketball bedeutet
Für den Standort Deutschland ist die WM ein Signal mit doppelter Wirkung. Einerseits steigert der Turniererfolg die Reichweite des Frauenbasketballs und kann Nachwuchs, Sponsoren und Halleninteresse stärken. Andererseits bleibt der Abstand zu den dominierenden Nationen groß, wenn die besten Spielerinnen langfristig in stärkeren Ligen gebunden sind und die nationale Liga nur begrenzt Leistungsdruck erzeugt.
Für Leserinnen und Leser bedeutet das: Der Berliner Sommer ist nicht nur ein Endrundenergebnis, sondern ein Prüfstein für die nächsten Jahre. Ob Deutschland bei der EM 2027, auf dem Weg zu den Spielen 2028 und zur nächsten WM weiter aufschließen kann, hängt ebenso von Kaderqualität wie von den Strukturen im Klubbasketball ab.
Der Druck auf Vereine und Verband
Die öffentliche Kritik an der Bundesliga erhöht den Druck auf Vereine, Verband und Liga, professionalisiertere Bedingungen zu schaffen. Das betrifft Kaderbreite, medizinische Betreuung, Trainingsumfänge und die wirtschaftlichen Möglichkeiten, Leistungsträgerinnen im Land zu halten oder gezielt zurückzuholen.
